Die Sprachbarriere umschiffen

Comics vermitteln im Freibad und am Waldsee das Regel-Abc

Langen - Um die neuen Comics im Schwimmbad zu begreifen, sind Deutschkenntnisse entbehrlich. Genau das ist der Zweck der Bilder, die zusammen mit ehrenamtlichen Sprachmittlern Zuwanderer vor Ort über Sicherheitsbestimmungen und Hygienerichtlinien aufklären – und damit helfen, kulturelle Missverständnisse zu vermeiden.  

„Halt! So dürfen Sie nicht ins Wasser!“, der Schwimmmeister im Freizeit- und Familienbad ist schnell zur Stelle, als ein junger Mann mit hochgekrempelter Jeanshose ins Becken steigen will. Weil der Gast kein Deutsch spricht, gestaltet sich die nötige Unterweisung in die Baderegeln allerdings eher schwierig. Mit Händen, Füßen und einem Informationsblatt in der Sprache Farsi verständigen sich beide schließlich. „Solche Situationen sind in den vergangenen Monaten häufig vorgekommen“, sagt Michael Krauß vom städtischen Fachdienst Kultur und Sport.

Im Schwimmbad ist es aus Sicherheits- und Hygienegründen wichtig, dass alle Badegäste das Reglement verstehen – selbstverständlich auch diejenigen, die nicht gut Deutsch sprechen. Die Stadt setzt deshalb inzwischen ehrenamtliche Sprachmittler ein. Großen Bedarf für das Projekt gibt es vor allem durch die Zuwanderung zahlreicher Flüchtlinge. Sie hatten in ihren Heimatländern oft nie die Möglichkeit, Schwimmen zu lernen und unterschätzen deshalb unter Umständen die Gefahren.

Schon während der Hallenbadsaison am Jahresanfang sei die Idee mit den ehrenamtlichen Sprachmittlern geboren worden, um Hausordnung und Baderegeln besser verständlich zu machen, erläutert Krauß. Er und seine Kollegen suchten daraufhin gemeinsam mit Christraud Bommer vom städtischen Fachdienst Migration, Jugend, Spielplätze und der Flüchtlingshilfe nach Freiwilligen. Im Juli wurde das Projekt schließlich in die Tat umgesetzt.

Zwei sogenannte Sprachmittler sind derzeit an besonders heißen Tagen im Auftrag der Stadt im Einsatz. Gut erkennbar sind sie an ihrem hellgrünen Helfer-T-Shirt. Während Hadi Popal schwerpunktmäßig am Waldsee unterwegs ist, hält Hamid Azizi häufig im Freibad an der Teichstraße Ausschau. „Der Einsatz ist immer freiwillig“, erklärt Krauß. „Auf Grundlage des Wetterberichts informieren wir unsere Helfer drei Tage vorher über einen passenden Termin.“ Koordiniert werden die Dienste dann je nach persönlicher Verfügbarkeit der Männer. Als Dankeschön stellt die Stadt den Sprachmittlern eine Saisonkarte aus, die jederzeit den kostenfreien Eintritt ins Bad ermöglicht, und eine Erfrischungspauschale, damit die ehrenamtlichen Helfer auch Speisen und Getränke während ihres Dienstes zu sich nehmen können.

Im Gepäck haben Popal und Azizi die übersetzten Baderegeln, die in jedem Bad erhältlich sind. Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hat die nützlichen Merkblätter zum Beispiel in Albanisch, Französisch, Paschtu, Russisch, Türkisch oder Urdu erstellt und zur Verfügung gestellt. Auch spezielle Comics für Analphabeten gibt es. „Sprachmittler sind weder Aufsichtskräfte noch Rettungsschwimmer“, betont Krauß. „Sie stehen über eigene Handfunkgeräte ständig in Kontakt mit den Schwimmmeistern und sagen dort Bescheid, wenn die Situation das erfordert.“ Das Projekt diene der Prävention und dem friedlichen Miteinander in den Schwimmbädern.

Bei den anderen Badegästen stößt das Modell ausschließlich auf positive Resonanz. Viele sind froh, Ansprechpartner zu haben, falls es zu Missverständnissen kommt oder Klärungsbedarf besteht, und begrüßen die Sprachmittler. „Wir würden uns sehr freuen, wenn das ehrenamtliche Team Verstärkung bekommt“, sagt Krauß. Mitmachen können alle über 18 Jahre, die neben Englisch eine weitere Sprache sprechen. Deutschkenntnisse sind wünschenswert, aber keine Voraussetzung. Helferinnen würden Michael Krauß und seine Kollegen besonders gern willkommen heißen. Das Projekt soll schließlich auch über diese Freibadsaison hinausgehen und im Hallenbadbetrieb fortgeführt werden. Weitere Informationen gibt es unter 203450 oder per E-Mail an mkrauss@langen.de. (cor)

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