Einkaufsmagnet in der Oberen Bahnstraße

Bau in greifbarer Nähe

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So fügt sich das geplante Gebäudeensemble in das Karree ein. Die Grafik zeigt den Blick von der Taunusstraße nach Westen. Der Supermarkt zieht ins Erdgeschoss des Hauptgebäudes, darüber erheben sich Riegel mit Wohnungen und Büros. Ein weiteres Wohngebäude ist im Vordergrund zu sehen. Den Neubauten müssen die drei Backsteinhäuser an der Bahnstraße 39-43 weichen.

Langen - Gut ein Jahr lang haben sich Investor und Stadt Zeit gelassen, um die Planungen für den Supermarkt („Magneten“) in der Oberen Bahnstraße öffentlich zu erörtern. Jetzt müsse es vorangehen, heißt es aus dem Rathaus. Von Cora Werwitzke

Die Stadt will Baurecht schaffen, dazu legt sie den Stadtverordneten einen neuen Bebauungsplan vor, der anschließend öffentlich ausgelegt wird. Im Sommer will der Magistrat mithilfe der Parlamentarier dann endgültig Tatsachen schaffen. Anwohner und Gegner des geplanten Markts in der Bahnstraße 39-43 haben jüngst mit einem provokanten Faltblatt Stimmung gegen das Bauprojekt gemacht. Im Rathaus lösten sie damit angesichts falscher Fakten und mit den darin angeschlagenen Ton Kopfschütteln aus: Denn seit politisch über den „Magneten“ diskutiert wird – und das ist nach Angaben der Stadtplaner schon acht Jahre der Fall –, seien sechs von sieben Beschlüssen dazu im Parlament einstimmig gefällt worden. Die Behauptung, Rot-Grün sei schuld, entbehre also jeder Grundlage.

Keine Frage, der Bau des sogenannten Quartierszentrums mit Markt, Tiefgarage und Wohnungen gegenüber der Einmündung Zimmerstraße wird kontrovers diskutiert. „Wir haben die Planungen bewusst in die Öffentlichkeit gerückt und den Austausch mit den Anwohnern gesucht“, sagt der städtische Projektleiter Simon Valerius. Es sei nicht selbstverständlich, dass sich auch ein Investor dafür so viel Zeit nehme. In drei Infoveranstaltungen sei die Planung erörtert worden – „und wo sich auf Wunsch der Anwohner etwas realistisch umgestalten ließ, haben wir das in die Entwürfe integriert.“ Die Tür der Stadtplaner steht nach den Worten von Valerius auch weiter offen. „Aber jetzt müssen wir auch sehen, dass wir weiter vorankommen.

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Die Parlamentarier beschäftigen sich in den kommenden Wochen mit dem Bebauungsplan, der das aktuelle, fast 50 Jahre alte Kartenmaterial ersetzen soll. In jenem ist noch vorgesehen, die Zimmerstraße über die bebauten Grundstücke zur Gartenstraße zu erweitern. Die grüne Brachfläche im Karree zwischen Bahn-, Heine-, Garten- und Taunusstraße ist zudem als Parkplatz ausgewiesen.

Der neue Plan soll als Weichensteller für die Entwürfe des Offenbacher Architekturbüros Wellnitz dienen: Dabei handelt es sich um ein fünfgeschossiges Gebäude mit begrüntem Flachdach und Tiefgarageneinfahrt. Im Erdgeschoss zieht der Einkaufsmarkt mit weiteren kleinen Einzelhandelsgeschäften ein, darüber entsteht Wohnbebauung. Ein zweites Wohngebäude mit fünf Stockwerken schließt sich terrassenähnlich an den Vorderbau an. Insgesamt soll in bester Innenstadtlage Wohnraum für 100 Menschen entstehen.

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Was für manche Anwohner überdimensional klingt, ist nach den Angaben von Erstem Stadtrat Stefan Löbig vergleichbar mit den vorhandenen Bahnstraßenhäusern: „Die Giebelhöhe des Supermarkts wird nicht höher als die des Gebäudes zwei Hausnummern weiter“, beruhigt der Bauderzenent. Gerade die vermeintliche Größe des neuen Hauses habe den Anwohnern bei einer ersten Infoveranstaltung im Mai 2015 Kopfschmerzen bereitet. „Viele Bürger befürchten künftig gegen eine hohe Betonmauer zu schauen“, erklärt Löbig. Die Stadtplaner und Architekten hätten extra einen etwa fünf Meter breiten Grünstreifen mit Baum- und Strauchbestand zwischen den Neubauten und den Gärten der Anwohner vorgesehen. „Diese gartenähnliche Begrünung ist sicherlich eine optische Aufwertung gegenüber dem bisherigen Brachgelände.“ Der derzeit unbebaute und nicht öffentlich zugängliche Bereich gehört der Stadt. Ein Umweltgutachten versichert, dass es dort keine schützenswerte Flora und Fauna gibt.

Für den Verkehr wird der Wohn- und Geschäftskomplex über eine Zufahrt zur Tiefgarage an der Bahnstraße erschlossen. Zulieferer, Bewohner und Kunden können die geplante Tiefgarage als Stellplatz nutzen. Damit der Plan aufgeht, hat die Verwaltung Verkehrsgutachter zu Rate gezogen. Der Bebauungsplan wird am 27. Januar im Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss und am 25. Februar in der Stadtverordnetenversammlung beraten. Entscheiden beide Gremien positiv, rückt der Baubeginn in greifbare Nähe. „Nach der gesetzlichen Auslegungsfrist könnte das Stadtparlament den Bebauungsplan im Juli verabschieden. Nach Vorlage der Baugenehmigung stünde der Umsetzung dann nichts mehr im Weg“, so Löbig. Durchaus realistisch sei, dass die Langener dann alles für den Weihnachtsschmaus 2017 im neuen Markt kaufen können.

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