Mit Detektor auf der Pirsch

Fledermaus-Tour mit spätem Erfolgserlebnis

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An Utensilien mit Bezug zu den schützenswerten Nachtjägern fehlte es den großen und kleinen Teilnehmern bei der jüngsten Fledermaus-Wanderung von BUND und Stadt nicht. Zu guter Letzt zeigten sich die fliegenden Säuger dann auch.  

Langen - In ganz Deutschland kommen 20 Fledermausarten vor – zehn von ihnen auch in Langen. Um die schwarzen Nachtjäger im Dunkeln zu sichten, gehört eine Portion Glück dazu. Leichter wird es, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sucht. Von Tobias Alarcon 

Spezielle Fledermausdetektoren können auch nicht schaden – bei der jüngsten Fledermaus-Exkursion im Langener Wald kamen gleich drei von ihnen zum Einsatz. Bernhard Sommer und Sandra Trinkaus führen den Trupp aus rund 40 Teilnehmern an. Treffpunkt ist das Naturfreundehaus am Oberen Steinberg. Sommer, zweiter Vorsitzender der hiesigen Ortsvereinigung des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), und Trinkaus, Umweltberaterin der Stadt, erzählen vorweg einige Fakten über die geflügelten Säugetiere. Fledermäuse sind eine bedrohte Tierart und stehen deshalb unter Artenschutz. Trotzdem kann man sie an vielen Orten noch zu Gesicht bekommen, zum Bespiel an der Martin-Luther-Kirche. „Es gibt auch einige große Fledermauskästen an verschiedenen Stellen, in denen Fledermäuse Schutz und ein Quartier finden“, erzählt Trinkaus – bedauert jedoch, dass etliche immer wieder Vandalismus zum Opfer fallen.

Direkt ertönen die ersten Zwischenfragen aus dem Publikum: „Wie kann man denn seinen Garten fledermausfreundlich gestalten?“ Nach den Worten von Sommer ist man mit einem blütereichen Garten und einigen Fledermauskästen auf der sicheren Seite. „Die Blüten ziehen Insekten an, welche den Fledermäusen als Nahrung dienen und in einem Fledermauskasten kommen bis zu zehn Fledermäuse unter“, fährt er fort. Übrigens: Die Vampirfledermäuse sind keineswegs eine pure Erfindung der Filmindustrie, erfahren die Teilnehmer. „In Südamerika kommen tatsächlich blutsaugende Arten vor“, erzählt Sommer. Doch die beißen sich allenfalls mal an einer Kuh fest.

Noch ist es hell, als sich die Gruppe Richtung Wald in Bewegung setzt. Neben zahlreichen Erwachsenen sind auch viele Kinder dabei. „Bei dieser Größe der Gruppe ist es wichtig, dass man zusammenbleibt“, ruft Sommer. Manche Eltern haben ihre Probleme damit, den Nachwuchs im Auge zu behalten. „Wir wollen heute zwei Fledermausarten entdecken. Als erstes den Abendsegler“, erläutert er. Auf breiten Waldwegen geht es tiefer in den Forst hinein. Die dichten Baumkronen lassen den Wald dunkler erscheinen, als er am frühen Abend noch ist. An manchen Stellen wird kurz Halt gemacht. Die Blicke schweifen über abgestorbene Bäume, welche potenzielle Unterschlüpfe für Fledermäuse darstellen. Doch noch zeigt sich nichts. Es geht weiter – übersichtliche Waldwege werden zu Trampelpfaden. Die Gruppe diskutiert über den bald entstehenden fledermausfreundlichen Garten und tauscht angeeignetes Halbwissen über die Nachträuber aus.

Bei einer Waldwiese ist das erste Ziel des Abends erreicht. Sommer und Trinkaus zücken ihre Fledermausdetektoren. Sie übersetzen die Ultraschalllaute, die die Fledermäuse zur Ortung einsetzen, in einen für das menschliche Ohr hörbaren Ton. Gute zehn Minuten verharrt die stillgewordene Gruppe mit Blick in die Ferne, doch außer Rauschen hört man nichts. „Vorhin hat es ein wenig geregnet. Es kann sein, dass die Fledermäuse erst mal nicht rauskommen“, erklärt Sommer. Ein Raunen geht durch die Runde. „Doch wir haben noch andere Orte, an denen wir vorbeischauen werden“, ergänzt er rasch.

Die schrägsten Tiere der Welt

Das Gezwitscher der Vögel verstummt, als die Dämmerung fortschreitet. Nur die regen Gespräche zwischen den Teilnehmern durchbrechen die Stille des Waldes. An einem größeren Gewässer ist der nächste Halt. Die Detektoren kommen erneut zum Einsatz – kein Ton. „Hier sieht man üblicherweise die Wasserfledermaus. Man erkennt sehr schön, wie sie ganz dicht an der Wasseroberfläche vorbeifliegt und sich die Insekten darauf schnappt“, greift Sommer auf die Theorie zurück, denn das Spektakel bleibt nach wie vor aus. Den Spaß an der Exkursion schmälert das kaum: „Wir sind hergekommen, weil es wichtig ist, mal rauszukommen, außerdem sind wir sehr naturinteressiert. Es ist schade, dass sich bisher noch keine Fledermaus gezeigt hat“, sagt Vater Michael Bensch.

Mittlerweile ist es dunkel geworden, die Exkursion dauert länger als geplant, was jedoch keinen stört. Gemächlich schlägt die Gruppe den Heimweg ein. Zum Naturfreundehaus zurück ist es noch ein ganzes Stück. Wenige Minuten vor dem Ziel tönen dann plötzlich die langersehnten Geräusche aus den Detektoren. Vom Geländer einer kleinen Brücke staunt Groß und Klein nicht schlecht, als einige Fledermäuse in den Lichtkegeln der Taschenlampen zu erkennen sind. So hat sich der Ausflug doch noch gelohnt und obwohl es schon spät ist, verharrt die Gruppe eine Weile. Sandra Trinkaus freut sich über das Erfolgserlebnis – und sieht bestätigt, was im Laufe des Abends klar geworden ist: „Fledermäuse sind tolle und bemerkenswerte Geschöpfe, die es zu schützen gilt.“

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