Bebauungsplan muss ein weiteres Mal in die Beratungsrunde

Quartierszentrum Obere Bahnstraße: Magnet in der Warteschleife

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So fügt sich das geplante Gebäudeensemble in das Karree ein. Die Grafik zeigt den Blick von der Taunusstraße nach Westen.

Langen - Entscheidung vertagt: Das Magnetprojekt für die Innenstadt (Quartierszentrum Obere Bahnstraße mit Supermarkt) hängt vorerst in der Warteschleife. Von Markus Schaible 

Der Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr will den Bebauungsplan erneut beraten; eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung noch vor den Sommerferien ist somit nicht möglich. Nun soll die Verwaltung erst einmal einen Fragenkatalog der CDU beantworten. Unendliche Geschichten sind in der Langener Kommunalpolitik der jüngeren Vergangenheit ja keine Seltenheit. Insofern befindet sich die Magnet-Planung in guter Gesellschaft anderer Großprojekte. „2006 haben wir begonnen, darüber zu sprechen“, erinnerte der zuständige städtische Fachbereichsleiter Carsten Weise. Und über fast die ganze Zeit seither habe es einstimmige Beschlüsse der Kommunalpolitiker gegeben – alle seien sich somit einig gewesen, was das Ziel sein sollte: mehr Kundenfrequenz in der oberen Bahnstraße. Genau das werde mit dem Bebauungsplan, der nach Abwägung von Anregungen und Einwendungen infolge der öffentlichen Auslegung nun als Satzung beschlossen werden soll, auch erreicht. Doch genau diese zusätzliche Frequenz bereitet einigen Stadtverordneten nun offenbar große Sorgen.

Bedenken haben CDU, FWG-NEV und UWFB in Bezug auf die Zahl der Parkplätze und das Verkehrsaufkommen im Kreuzungsbereich Bahn-/Zimmerstraße. Da half es wenig, dass die Fachleute – sowohl die aus dem Rathaus als auch externe – gleich mehrfach ausführlich darlegten, dass es für beide Punkte im neuen Plan sinnvolle Lösungen gebe. So rechnet Verkehrsplaner Karsten Ott vom Frankfurter Büro IMB Plan zwar mit einer Zunahme der Kraftfahrzeuge um etwa zehn Prozent im Vergleich zu den 2015 dort gezählten 8400 binnen 24 Stunden; damit liege man aber immer noch weit unter dem Aufkommen, das dort vor zehn oder 15 Jahren registriert wurde. Mit einer zweiten Fußgängerschutzanlage („Drück-Ampel“) könne der Verkehr problemlos geregelt werden. Und selbst, wenn die Prognose deutlich überschritten werde, gebe es einen Plan B, nämlich die Verschiebung der bestehenden Fußgängerampel.

Auch die Lkw-Anlieferung zum Supermarkt stelle kein Problem dar, betonte Weise: Es seien nur ein bis zwei größere Fahrzeuge pro Tag, die zu solch frühen Zeiten in den abgeschotteten Ladebereich einfahren, dass dort kaum jemand unterwegs sei. „Wir werden deutlich mehr Parkplätze haben als bisher“, erklärte Simon Valerius, Leiter der Stadtplanungsabteilung. Den Kritikern aber reicht diese Aussage nicht aus. Wo genau sie sind, wie sie verteilt sind, wem sie zugeordnet sind, wolle die CDU wisse, betonte Fraktionsvorsitzender Jörg Nörtemann. Carsten Weise hielt dagegen, dass da wohl verschiedene Projektebenen durcheinandergebracht werden. Solche Details seien generell nicht in einem Bebauungsplan zu regeln, der nur die grobe Struktur des Projektes vorgebe, sondern nachgeordnet im Bauantrag.

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Für SPD, Grüne und Liberale sind alle Fragen abschließend geklärt. Rolf Diefenthäler (FDP) sieht das Projekt als „wesentliche Maßnahme, unser Gewerbe dort nicht sterben zu lassen“. Und Rainer Bicknase (SPD) warnte: „Wir haben nicht mehr lange die Chance, über die Bahnstraße zu diskutieren, denn wenn sie erst so weit heruntergekommen ist, dass kein Investor mehr dort etwas machen will, dann haben wir wirklich die Loser-Karte.“ Joost Reinke (Die Linke) lehnt das Projekt angesichts des Widerstands der Nachbarschaft ab: „Im Zweifel werden wir uns für den einzelnen Bürger entscheiden.“ Damit aber eben gegen die gesamte Bürgerschaft, musste er sich daraufhin vorwerfen lassen.

Die CDU stehe grundsätzlich zu den Zielen, die verfolgt würden, betonte Nörtemann, bleibe aber dabei: Aus ihrer Sicht seien nicht alle Fragen geklärt. Und deshalb legte die Fraktion einen Katalog mit 22 Fragekomplexen vor, den die Verwaltung beantworten soll. FWG-NEV und UWFB schlossen sich der Forderung nach einer zweiten Lesung der Vorlage an.

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