Deutsch-amerikanischer Austausch in Langen

Vieles anders, aber längst nicht alles

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Mehr als nur verbesserte Sprachkenntnisse hat der Schulaustausch gebracht, darin sind sich Langener und amerikanische Gäste einig. Fazit: „Einfach ein einmaliges Erlebnis.“ Links im Bild: US-Lehrer Jeff Dyer, rechts Holger Windmöller.

Langen - Viel lernen, viel lachen, viele neue Leute kennenlernen: Ein Schüleraustausch ist eine einmalige Erfahrung und eine spannende Zeit, die das Leben der Jugendlichen bereichert. Von Sina Gebhardt

Seit 26 Jahren besteht die von Holger Windmöller gegründete und koordinierte Schulpartnerschaft zwischen der Dreieichschule und der Oregon High School in Wisconsin. Nachdem die Gymnasiasten Ende März nach Amerika geflogen waren, hatten sie nun seit dem 21. Juni Besuch aus den USA. Für drei Wochen durften 23 amerikanische Schüler und ihr Lehrer Jeffrey Dyer Langen ihr Zuhause nennen und das Leben in Deutschland kennenlernen – und natürlich mit dem in den USA vergleichen.

„Ich klinge bestimmt für meine Gastfamilie wie ein fünfjähriges Kind, weil ich immer so viele Fragen stelle“, sagt der 17-jährige Jarret aus Madison lachend. Aber so verbessern die Schüler ihren Wortschatz, lernen die korrekte Aussprache und auf deutscher Seite hat es einen interessanten Gegeneffekt: „Man geht mit ganz anderen Augen durch die Stadt, weil man auf so viele Details aufmerksam gemacht wird“, weiß Isabella Petavrakis. Sie wird voraussichtlich in zwei Jahren die Nachfolge von Windmöller als Koordinatorin des Austausches übernehmen.

Das Interesse der deutschen Schüler an den Freshmen und Juniors aus Übersee ist groß – die Fragen drehen sich freilich um das, wofür Amerika bekannt ist: Waffenbesitz, Kalifornien und natürlich der umstrittene Donald Trump. „Unsere Medienberichterstattung ist so einseitig, dass man hier eigentlich nur gegen Trump sein kann, was ich auch richtig finde“, meint Ricardo. Obwohl sich auch unter den US-Austauschschülern kaum Befürworter fanden, ist es für den 14-Jährigen spannend gewesen, auch mal Einblick in die andere Seite zu bekommen. Altersbedingt beneiden die Gymnasiasten natürlich die Amerikaner um ihren Führerschein. Jener ist für Erin eine Selbstverständlichkeit: „Bei uns gibt es weniger Infrastruktur, da brauchen wir das Auto schon allein, damit wir zur Schule kommen.“

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Apropos: Beide Seiten haben schnell festgestellt, dass die Schulsysteme nicht vergleichbar sind. Während in Amerika viel mehr spezifischere Fächer wie Bogenschießen, Architektur oder über Online-Kurse sogar Chinesisch zur Auswahl stehen, gibt es in Deutschland mehr Struktur, dafür weniger Optionen. Das hat natürlich seinen Grund, denn „wir arbeiten auf ein bestimmtes Ziel, nämlich die Universität und das Erlangen eines akademischen Grades, hin“, erläutert Petavrakis. Ob ihnen die deutsche oder amerikanische Variante besser gefällt, mögen die Schüler nicht entscheiden – nicht einmal nach Abwägung weiterer Aspekte: Hier gibt es Hitzefrei, in den USA dafür Klimaanlagen.

Allen Unterschieden zum Trotz gibt es eine unerwartete Gemeinsamkeit, die Lehrer Dyer aufgefallen ist: „Es heißt immer, dass die Portionen bei uns so riesig wären. Aber als ich hier mit Freunden Essen war, waren die mindestens genauso groß.“ Nach zehn Jahren als Austausch-Koordinator der Oregon High School weiß er es zu schätzen, dass obwohl der Ablauf gleich bleibt, jeder Austausch doch immer neu und anders ist. Viele Ausflüge stehen planmäßig auf dem Programm, einen jedoch hat Dyer diesmal mit Hintergedanken organisiert. Seine Schüler sollen die Goethe-Universität in Frankfurt kennenlernen. „Ich weiß, dass keiner sein komplettes Studium in Deutschland absolvieren wird. Aber ich möchte, dass sie ein Auslandssemester hier in Betracht ziehen.“

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Begeistert sind die amerikanischen Schüler von Deutschland in jedem Fall, haben sie doch in der kurzen Zeit viel gesehen und erlebt: Kölner Dom, Wartburg, Weimar und sogar den Hype der Fußball-EM und das Ebbelwoifest. „Es ist ganz anders als bei uns“, berichtet der 16-jährige Ian. „Da kommen alle Generationen zusammen, es ist voll und ganz tolle Atmosphäre.“ Letzte „Amtshandlung“ der US-Delegation in Langen war das Schulfest am Freitag, dann blieb noch das gemeinsame Wochenende, um Abschied zu nehmen. Am gestrigen Montag sind die Jugendlichen nach Berlin abgeflogen, wo sie noch drei Tage verbringen werden, ehe es wieder zurück in die USA geht.

„Ich bin zwar glücklich, meine Familie bald wiederzusehen, aber auch traurig, meine Gastfamilie zu verlassen“, sagt Jarret, der sich mit Gastgeber Sebastian nicht nur das Heim, sondern sogar die Klamotten geteilt hat, weil sein Koffer verloren gegangen war. Auch Liza Marie fällt der Abschied von Austauschpartnerin Tori schwer: „Sie ist ein Teil der Familie geworden. Unser nächstes Treffen müssen wir jetzt selbst planen, aber wir werden uns definitiv wiedersehen.“ Vom interkulturellen Austausch profitieren zuvorderst die Sprachkenntnisse, aber alles Drumherum ist eine Bereicherung, die Maggie aus Oregon auf den Punkt bringt: „Das ist einfach ein einmaliges Erlebnis.“

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