Bebauungsplan für „Quartierszentrum“ in der oberen Bahnstraße

Endgültiges Ja zum Supermarkt

Langen - Breite Mehrheit für das Magnet-Projekt: Mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen und FDP hat die Stadtverordnetenversammlung den Weg frei gemacht für den Bau eines Supermarktes samt Wohnbebauung auf dem Areal Bahnstraße 39-43 samt dahinter liegender Bereiche. Von Markus Schaible

Seit Jahren stehen die Sandsteinhäuser in der Bahnstraße 41 und 43 sowie das nebenliegende, verputzte Gebäude leer; außen noch einigermaßen ansehnlich, innen aber total marode. Mit der Zustimmung der Stadtverordneten zum Bebauungsplan für ein „Quartierszentrum“ ist ihr Schicksal endgültig besiegelt: Sie werden abgerissen. Auf Antrag der FWG-NEV werden zumindest die roten Buntsandsteine („ein Langener Kulturgut“) aufbewahrt; unter anderem für Reparaturen an anderen Gemäuern. Zuvor hatte sich die NEV ebenso wie die Unabhängige Wählervereinigung UWFB und die Linke noch einmal entschieden gegen das auch von etlichen Nachbarn abgelehnte Projekt ausgesprochen. Fraktionschefin Anna Sehring erklärte, die NEV habe zwar vor acht Jahren den Bau eines Supermarktes an dieser Stelle gefordert, nicht aber einen „Magneten“. Und eine Bebauung in dieser Massivität lehne ihre Fraktion ab. Dr. Detlef Drömer, Vorsitzender der UWFB-Fraktion, bedauerte, dass es – mangels Interesse der Unternehmen an diesem Standort – nicht gelinge, das ursprünglich angepeilte Sortiment (Bekleidung oder Ähnliches) dort anzubieten. „Wir wollen aber nichts planen, was in 20 Jahren nutzlos ist.“

Am heftigsten ging Joost Reinke (Linke) mit der „Blaupause banaler Bauprojekte im Rhein-Main-Gebiet“ ins Gericht. Gewachsene Strukturen würden ignoriert, beklagte er. Er habe noch keinen Langener getroffen, der sich über zu wenige Supermärkte in der Innenstadt beschwert habe – was etliche Zwischenrufe aus Reihen der Befürworter auslöste: Sie erinnerten an den öffentlichen Aufschrei, als vor einigen Jahren HL und Penny in der Bahnstraße schlossen. Reinke dagegen sieht den Trend hin zum Lebensmittel-Lieferservice nicht berücksichtigt. Sein Fazit: „Wir sind auf der Seite der Anwohner und stellen Bürger- über Investoren-Interessen.“

Lesen Sie dazu auch:

Magnet-Projekt auf der Zielgeraden

„Es geht um die Entwicklung unserer Innenstadt“, hielt ihm Jörg Nörtemann, Fraktionschef der CDU, entgegen. Es werde immer schwieriger, die Grundversorgung der Bevölkerung, vor allem der Älteren, adäquat sicherzustellen. Mit diesem Projekt gelinge es „und wenn noch Wohnungen dazu entstehen, ist das gut“. Nörtemann gestand allerdings ein, dass seine Fraktion „nicht himmelhoch jauchzend“ dahinter stehe. „Es waren zwei Jahrzehnte mit vielen Ideen, aber auch geplatzten Illusionen“, blickte er auf die lange Zeit der Entscheidungsfindung zurück. „Letztlich hat uns die Realität eingeholt“ – die Union habe erst kürzlich wieder von Fachleuten gehört, dass ein Supermarkt dort Sinn mache, andere Vorschläge aber nicht umsetzbar seien.

Die zehn erfolgreichsten Handels-Unternehmen

Skeptisch sei die Union wegen der Verkehrsproblematik gewesen, „aber es sind ja eine ganze Reihe Maßnahmen versprochen“, so Nörtemann. Und Eberhard Heun (SPD) ergänzte: „Eine Ampel ist mit Sicherheit besser als die derzeitige Situation.“ Für seine Fraktion sei klar: „Wenn wir nicht dagegenhalten gegen die Nachbarkommunen, wird die Innenstadt irgendwann ausbluten.“ Rainer Schöner (Grüne) erinnerte an den Ansatz für das Projekt: „Wie bekommen wir wieder mehr Leben in die Bahnstraße?“ Mit dem Supermarkt gelinge es, er hole einerseits Leute in die Innenstadt, versorge andererseits die Anwohner. „Und damit zieht er auch nicht so viel Verkehr an wie ein Markt auf der grünen Wiese.“

Die Stadtverordneten hätten nicht nur die Belange der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern der ganzen Bevölkerung im Auge zu behalten, betonte Eberhard Heun. Die Kritiker konnte er nicht umstimmen; eine breite Mehrheit gab es trotzdem. In diesem Zusammenhang wurde auch ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen beschlossen, der eine Routenführung des Fahrradschnellwegs Frankfurt – Darmstadt durch die Innenstadt (und damit unmittelbar am Supermarkt vorbei) ablehnt.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare