Generös geteilte Großvaterschaft

Uraufführung von „Kerle im Herbst“

+
Zum Auftakt der Boulevard-Reihe wartete auf das Publikum in Langen nicht nur eine amüsanter Plot, sondern mit (von links) Hans-Jürgen Bäumler, Horst Janson und Christian Wolff in den Hauptrollen auch ein hochkarätig besetztes Ensemble.

Langen - Vom kinderlosen Rentner zum Vater, Großvater und sogar Urgroßvater in nur zwei Stunden – eine reife Leistung. Auch die Zeit ist nun wieder reif für die Theatersaison in der Stadthalle, deren Boulevard-Reihe am Mittwoch mit der Komödie „Kerle im Herbst“ startete. Ein Auftakt, der gleich mehrfach besonders war. Von Sina Gebhardt

Bemerkenswert ist nicht nur, dass das Langener Publikum die Uraufführung von „Kerle im Herbst“ erlebt. Die Komödie von Katrin Wiegand ist mit den Theater- und Filmgrößen Horst Janson, Christian Wolff und Hans-Jürgen Bäumler auch hochkarätig hoch drei besetzt. Als Senioren jenseits der 70 haben sich die Jugendfreunde Manfred (Janson), Rolf (Bäumler) und Wolfgang (Wolff) auf Mallorca zu einer Männer-WG zusammengeschlossen. Ihr Alltag, bestehend aus sonnenbaden, Rennrad fahren und streiten, wird jäh durchbrochen, als eine ehemalige Schulkameradin postalisch ihren Besuch ankündigt. Aufregung macht sich in der Männer-WG breit, denn wie sich herausstellt, hatte jeder der Drei – selbst der homosexuelle Wolfgang – mal etwas mit Karin. Doch die lässt sich nicht blicken, stattdessen überbringt Haushälterin Dani (Sarah Jane Janson) immer neue Briefe und damit große Überraschungen: Einer der Männer muss der Vater von Karins Tochter sein.

Die Generalprobe von „Kerle im Herbst“ muss ein voller Erfolg gewesen sein, denn die Premierenvorstellung legt einen eher holprigen Start hin. Wolff und Janson entspannen in den beiden Liegestühlen auf der sonnendurchfluteten Terrasse, als Bäumler als „Turnvater Jahn“ alias Rolf mit seinem heißgeliebten Rennrad dazustößt. Auch wenn die Kollegen es ganz gut zu überspielen wissen, sitzen bei Janson die Einsätze noch nicht und mehr als einmal fallen sich die Schauspieler ins Wort, als der Text dann plötzlich doch noch kommt. Das Publikum sieht großzügig über die kleinen Patzer hinweg und konzentriert sich lieber auf die humoristischen Feinheiten: So stiehlt der auf Diät gesetzte Manfred beim Mittagessen seinem Freund die Bratkartoffeln direkt von der Gabel oder setzt Wolff die Neigung seiner Figur gelungen in Szene. Dass Wolfgang nur in Rosa gekleidet erscheint, ist zwar genauso klischeehaft wie das effekthascherische Wedeln mit dem Fächer, doch etabliert Wolff es als gelungenes Markenzeichen und komisches Element, ohne dabei affektiert zu wirken.

Wie werde ich...? Schauspielerin/Schauspieler

Im Laufe der ersten Hälfte fängt sich Janson und das Trio läuft rund. Mit der Erkenntnis „Wir sind Vater!“ nimmt auch die anfangs schleppende Handlung Fahrt auf und der Streit um die durchsetzungsfähigsten Spermien beginnt. Allerdings stellt sich heraus, dass nicht nur Karin, sondern auch ihre Tochter inzwischen verstorben ist. Was bleibt, ist eine Enkelin namens Daniela, die hochschwanger und natürlich niemand anderes als die Haushälterin Dani ist, die sich mit den Briefen der Oma auf die Suche nach dem werdenden Urgroßvater macht.

Ob Janson und seine Tochter auch im Stück verwandt sind, bleibt ein Geheimnis. Der Fall von „besonders schwerer Vergangenheitsbewältigung“ wird mit der Geburt der Urenkelin abgeschlossen, als sich die Drei entscheiden, sich die Großvaterschaft zu teilen. Ein schönes Ende für eine liebenswerte Komödie, die nach der Premiere die Kinderkrankheiten hoffentlich auskuriert hat. In jedem Fall ist die Leistung der „Kerle im Herbst“ beachtlich und das wird vom Publikum mit viel Beifall honoriert.

Kommentare