Ziel an Asklepios Klinik: fallende Antibiotika-Kurve

Hilfe bei punktgenauer Medikamentenvergabe

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Langen - In Krankenhäusern spielt Hygiene eine zentrale Rolle, nicht erst, seitdem Antibiotika-resistente Erreger in den Schlagzeilen sind.

Doch nach den Worten von Steffen Vollrath, Geschäftsführer der Langener Asklepios Klinik, nimmt die Verhinderung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen durchaus einen immer größer werdenden Stellenwert ein. In Langen kümmert sich ein Experten-Team um die Kontrolle der Vorschriften. In deren Fokus steht allen voran der rationale Umgang mit Antibiotika. „Heutzutage werden diese Medikamente ganz gezielt verabreicht“, schildert Vollrath. Ihr Einsatz werde an der Klinik permanent kontrolliert. „Nur so lassen sich Antibiotika-Resistenzen vermeiden und eventuell entstehende Infektionen in den Griff bekommen.“

Hintergrund für die steigende Aufmerksamkeit gegenüber diesem Thema ist die wachsende Sorge, Infektionen im Krankenhaus nicht mehr effektiv behandeln zu können. Nach den Worten von Dr. Michaela Jehmlich, Oberärztin Anästhesie und perioperative Medizin sowie Hygienebeauftragte Ärztin an der Asklepios Klinik, verlieren immer mehr segensreiche Medikamente ihre Wirksamkeit – „und wirklich neue Antibiotika sind zurzeit nicht in Sicht“. Um Resistenzen vorzubeugen, falle der kontrollierten Antibiotikagabe daher eine immer wichtigere Rolle zu. Deshalb hat auch der Gesetzgeber 2011 ein Gesetz erlassen, das Kliniken zur strengeren Kontrolle des Antibiotika-Verbrauchs zwingt.

An der Asklepios Klinik gibt es seit zwei Jahren eine Antibiotika-Surveillance-Kommission (Surveillance bedeutet übersetzt Überwachung). Sie besteht aus einem Mikrobiologen, einem Apotheker, einem Mitglied der Arzneimittel-Kommission, einem externen und einem internen Krankenhaushygieniker sowie zwei Hygienefachkräften. Die Kommission überwacht nach Jehmlichs Angaben, ob anhand einer sogenannten Resistenzentwicklungstabelle die Antibiotikatherapie in der Klinik korrekt läuft oder die geübte Praxis geändert werden muss. In einer solchen Jahresübersicht sind die Empfindlichkeiten der wichtigsten Erreger gegenüber den gängigen Antibiotika aufgeführt. Damit erhalten die Ärzte Details darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte Antibiotika wirken. „Zu unserem Überwachungsteam gehört auch ein nach den Richtlinien der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft ausgebildeter Antibiotic-Stewardship-Experte“, sagt Jehmlich. Er unterstütze die Kollegen bei Fragen und erstelle eine jährliche Statistik zum Antibiotika-Verbrauch der Langener Klinik.

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Die jüngste Tabelle zeigt schon einen positiven Trend: „Sie demonstriert zum Beispiel, dass der Verbrauch von Reserveantibiotika, die bei schwersten Infektionen verordnet werden, seit Beginn dieser Dokumentation in allen Fachabteilungen der Klinik gesenkt werden konnte“, freut sich die Hygienebeauftragte. Demgegenüber sei der Verbrauch der Antibiotika, die als Einmalgabe vor einer Operation zur Vermeidung von Wundinfektionen durch Hautkeime eingesetzt werden, erwartungsgemäß fast unverändert. Schließlich werden täglich alle mikrobiologischen Befunde dokumentiert. „Insgesamt leisten wir mit unserem Antibiotika-Management einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Patientensicherheit“, bekräftigt Jehmlich. cor

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