Fünfte Auflage der Art Promenade

Freiluft-Kunst zum Innehalten

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Interpretationsspielraum? Bei vielen Werken der Art People dürfen die kleinen und großen Besucher munter mitphilosophieren. Ein Hingucker waren bei der diesjährigen Ausgabe die von Baum zu Baum gespannten Sonnensegel.

Langen - Wann kann man schon Kunst einfach im Vorbeigehen begegnen? Traditionell begleitend zum Langener Markt verwandelten sich am Samstag und Sonntag die Romorantin- und die Long-Eaton-Anlage in eine Freiluft-Vernissage, denn die Künstlergruppe Art People veranstalte dort zum fünften Mal ihre Art Promenade. Von Sina Gebhardt 

Es ist der erste halbrunde Geburtstag und dazu wartet die Künstlergruppe mit nicht nur etwas, sondern ganz vielem Besonderen auf: „Federstrichzeichnungen, Kalligrafien, Skulpturen aus Schreibmaschinen – wir zeigen eine besondere Vielfalt, gerade was die Techniken angeht, und haben dieses Jahr noch mal eine deutliche Qualitätssteigerung“, urteilen Martina Retzdorff und Herbert Richtarsky.

Das Langener Malbuch – vor Kurzem von Solly Guigui veröffentlicht – fand viel Zuspruch. Hier sind Lillian und Laura Koch am Werk.

Immer wieder neue Künstler aus Langen und Umgebung präsentieren sich und ihr Schaffen bei der Art Promenade, insgesamt 40 Aussteller sind in diesem Jubiläumsjahr mit von der Partie. „Es ist natürlich eine Herausforderung, immer neue Wege zu finden, das Interesse der Leute zu wecken“, gesteht Andrea Penndorf vom Organisations-Team der Art People. Nach dem roten Teppich bei der vergangenen Promenade wurden nun Sonnensegel als Blickfang gespannt. Dabei sind die Kunstwerke alleine ein Hingucker, wie das Werk von Brigitte Grausam-Tynan: Sie hat eine Wahlurne aufgestellt, bei der die Passanten sich zwischen der virtuellen und realen Kommunikation entscheiden sollen. Ein Tisch mit Stühlen repräsentiert das Gespräch mit echten Menschen, während in einem offenen Käfig ein Laptop steht, ausgeschmückt mit Fotos der Facebook-Freunde – anonymisierte Gesichter. „Ich plädiere für einen sinnvollen Umgang mit Neuen Medien. Das liegt mir sehr am Herzen“, so Grausam-Tynan. Und das spiegeln die kritischen Details wider: Schmetterlinge, beschriftet mit „Privatsphäre“ oder „menschliche Nähe“, werden von der vielgesichtigen Spinne „What’s App“, „E-Mail“ oder „Facebook“ eingefangen, verspeist und nehmen dann den Lauf der Natur. Das Ergebnis sind Anonymität, Datenmissbrauch, Sucht, Vereinsamung.

Archivbilder:

Bilder: Langener Markt und „Art Promenade“

Weniger kritische Auseinandersetzung findet man überraschenderweise ein paar Meter weiter bei Brigitta Gerke-Jork. Seit Anfang des Jahres arbeitet die Maltherapeutin ehrenamtlich mit Flüchtlingen, zunächst im Flüchtlingscamp mit Kindern, wovon sie nur Positives zu berichten weiß: „Dass sich die Geschichte der Flucht in den Bildern wiederfindet, ist wirklich die Ausnahme. Die Kinder malen genau das gleiche, wie hier auch: Blumen, Prinzessinnen, Schmetterlinge.“ Inzwischen geht die Psychoonkologin in die Unterkunft in der ehemaligen Kita in der Zimmerstraße, ein Schritt, vor dem sie durchaus Respekt hatte. „Aber die Männer waren sehr nett und haben mich gut aufgenommen.“ Angenommen haben sie offensichtlich auch die Kunsttherapie und obwohl sich auch in ihren Bildern kritische Werke finden, ist ein Motiv dominierend: Die Flaggen von Deutschland und Kurdistan, die sich einträchtig vereinen.

Am Sonntag macht den Künstlern dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Beim ersten Regenschutt des Nachmittags packen sie notgedrungen zusammen. Warum sich die Art Promenade dennoch als feste Größe in Langen etabliert hat, wird an diesem Wochenende aber trotzdem wieder deutlich: Wo außergewöhnliche Kunst – untermalt von dezenter Musik – so prominent platziert anzutreffen ist, da lohnt es sich, beim Flanieren innezuhalten.

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