Gemeinsam für Europa

Fünfstädtetreffen beschwört Zusammenhalt der Nationen

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Langen flaggt im Zeichen seiner Gäste (von links): Bürgermeister Frieder Gebhardt, Raquel Gonzales Benito, Jeanny Lorgeoux, Abey Stevenson und Mehmet Yildiz (Abgeordneter im Stadtparlament Tarsus, Vertreter des Bürgermeisters).

Langen - Fünf Städte, zwei Jubiläen, eine Schnapszahl: Zum 44. Mal ist Langen Teil des Städtetreffens, zum 15. Mal spielt man den Gastgeber und hat über Pfingsten die befreundeten Partnerstädte zu Besuch. Von Sina Gebhardt 

Am Samstagvormittag empfing Bürgermeister Frieder Gebhardt die Delegationen aus Aranda de Duero (Spanien), Long Eaton/Erewash (England), Romorantin-Lanthenay (Frankreich) und Tarsus (Türkei) vor der Stadthalle zum feierlichen Hissen der Flaggen – der Auftakt eines ereignisreichen Wochenendes. Kurz bricht die Sonne zwischen den Wolken hervor und strahlt über der munteren Gesellschaft, die sich rund um die fünf Fahnenmaste versammelt hat. Die Völkerverständigung ist deutlich hörbar: Dort klingt das melodische Französische, hier das schnelle Spanisch. Dann spielt das Orchester der Musikschule Langen die deutsche Nationalhymne und Bürgermeister Gebhardt hisst die schwarz-rot-goldene Flagge. „Man glaubt gar nicht, was man alles vorher berücksichtigen muss“, informiert Fachdienstleiter Joachim Kolbe, der die Partnerschaften seitens der Stadt betreut. „Das beginnt schon bei der heiklen Frage, in welcher Reihenfolge die Flaggen gehisst werden.“ Diplomatisch nach Dauer der Partnerschaften festgelegt, erklingen zunächst die französische, englische und türkische sowie schlussendlich die spanische Hymne.

Mit dem auffrischenden Wind begibt sich die internationale Gruppe in den großen Saal, wo der offizielle Teil mit den Reden der Städtevertreter fortgeführt und musikalisch durch den Langener Pianisten Wolfgang Schneider und türkischen Opernsänger Mehmet Altiparmak bereichert wird. „In diesem Jahr feiern wir gleich zwei schöne Geburtstage“, weist Gebhardt auf die zehnjährige Freundschaft mit Aranda de Duero und die seit einem Vierteljahrhundert bestehende Partnerschaft mit Tarsus hin. Zum Jubiläum darf sich Langens Bürgermeister über ein Geschenk freuen: Eine weiße Fahne, die die Wappen von Tarsus und Langen zieren.

Freude, Feier, Freundschaft

Freude, Feier, Freundschaft – dennoch sind auch Europas Krisen bei allen Vertretern spürbar. „Derzeit suchen viele Flüchtlinge bei uns Schutz vor Krieg und Verfolgung. Diese Entwicklung führt dazu, dass unsere gemeinsamen Werte einer Bewährungsprobe unterzogen werden“, sagt Gebhardt. Bei Amtskollege Jeanny Lorgeoux (Romorantin-Lanthenay) schwingen die Nachwirkungen der Terroranschläge in Frankreich mit: „Die Dringlichkeit im Kampf gegen Terroristen hat unweigerlich dazu beigetragen, dass Flüchtlinge unreflektiert mit Terrorismus in Verbindung gebracht werden.“ Völkerfreundschaft und Verbundenheit zwischen den Ländern, die beim Städtetreffen einmal mehr gelebt werden, lassen freilich hoffen: „Heute, in Ihrer Mitte, finde ich die Kraft zu glauben, dass wir aufgrund unserer Zusammengehörigkeit die Probleme in den Griff bekommen“, schließt Lorgeoux.

Gastgeber Gebhardt ehrt anlässlich des Städtetreffens die Präsidentin des Comité de Jumelage de Romorantin-Lanthenay, Monique Aigret, die leider nicht anwesend sein kann, und Mike Wallis, der sich besonders für den interschulischen Austausch mit der englischen Schwesterkommune engagiert, mit der zweithöchsten Auszeichnung, die die Stadt Langen zu vergeben hat: die silberne Ehrenplakette. „Durch Ihr Wirken wurde die Idee der Verschwisterung unserer Städte weiter vorangebracht und die Freundschaft unserer Völker vertieft“, betont Gebhardt.

Bilder zum Fünfstädtetreffen in Langen

Dass das Fünf-Städtetreffen tatsächlich im Zeichen der Freundschaft steht, dafür spricht der offene Umgang. Erewashs kürzlich gewählter Bürgermeister Abey Stevenson spricht bei seiner „ersten offiziellen Verpflichtung“ ohne Umschweife das Thema „Brexit“ an – und sich zugleich dafür aus, dass die städtepartnerschaftliche Beziehung davon unbeeinflusst lange fortbestehen möge. Raquel González Benito (Aranda de Duero) verhehlt nicht, dass es in dieser jüngsten Partnerschaft Probleme gab: „Es ist wahr, dass wir – obwohl wir Geschwister und Freunde sind – in den vergangenen Jahren nicht die Möglichkeit hatten, die Energie einzubringen, wie wir es gewollt hätten.“ Dies sei unter anderem einem Sprachproblem geschuldet, das nun, da Deutsch an einer Schule in Aranda gelehrt werde, gelöst sei.

In einem sind sich alle Städtevertreter einig: In diesen Krisenzeiten ist der Zusammenhalt umso bedeutender und soll aufrechterhalten werden. Das Referendum am 23. Juni, bei dem Großbritannien über den Verbleib in der EU entscheidet, könnte sich allerdings zu einem Wermutstropfen entwickeln. „Wenn wir unser Europa und unsere Wertegemeinschaft, unsere Grund- und Menschenrechte, unsere Ordnung erhalten wollen, dann müssen wir uns jetzt besonders engagieren“, appelliert Gebhardt an ein „gemeinsames Europa, das gemeinsam gegen die Krisen unserer Zeit ankämpft“.

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