Wie FSJlerin Lena Bewernick an ihren Aufgaben gewachsen ist

Karrieresprung zur Gräfin

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Freiwilligendienst im Rampenlicht: Für Lena Bewernick (Zweite von rechts) war der Ausflug auf die Bühne eines der Highlights ihres bisherigen Engagements. Das Bild zeigt sie neben (von links Niki Dorst, Maxi Hohmann und Inge Lotz-Maßholder.

Langen - Ein Freiwilliges Soziales Jahr starten viele junge Menschen. Doch der Schritt in die Erwachsenen-Behindertenhilfe erfordert dabei ein Quäntchen Mut.

Lena Bewernick (18) ist diesen Weg gegangen – und hat aus ihrem Engagement so viel gewonnen, dass sie ihr Jahr in der Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage sogar verlängert hat. Ihr bisheriges Highlight: ein Bühnenerlebnis vor 400 Zuschauern. Die vergangenen Monate waren geprägt von Vorbereitungen für das inklusive Theaterstück „Des Kaisers neue Kleider“ im April. Anfangs hätte Lena Bewernick am liebsten assistiert – hinter der Bühne versteht sich. „Ich hatte Bedenken, als ich hörte, dass ich im Rampenlicht mitwirken soll“, erzählt sie schmunzelnd. Aber es wurde alsbald deutlich, dass die behinderten Protagonisten einer vertrauten Bezugsperson direkt auf der Bühne bedürfen. So kam es, dass die Freiwilligendienstlerin zur Gräfin „aufstieg“ – mit dem Vorsatz, einen jungen Mann mit Behinderung zu begleiten.

Die Geschichte von Lena Bewernick ist bemerkenswert. Im September 2014 fing die Langenerin als Freiwilligendienstlerin in der Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage an. „Am Anfang wusste ich noch nicht so recht, ob es das Richtige für mich ist“, erinnert sie sich. Aber schon nach kurzer Zeit machte ihr die Arbeit viel Spaß. „Die Bewohner der Einrichtung sind mir im Laufe der Zeit wirklich ans Herz gewachsen“, erzählt die junge Frau. Bis heute kümmert sie sich um die Wohngruppe im ersten Obergeschoss. Dort leben 13 Erwachsene mit Beeinträchtigung. Die Aufgaben, die Lena Bewernick übernimmt, gehen von Grundpflegehilfe über Arztbegleitung, Essenszubereitung bis hin zu kreativen Arbeiten wie Malen und Schauspielen.

„Es ist uns wichtig, dass die jungen Menschen, die sich für das Freiwillige Soziale Jahr entscheiden, positive Erfahrungen machen, welche sie für das zukünftige Leben prägen“, sagt Einrichtungsleiter Robert Maßholder. Und eine solche Erfahrung hat Lena Bewernick mit der Teilnahme an dem Theaterstück gemacht. „Vor über 400 Besuchern aufzutreten war schon eine tolle Sache“, bestätigt sie. Daneben sei es erstaunlich gewesen, welche Entwicklung jeder Einzelne im Laufe der Probearbeiten gemacht habe.

Bilder: Viel Theater in Hanau

Die vergangenen Monate boten der 18-Jährigen natürlich auch Zeit, sich über ihren Werdegang Gedanken zu machen. Lena Bewernick verlängerte ihr Freiwilliges Soziales Jahr, um dann ab August eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin zu beginnen. Die soziale Ader hat sich beim Berufsfeld also durchgesetzt. Zunächst müsse sie ab August ein volles Schuljahr absolvieren, schildert sie, „aber im zweiten Ausbildungsjahr wechseln sich Praxis und Schule ab, dann möchte ich in die Langener Wohnanlage zurückkehren“.

Einrichtungsleiter Robert Maßholder ist froh über so engagierte junge Menschen und lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass für Lena Bewernick und die anderen Freiwilligendienstler dringend Ersatz für das zweite Halbjahr 2016 gefunden werden muss. Interessierte junge Menschen können sich direkt an Robert Maßholder, Leiter der Region West im Wohnverbund Langen, Zinkeysenstraße 14, oder Claudia Kamer, Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach, Ludwigstraße 136 in Offenbach, wenden. Details zum FSJ gibt es im Internet. Weitere Infos: www.fsj-bho.de.

cor

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