Frauenwerkstatt der Caritas

„Integration anordnen geht nicht“

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Sie lernen voneinander und lachen miteinander: In der Frauenwerkstatt der Caritas sind bereits viele Freundschaften entstanden.

Langen - Es herrscht eine Atmosphäre wie bei einem Stammtisch. Gut 20 Frauen sitzen an einer langen Tafel, die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich, heiter. Von Manuel Schubert 

Jeden Dienstagnachmittag kommen sie in den Räumen der Gemeindecaritas in der Berliner Allee zusammen, um gemeinsam zu häkeln, stricken und nähen. Auf dem Tisch türmen sich Berge von Wolle in allen erdenklichen Farben. Rot, grün, lila. Auf dem Boden stehen zwei große Umzugskartons, randvoll bepackt mit noch mehr Wolle. Die Frauen schwingen konzentriert ihre Nadeln, und doch wird am Tisch locker geplaudert, Babys wandern von einem Schoß zum nächsten.

Die Frauenwerkstatt der Caritas, die im November gestartet wurde, sie ist ein voller Erfolg. Das sieht auch Sozialpädagogin Nadine Hillabrand so, die für den Caritasverband Offenbach/Main mehrere Projekte in Langen organisiert. Viele der Frauen, die sich donnerstags zur Handarbeit treffen, sind Flüchtlinge. Bei der Frauenwerkstatt können sie in ungezwungener Atmosphäre Kontakte knüpfen. „Hier entwickeln sich Freundschaften“, berichtet Hillabrand, der vier ehrenamtliche Helferinnen zur Seite stehen. Integration könne nicht gelingen, wenn sie staatlich angeordnet sei, findet die Pädagogin. „Sie gelingt durch Spaß und Begegnung.“ Genau das ist das Prinzip der Frauenwerkstatt. Und es funktioniert offenbar ganz gut.

Zu den Stammgästen gehört Merhaudt Araya, eine schüchterne Frau aus Eritrea, die 2012 alleine nach Deutschland kam. Die 30-Jährige ist seit dem Start dabei; damals waren es lediglich drei Teilnehmerinnen. Mittlerweile kommen jede Woche zwischen zwölf und 20. „Wenn ich zu Hause bleibe, kann ich kein Deutsch sprechen“, sagt Araya, die mit ihrer sieben Monate alten Tochter eine Wohnung in Egelsbach bewohnt. Die Frauenwerkstatt ist für sie hingegen eine gute Übung. Einen Deutschkurs kann sie aktuell wegen des Babys nicht besuchen. Und auch sonst hat Araya einiges bei den Treffen gelernt. „Stricken, Häkeln“, zählt sie auf, „jetzt kann ich das auch zu Hause alleine machen.“

Die Kreativwerkstatt ist eins von aktuell drei Projekten, die die Gemeindecaritas in Langen anbietet. Ebenfalls dienstagnachmittags öffnet die Fahrradwerkstatt ihre Türen, bei der Flüchtlinge sich einen Drahtesel abholen (einen pro Familie) oder ihr Fahrrad reparieren lassen können. Viele von ihnen packen mittlerweile selbst mit an. „Die Frauen- und die Fahrradwerkstatt boomen“, freut sich Hillabrand. Etwas verhalten ist noch der Andrang bei der Formularhilfe, die Anfang April gestartet ist. Jeden Montagabend bieten Ehrenamtliche ihre Unterstützung bei Formularen wie Kinder-, Wohn- oder Elterngeldanträgen an. Alle Projekte richten sich an Flüchtlinge, jedoch nicht ausschließlich. „Jeder ist willkommen“, betont Hillabrand.

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Für ein viertes Projekt sucht die Sozialpädagogin aktuell noch Ehrenamtliche. Einmal pro Woche soll sich bald eine Kindergruppe zum Singen, Spielen und Basteln treffen. Der Zeitaufwand sei gering, sagt Hillabrand, „vielleicht zwei Stunden pro Woche“. Dass sie genug Mitarbeiter finden wird, daran hat sie keine Zweifel. „Langen ist eine tolle Kommune mit vielen engagierten Menschen, so etwas habe ich selten erlebt“, sagt sie. Ohne Ehrenamtliche sei die Flüchtlingssituation auch „überhaupt nicht zu schaffen“. Auch die Spendenbereitschaft ist unter den Langenern groß. Eine Nähmaschine und einen ganzen Schrank voller Fahrradhelme hat die Caritas bereits geschenkt bekommen, dazu gab es so viel Wolle, dass Hillabrands Büro fast überquoll.

Aktuell werden Häkelnadeln gebraucht. Wer etwas beisteuern oder sich selbst ehrenamtlich engagieren möchte, schreibt eine E-Mail an nadine.hillabrand@cv-offenbach.de. Wer eine Idee für ein neues Angebot hat, solle sich ebenfalls nicht scheuen, Bescheid zu sagen, so Hillabrand. Und wer eins der Treffen besuchen möchte? „Einfach vorbeikommen.“

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