Dreieichschule in Langen

Nur der Kaffeeautomat bleibt

Langen - Volker Worringer ist mit seinem Latein am Ende. „Es kann so nicht weitergehen“, fleht er die knapp 100 Anwesenden an. So viele Besucher konnte der Vorsitzende des Fördervereins der Dreieichschule lange nicht mehr bei einer Mitgliederversammlung begrüßen. Von Manuel Schubert 

Das Thema ist heiß: die Schließung von Mensa und Cafeteria steht auf der Tagesordnung. Seit ihrer Eröffnung im Sommer 2009 hat die Essensausgabe des Gymnasiums kein einziges Mal schwarze Zahlen geschrieben. „Wir haben immer versucht, die Ausgaben möglichst gering zu halten“, so Worringer. Ein Koch wurde fest angestellt und wieder entlassen, Bio-Essen wurde eingeführt und wieder abgeschafft, aus ehrenamtlichen Helfern wurden 450-Euro-Kräfte. Mit 50 verkauften Essen pro Tag macht die Mensa jedoch momentan auch täglich 50 Euro Verlust. Deshalb sieht der siebenköpfige Vorstand keinen anderen Ausweg mehr: Der Pachtvertrag mit dem Kreis Offenbach soll zum 1. Januar 2015 aufgelöst werden. Die Mitgliederversammlung soll das bestätigen.

Worringer zeigt drei Möglichkeiten auf, mit denen man die Mensa noch retten könnte. Erstens: mehr Geld von außen. Die Schule besitze jedoch überhaupt keinen Topf für solche Ausgaben. Und der Kreis sei auch nicht bereit, mehr Geld beizusteuern, da er bereits für ein pacht- und nebenkostenfreies Gebäude sorge. Zweitens: die Preise erhöhen. Aufgrund des kürzlich beschlossenen Mindestlohns wäre eine Preiserhöhung ohnehin bald notwendig geworden, so Worringer. „Die Mensa hat bei den Schülern aber ohnehin schon den Ruf, zu teuer zu sein“, fügt er hinzu. Größere Mengen an Essen zu verkaufen, sei auch nicht möglich – mit 120 Sitzplätzen ist die Kapazität bereits ausgeschöpft.

Drittens: mehr ehrenamtliche Helfer. Die Mitglieder des Vorstands hätten allein in diesem Schuljahr bereits über 1000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit in „die Rettung der Mensa“ investiert, berichtet Worringer. Beisitzerin Kerstin Sündermann, die als Lehrerin an der Albert-Einstein-Schule arbeitet, kommt beispielsweise täglich vorbei, um das Geld zu zählen und zur Bank zu bringen. Mit feuchten Augen erzählt sie, dass sie jeden Tag ein bis zwei Stunden für diese Arbeit brauche. „Das kann man von keinem verlangen“, betont Sündermann.

Hitzige Debatte

Viele Eltern stellen bei der Mitgliederversammlung klar, dass ihnen die Entscheidung Bauchschmerzen bereitet. Er habe von mehreren Fällen gehört, in denen der Kreis Offenbach keinen Caterer für eine Schulmensa auftreiben konnte, warnt ein Vater. „Ich will das auf keinem Fall dem Kreis anvertrauen“, stellt Lehrerin Katrin Aurich klar. „Ich bin entsetzt, dass so viele das akzeptieren.“

Schnell entwickelt sich eine Grundsatzdiskussion über die Popularität des Fördervereins im Allgemeinen. Viele zeigen sich erschüttert darüber, dass der Mitgliedsbeitrag nur zehn Euro im Jahr kostet. „Den kann man doch einfach erhöhen!“, meint eine Mutter. Das erlaube die Satzung nicht, entgegnet Worringer, der daraufhin nach dem letzten Strohhalm greift: „Wer wäre denn bereit, einen einmaligen Betrag für die Rettung der Mensa zu zahlen?“ Fast alle Hände schnellen in die Luft. „Und wer würde ehrenamtlich mitarbeiten?“ Zögerlich melden sich vier Eltern. Worringer: „Sehen Sie…“

Nach der hitzigen Debatte fällt das Ergebnis doch sehr eindeutig aus. 53 Mitglieder stimmen für die Auflösung des Pachtvertrags, sechs dagegen, drei enthalten sich. Somit wird es nach den Weihnachtsferien sowohl in der Mensa als auch in der Cafeteria kein Essen mehr geben. Dann liegt es am Kreis, einen Betreiber für beide Einrichtungen zu finden. Ob das gelingt, steht erst einmal in den Sternen. Nur der Kaffeeautomat aus der Mensa bleibt definitiv – er gehört der Schule.

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