Kabarettist in ausverkauften Stadthalle in Langen

Sebastian Puffpaff: Genüssliches Sägen am Nerv der Zeit

+
Sebastian Puffpaff – vielen aus der Heute Show bekannt – versteht es, die Balance zwischen Ernst und Spaß zu halten. Mit dem Langener Publikum teilte er nun seinen Blick auf die Welt.  

Langen -  Der Reset-Button ist ein nützliches Ding: Knopf drücken und schon wird das System zurückgesetzt in den Anfangszustand. Von Sina Gebhardt 

Wie schön wäre es, wenn sich so etwas auch auf den Menschen anwenden lassen würde? Kabarettist Sebastian Puffpaff hat genau das vor und setzte das Publikum in der ausverkauften Stadthalle am Freitag deshalb mit seinem Programm „Auf Anfang“.

„Sie sind anders, Sie sind die Schlauen“ – das wird zum Mantra des Abends, mit dem die Zuschauer zu einem elitären Kreis Auserwählter erkoren werden, einer überschaubaren Gruppe Verschworener, die noch den Durchblick hat in dem stetig wachsenden Dschungel einer digitalisierten Welt, in der wir uns „voneinander weg individualisieren“. Die Rede ist von technischen Errungenschaften, Neuen Medien und dem Menschen, der sich in ihnen verliert, bis die Gesellschaft nur noch dem Namen nach existiert.

Klingt alles andere als komisch, aber Puffpaff verpackt seine Sozialkritik sorgfältig in intelligent-eloquentem Humor, bevor er sie an sein Publikum verschickt. In einer „polyamourösen Gesellschaft mit sequenzieller Monogamie“ werde uns die Ehe als endgültige Beziehungsform angeboten, aber ist das Konzept nicht veraltet? Immerhin gebe es schon Aufsätze für Elektrozahnbürsten, die diese zum Sexspielzeug umfunktionieren – wird da der Partner nicht überflüssig? „Was wirft das für ein Licht auf unsere Gesellschaft?“, fragt sich der Künstler, aber schließlich müsse heutzutage alles multifunktional sein, also präpariert auch er sein Bügeleisen mit einem Walkman, damit es mehr als nur bügeln kann.

Mit ironischer Vorfreude blickt Puffpaff in die Zukunft, in der er seinem selbstfahrenden Auto mit der Straßenbahn hinterherfahren muss, während Selbstmordattentäter vergeblich auf die zweite Unterrichtsstunde ihrer Ausbildung warten. Vom Terrorismus („Wie kommt man eigentlich darauf? Guckst du dem Rasen beim Sprengen zu und denkst dir: Das will ich auch!“) schlägt er gekonnt die Brücke zur Ausländerfeindlichkeit, die der Satiriker in einer vor Sarkasmus triefenden Vorurteils-Tirade subtil anprangert. Am Ende steht jedoch sein klares Statement: „Es gibt keine Ausländer. Es gibt nur Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher.“

Puffpaff will nicht nur spielen, er beißt auch. Er ist boshaft, provokant, scharfsinnig und tritt gerne auch mal dahin, wo es wehtut: auf den Nerv der Zeit. Wer heute nicht an Burn-out leidet, muss sich Faulheit vorwerfen lassen, und kann sich am besten gleich in der Flimmerkiste die größten Sexisten unserer Zeit angucken: Frauen, die sich an TV-Formate wie Germany’s Next Topmodel oder den Bachelor verkaufen – und für was? Eine Rose.

Der Meister der Satire nimmt die Probleme nicht auf die leichte Schulter, aber mit Humor. Bei aller Gewichtigkeit seiner Themen gelingt es ihm, die Waage zwischen Spaß und Ernst zu halten. Wie im Film „Men in Black“ wünscht er sich ein „Blitzdings“, um den Werkszustand wiederherzustellen, damit sich die Menschen vorurteilsfrei begegnen. Aber das kann nur jeder selbst. So bleibt am Ende des fulminanten Abends sein Appell: „Gehen Sie zurück auf Anfang!“

Kommentare