Unten speisen, oben wohnen

Europa Quartiere am Bahnhof kurz vor Fertigstellung

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Sie haben die Europa Quartiere gebaut, die die bauliche Einfassung des Bahnhofsplatzes abschließen: Ahmet Gökcek, Geschäftsführer der Walldorfer Wohnbau GmbH (links), und der Darmstädter Architekt Klaus Leber.

Langen - Der Neubau steht mitten in der Stadt – und dennoch irgendwie am Ortseingang. Wer nämlich mit dem Zug aus Frankfurt oder Darmstadt in Langen ankommt und den Bahnhof Richtung Innenstadt verlässt, blickt genau drauf, auf die neuen Europa Quartiere. Von Markus Schaible 

Das sei für ihn ein besonderer Ansporn bei der Fassadengestaltung gewesen, sagt der Architekt. „Dieses Gebäude wertet den gesamten Platz auf“, sind sich Architekt Klaus Leber und Ahmet Gökcek, Geschäftsführer der Walldorfer Wohnbau GmbH, einig. Der Platz – das ist der Europaplatz, wie der östliche Bahnhofsplatz seit etlichen Jahren heißt. Er gibt dem Neubau auch seinen Namen: Europa Quartiere. 15 Monate wird bereits gebaut an der Ecke mit der Westendstraße, in fünf bis sechs Wochen soll das Haus komplett fertiggestellt sein. Einige Namensschilder hängen schon an den Briefkästen. „Wir haben bereits ein paar Wohnungen übergeben, aber eingezogen ist noch niemand“, berichtet Gökcek. Doch die Umzüge seien teilweise schon terminiert.

Insgesamt 21 Wohnungen mit insgesamt etwa 1500 Quadratmetern Fläche umfasst der Bau. „Wir haben einen sehr kleinteiligen Wohnungsmix und dadurch auch eine gute Durchmischung der Bewohner“, sagt Leber. Neun Einzimmerapartments wurden von Kapitalanlegern gekauft, sie dürften überwiegend an Berufspendler vermietet werden. Neben sechs Zweizimmerwohnungen gibt es aber auch einige große mit bis zu fünf Zimmern. Einziehen werden sowohl Mieter als auch Eigentümer. Für die Allgemeinheit interessanter ist aber, was im Erdgeschoss passiert: Zwei Gastronomiebetriebe werden dort in Kürze eröffnen, der eine sogar mit Fläche für eine Außengastronomie in der wärmeren Jahreszeit.

Eine hohe technische und architektonische Herausforderung sei der Bau gewesen, sagt der Darmstädter Architekt Leber, der auch für die neue Kita Mittendrin auf dem alten SSG-Platz verantwortlich zeichnete. Schwierig war beispielsweise der Schallschutz: „Ein Gutachter war eine Woche da und hat zu verschiedenen Zeiten Messungen vorgenommen“, berichtet Gökcek. Sämtliche erforderlichen Maßnahmen seien aber so eingebaut worden, dass sie von außen nicht sichtbar sind. Anspruchsvoll angesichts des recht kleinen Grundstücks von nur knapp 900 Quadratmeter auch die Tiefgarage unter dem Gebäude: Sie verfügt über Doppelparker und einen Auto-Aufzug.

Und dann natürlich die Fassadengestaltung mit ihrer Differenzierung von öffentlicher Nutzung im Erdgeschoss und privatem Wohnen darüber. „Das Erdgeschoss springt ein Stück zurück, damit sich der Gehweg in die Gastronomie hinein weitet“, erklärt der Architekt. Damit werde erreicht, dass alles wie aus einem Guss wirke und keine Schwelle entstehe. Hauptthema bei der Fassade sei gewesen, dem Baukörper Lebendigkeit und Tiefe zu verleihen. Erreicht worden sei dies durch eine weiße, wabenartige Struktur, eine Art Setzkasten, in die sich die Wohnungen einfügen. Jede verfügt über eine Loggia, deren Vor- und Rücksprünge in 45-Grad-Winkeln die lebendige Bewegung des Straßenverkehrs aufnehmen, erläutert Leber. „Das macht die Fassade plastisch.“ Wichtig auch: Diese aufwendige Gestaltung sei nicht nur auf der Vorder-, sondern auch auf der Rückseite des Gebäudes zu sehen.

Hier zieht ein ganzer Bahnhof um

Im obersten Stock, einem Staffelgeschoss, verfügen die Wohnungen über Terrassen. Und zur seitlichen, etwas niedrigeren Nachbarbebauung (unter anderem zur Gaststätte Am Bahnhof) ist das Gebäude auf Wunsch der Stadtplaner gleich zweifach abgestuft, um einen besseren Übergang zu erreichen.

Rund sieben Millionen Euro hat die Walldorfer Wohnbau GmbH in die Europa Quartiere investiert. Das Unternehmen war auch schon am Projekt Roof Garden in der Elisabeth-Selbert-Allee beteiligt und hat noch weitere Pläne in Langen, auch in Bahnhofsnähe. Die Unterzeichnung des Vertrags für die Wohnbebauung in der Liebigstraße, die sich an das von der Firma HBB geplante Quartierszentrum (Einkaufszentrum mit Hotel) anschließen soll, stehe kurz bevor, verrät Gökcek. Dort würden etwa 130 bis 140 Wohnungen entstehen. Baubeginn könnte im Frühjahr/Sommer 2017 sein.

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