Ursula und Peter Balzer sorgen fürs Feuerwerk

Farbenfrohes Spektakel beim Ebbelwoifest  

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Ursula Balzer und ihr Sohn Peter (unten) sorgen seit mehr als 30 Jahren dafür, dass der Himmel über Langen beim Ebbelwoifest in bunten Farben erstahlt.

Langen - Wenn am morgigen Freitag das Ebbelwoifest startet, gibt es (sofern das Wetter mitspielt) bei Einbruch der Dunkelheit wie gewohnt ein buntes Feuerwerk für die Augen. Von Timo Kurth 

Die Feuerwerkerei Schwab aus dem Frankfurter Osten organisiert seit 30 Jahren den Startschuss in das wohl wichtigste Langener Wochenende des Jahres. Mit der Silvesterböllerei hat die Arbeit von Mutter und Sohn Balzer nichts gemein: Bei der Organisation eines gelungenen Feuerwerkes wie dem, das die Ebbelwoifestgäste seit Jahren zu sehen bekommen, sind keineswegs nur ausreichend Knallfrösche und Raketen von Nöten. Mit viel Erfahrung und Kreativität führen Ursula und Peter Balzer seit vielen Jahrzehnten Feuerwerke in ganz Hessen aus, sei es auf der Frankfurter Dippemess, dem Hessentag oder eben unserem Langener Ebbelwoifest. „Die meisten Kunden haben volles Vertrauen zu uns“, berichtet Ursula Balzer stolz. Vor 40 Jahren stieg sie in die Feuerwerkerei von Anton Schwab ein, bis sie das Geschäft schließlich ganz übernahm und nun mit ihrem Sohn fortführt. Mit dem guten Ruf des Unternehmens, das seit 1927 existiert, bekommt sie bei der Ausgestaltung eines Feuerwerks meist freie Hand – auch vom VVV aus Langen. „Natürlich gibt es mal Veranstaltungen, wo besondere Farben erwünscht sind. Bei den meisten Aufträgen verlässt man sich allerdings einfach darauf, dass wir eine ausgewogene Choreografie gestalten“, fügt Co-Chef Peter hinzu.

Verantwortung haben die beiden mit ihrem Team aus rund zehn freien Mitarbeitern dabei durchaus. Dass viel Arbeit im Vor- und Nachgang eines Feuerwerks nötig ist, wissen nämlich nur die wenigsten Zuschauer beim Blick in den Himmel. Von der ersten Planung über den Transport des Gefahrguts bis zum lang ersehnten „Bumm“ gibt es für die beiden Pyrotechniker und ihre Mannschaft einiges zu tun. „Ich vergleiche Feuerwerk machen gerne mit dem Kochen: Eine Stunde lang in der Küche, eine Viertelstunde Essen und dann eben noch eine Stunde sauber machen“, gibt die Chefin zum Besten. Feuerwerk gleicht einer kunstvollen Inszenierung, könnte man bei solchen Vergleichen meinen. Allerdings gibt es einige Variablen, die passen müssen fürs perfekte Lichterspektakel. „Man kann ein Feuerwerk nur in den seltensten Fällen proben, das macht unsere Sache spannender“, berichtet Peter Balzer lachend, der bis heute vor jedem Job eine gewisse Grundanspannung verspürt. Es geht um wenige Sekunden, in denen die „Dramaturgie der Lichteffekte“ abgespielt werden muss.

Am Computer lässt sich der Ablaufplan heutzutage komplett simulieren, da auch Feuerwerke inzwischen elektronisch gesteuert werden. Dem Original kommt dieses Bildschirmszenario allerdings in den seltensten Fällen gleich. „Die Zeiten, wo jeder Knall einzeln abgegeben werden muss, sind zwar schon seit ein paar Jahren vorbei. Einen Produktionsfehler gibt es aber eben immer mal wieder“, gibt er zu bedenken. Außerdem muss das Wetter stimmen, wobei Regen weniger Einfluss hat. „Auch bei Regen lassen sich Feuerwerke problemlos ausführen. Ich habe schon einige schöne erlebt“, sagt die Chefin dazu. Bei sehr starkem Wind dagegen dürfen die meisten Produkte nicht abgefeuert werden. Es lässt sich nicht mehr gewährleisten, wo die brennenden Raketen landen. „Wir stehen deshalb in engem Kontakt mit den Behörden und dem Wetterdienst. Die Windgeschwindigkeit wird ständig gemessen“, so der Sprengmeister. „So kann man gegebenenfalls flexibel reagieren und ein Feuerwerk zeitlich nach vorne oder hinten verschieben.“

Wie werde ich...? Pyrotechniker/in

Denn besonders die Sicherheit wird beim Zünden eines Großfeuerwerks in Deutschland großgeschrieben. Um Pyrotechniker wie die Balzers zu werden, braucht man hierzulande selbstredend ein paar Qualifikationen. An 26 Feuerwerken und einem ausgeprägten Lehrgang muss man mindestens teilgenommen haben. Nicht zuletzt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung muss obendrauf vorgewiesen werden. „Das ist noch ein bisschen mehr als ein polizeiliches Führungszeugnis. Im besten Fall steht gar nichts drin“, so der junge Balzer. „Es reicht schon ein Auffahrunfall und das war’s.“

Bei den Veranstaltungen selber geht es mit den Verordnungen weiter; der Gesetzgeber macht strikte Vorgaben. Im Büro der Feuerwerkerei sind deshalb gleich mehrere juristische Wälzer rund ums Sprengstoffgesetz zu finden. „Wir müssen uns bei den Sicherheitsabständen der Besucher an klare Vorgaben halten“, sagt der Junior. Dass es trotzdem immer mal wieder angetrunkene „Spaßvögel“ gibt, die sich über Regeln und Absperrungen hinwegsetzen, ist keine Neuheit. „Glücklicherweise ist noch nie jemand ernsthaft zu Schaden gekommen“, kann Ursula Balzer nach 40 Jahren im Gewerbe erleichtert sagen.

Bilder: Ebbelwoifest in Langen

„Grundsätzlich arbeiten wir anhand eines entscheidenden Dogmas, nämlich dem GMV“, erklärt Ursula Balzer schmunzelnd – und löst die Abkürzung nach kurzer Pause auf: „Gesunder Menschverstand. Man muss zwar keine Angst vor Feuerwerk haben, Respekt ist aber allemale angebracht.“ 800 bis 1200 Schuss wird das Team der Firma Schwab morgen Freitag wieder gen Himmel jagen. „So genau kann man es allerdings nicht sagen. Wir berechnen unseren Kunden ja nicht jeden Schuss einzeln“, sagt Ursula Balzer. „Was zählt, ist unser Produkt – und ein zufriedenes Publikum.“

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