Kommunalpolitiker uneins über Zukunft

Einkaufszentrum Oberlinden: Ein Stück Ratlosigkeit

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Etwa 5000 Bewohner leben in Oberlinden, trotzdem war für die Einzelhändler im Einkaufszentrum in den vergangenen Jahren kein Gewinn mehr zu machen. Nun könnte es unter dem Titel „Stadtteilzentrum“ wiederbelebt werden.

Langen - Im Einkaufszentrum Oberlinden muss etwas geschehen, um den weiteren Verfall zu stoppen. Darin sind sich Langens Kommunalpolitiker einig. Doch wie, da gehen die Meinungen auseinander. Von Markus Schaible

Insofern gab es im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr zwar die Empfehlung, dem Kompromiss zwischen Verwaltung und Besitzern zuzustimmen – allerdings enthielt sich die Mehrheit der Parlamentarier. Die Aussage von Carsten Weise, dem zuständigen Fachbereichsleiter im Rathaus, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Es wird keine weiteren Gespräche mit den Eigentümern geben. Wir sind an einem Endpunkt angelangt, wir können nicht mehr erreichen.“ Nicht mehr, das bedeutet: Das (ehemalige) Einkaufszentrum wird in Richtung Stadtteilzentrum entwickelt, es soll einen medizinischen Schwerpunkt geben (Arztpraxen, Physiotherapie oder Ähnliches), dazu Platz für Einzelhandel und Gastronomie. Das alles in den bestehenden, zu sanierenden Ladenlokalen. Darüber hinaus können die Gebäude für die Schaffung zusätzlicher barrierefreier Wohnungen aufgestockt werden. Fixiert werden soll dies noch vor dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in einem städtebaulichen Vertrag, in dem auch Fristen für die Realisierung festgelegt sind – sofern der Bauausschuss seine Zustimmung zum Bebauungsplan signalisiert.

Im Ausschuss aber gibt es Zweifel an den Plänen, wobei auch immer die in ganz Oberlinden angespannte Parkplatzsituation eine Rolle spielt. Das geht sogar so weit, dass CDU-Fraktionschef Jörg Nörtemann die Frage aufwirft: „Wäre es nicht denkbar, das ganze Ensemble abzureißen, eine Tiefgarage zu bauen und seniorengerechte Wohnungen darüber?“ Das Aufstöhnen auf der Zuschauertribüne im Rathaussaal, auf der einige Anwohner Platz genommen haben, klingt gleichermaßen nach Erstaunen und Entsetzen.

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Aber auch in diesem Punkt spricht Weise Klartext: „Wir haben diesen Vorschlag schon ganz zu Beginn der jahrelangen Verhandlungen aufgebracht. Aber die Besitzer lehnen das kategorisch ab.“ Es sei überhaupt schon sehr schwierig gewesen, den Eigentümer, der etwa 90 Prozent der Flächen besitzt, zum Handeln zu bewegen. Für ihn sei das EKZ ein Abschreibungsobjekt, das auch noch Jahre weiter vor sich hinvegetieren könne. Im Übrigen stellt er klar: „Wir sind nicht Herr des Handelns.“ Die Stadt könne keinen Privaten zwingen, etwas zu tun, genauso wenig wie sie anordnen könne, welche Geschäfte sich niederzulassen hätten.

Eine Tiefgarage dort sei nicht finanzierbar, sagt Weise zu entsprechenden Forderungen. Dennoch ist für etliche Parlamentarier das Thema Parkplätze ein Knackpunkt. Uli Vogel (FWG-NEV): „Es kann nicht sein, dass öffentliche Stellflächen wegfallen und die Anwohner die neuen dann vom Investor anmieten müssen.“ Weise kontert: „Im Augenblick parken etliche Anwohner – und das mitunter seit Jahrzehnten – auf dem Gelände der Eigentümer. Das ist so, als ob sich einer in Ihrer Garage breitmacht. Die Besitzer hätten da auch längst eine Kette spannen können.“ Im Übrigen gehe kein Parkplatz verloren; für die Neubauten müssten zusätzliche geschaffen werden. Dass die Eigentümer nun bereit seien, die Stellflächen auf ihrem Areal unterzubringen, sei das Maximum, was erreichbar sei.

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Etliche Fraktionen hatten offenbar vorgehabt, den Bebauungsplan abzulehnen – auch, weil fast alle Einsprüche von Anliegern zurückgewiesen werden. Nach der Diskussion aber herrscht fast schon Ratlosigkeit: „Ich bin hin und her gerissen“, gesteht etwa Rolf Diefenthäler (FDP). Joost Reinke (Linke; im Ausschuss ohne Stimmrecht), plädiert – „nach dem, wie es sich nun darstellt“ – dafür, doch den von der Verwaltung vorgeschlagenen Weg zu gehen. Letztlich stimmen SPD und Grüne im Ausschuss dem Bebauungsplan zu, was aber im Parlament nicht zu einer Mehrheit reichen würde. Ein NEV-Abgeordneter votiert dagegen, einer enthält sich, genauso wie CDU, FDP und UWFB. Sie haben noch Beratungsbedarf.

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