Drei Bandenmitglieder müssen hinter Gitter, einer erhält nur Geldstrafe

Senioren mit Geschichten um rund 400.000 Euro gebracht

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Symbolbild

Langen/Darmstadt - Um rund 400.000 Euro erleichterte eine Betrügerbande gutgläubige Senioren, die auf ihre allesamt erfundenen, zu Tränen rührenden Geschichten hereinfielen: Nun wurden drei geständige Verbrecher vom Landgericht Darmstadt zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Ein weiterer kam mit einer Geldstrafe davon. Als Kennenlernplattform diente den gewerbsmäßig agierenden Betrügern der Teppichhandel – so begann die Schrumpfung des Bankkontos eines früheren Ingenieurs mit einem harmlosen Flyer im Briefkasten über ein neues Teppichgeschäft in Langen. So lernte der 87-Jährige den 50-jährigen Geschäftsinhaber aus Frankfurt kennen. Der witterte einen dicken Sparstrumpf und pumpte ihn schon bald um 5000 Euro an: „Die hätten ihm für eine größere OP gefehlt, die 50.000 Euro kosten sollte“, so der Langener Rentner. Der Teppichhändler wurde zwar nicht operiert, bat aber um weitere Geldbeträge, die der Zeuge auszahlte – insgesamt 47.000 Euro. Und noch mal 69.000 Euro an den 34-jährigen Angeklagten aus Köln, der sich als Teppichknüpfer Baschadus ausgab und ihm einen Fehler im Fadenmuster ausbesserte. Auf die Rückzahlungen wartet er bis heute. „Es klang alles so glaubwürdig.“ Ganz ähnlich erging es einem 81-jährigen Sprendlinger. Der wurde seit 2008 um insgesamt 214.550 Euro erleichtert.

Neun Geschädigte im nicht verjährten Zeitraum der vergangenen fünf Jahre stehen in der Anklageschrift. Allesamt Senioren, die sich durch Hilfsbereitschaft und Vertrauen um ihre Ersparnisse fürs Alter gebracht haben. Staatsanwalt Thomas Haug spricht deshalb auch von einem hohen „individuellen Schadenseinschlag“. Er fordert in seinem Plädoyer wesentlich härtere Strafen, als sie die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff ausspricht. Denn bei den Gaunern handelt es sich um alles andere als „Ersttäter“. Sie sind der Justiz in vielen Orten Deutschlands bekannt, im Bundeszentralregister (BZR) taucht unter ihren Namen meist der Straftatbestand des Betrugs auf. So bei dem 50-jährigen Frankfurter, der zweieinhalb Jahre Haft erhält: Er sammelte elf Vorstrafen wegen Schwindeleien an, die allesamt im Teppichhandel ihren Anfang nahmen. Verteidiger Michael Euler hingegen betont die Naivität der Geschädigten: „Warum gibt jemand weiter sein Geld her, wenn das erste Darlehen schon nicht zurückgezahlt wurde?“ Im Übrigen habe sein Mandant mit dem fremden Geld keine teuren Autos oder sonstigen Konsumgüter finanziert, sondern ausschließlich seine Spielsucht befriedigt.

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Ein 28-jähriger Frankfurter, mit 22 BZR-Einträgen und 51 Betrugstaten „Spitzenreiter“ in Sachen Einschlägigkeit, wird zu vier Jahren Haft verurteilt – die Staatsanwaltschaft hatte achteinhalb Jahre gefordert. Nicht weit darunter liegt ein 34-jähriger Kölner, der mit 37 Betrugstaten im Vorstrafenregister schon insgesamt acht Jahre Haft verbüßt hat. Jetzt kommen noch mal viereinhalb Jahre hinzu. Ihm wirft der Staatsanwalt besonders hohe kriminelle Energie vor. Vorgespielte Reue zur Erschleichung der Richtergunst und zwei unter Bewährung begangene Taten zeichneten kein gutes Bild des Angeklagten. Haug: „Das Wohlergehen der Opfer ist ihnen völlig gleichgültig, die bereits verhängten Strafen beeindrucken sie überhaupt nicht. Ich erinnere nur an einen Fall, in dem sie morgens den Urteilsspruch abholten und sich nachmittags als angebliche Zollbeamte der nächsten Betrügerei schuldig machten. Eine solche Rückfallgeschwindigkeit habe ich noch nicht erlebt!“ Für diese beiden Kandidaten fordern selbst die Verteidiger keine Bewährungsstrafen mehr.

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Der vierte Angeklagte, ein 41-jähriger Frankfurter, hat „nur“ acht Betrugsfälle auf dem bisherigen Konto, zeigte sich aber in der Vergangenheit ebenfalls besserungsresistent. Für ihn hält Haug 21 Monate Haft angemessen, da in einem früheren Fall die Geldstrafe null Wirkung zeigte. Richterin Schroff verhängt jedoch nochmals eine Geldstrafe von 1200 Euro. Die recht milde anmutenden Urteile kamen dadurch zustande, dass die Kammer die Fälle an Strafzumessungen aus der Wirtschaftskriminalität anlehnte, wo es oft um Schäden in Millionenhöhe geht. Damit verglichen ist die Höhe der erschlichenen Seniorengelder eher unteres Mittelmaß. Daneben wirkte sich die umfangreiche Geständigkeit der Angeklagten für sie positiv aus.

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