Goldschmied im Hessenpark

Geripptes aus Gold fürs goldene Getränk

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Bembel und Apfelweinglas als Schmuckstücke: Marcel Schweer hat als Goldschmied des Hessenparks typisch hessische Anhänger kreiert. Nach dem Abitur an der Dreieichschule hatte der heute 29-Jährige erst studiert, sich dann aber für einen traditionellen Handwerksberuf entschieden.

Langen - Für den Hessenpark hat die Stadt Langen eine ganz besondere Bedeutung: Auf dem zentralen Marktplatz steht eine Kopie des Vierröhrenbrunnens. Von Timo Kurth 

Aber nicht nur das: Auch der Goldschmied des Parks stammt aus der Sterzbachstadt – und der macht aus seiner Liebe zum Ebbelwoi Kunstwerke. „Uns Goldschmiede gibt es noch, wir sind nur ein bisschen versteckt“, sagt Marcel Schweer. Während auf den Bahnstraßen und Einkaufsmeilen des Landes haufenweise Juweliere das Geschäft machen, werden Goldschmiede immer seltener. „Allerdings sind die meisten Produkte von Juwelieren industrielle Massenware. Dort arbeiten eben nur noch wenige gelernte Goldschmiede“, sagt er voller Stolz auf seinen Beruf. Dass der 29-Jährige vor zehn Jahren beruflich den Weg in eine uralte Handwerkskunst eingeschlagen hat, bereut er augenscheinlich nicht. Es war eine gute Entscheidung, wie sich bereits heute herausstellt. Er ist vor einem Jahr den mutigen Weg in die Selbstständigkeit gegangen und wurde der Goldschmied des Freilichtmuseums Hessenpark Neu-Anspach, mitten im Taunus.

Marcel Schweer kennt man in Langen. Er hat hier seine Spuren hinterlassen, hat an der Dreieichschule Abitur gemacht und lebt mittlerweile in Hanau. Nicht zuletzt als Drummer der Langener Rockband Alaska Pirate (früher Crayfish) tourt er durch die Republik und heizt auf Rockkonzerten seinem Publikum mächtig ein. „Viele Rockbands, die ich bis heute extrem gut finde, tragen unglaublich viel Schmuck. Ausgefallene Ringe oder Ketten fand ich deshalb schon immer faszinierend“, meint er lächelnd. Dass er eines Tages mit der Herstellung solcher Stücke sein Geld verdienen sollte, war ihm ziemlich lange jedoch nicht klar.

Zunächst studierte Schweer Architektur. Das Studium in Darmstadt gefiel ihm allerdings nicht, im Hörsaal fehlte es einfach an Praxis. „Irgendwann hat es in meinem Kopf dann Klick gemacht: Junge, du willst was Handwerkliches machen“, erzählt er heute strahlend. Kurzerhand brach er ab und absolvierte stattdessen an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau eine Ausbildung zu seinem neuen Wunschberuf: dem klassischen Goldschmied. „Eine Schule, an der dreieinhalb Jahre unglaublich viel Wert auf das Haptische und die Praxis gelegt wird. Denn dieses Handwerk braucht einfach seine Zeit“, berichtet er aus dieser Phase mit viel Werkstattunterricht.

Nach seiner Ausbildung führte sein Weg schließlich in die Selbstständigkeit. Als der Hessenpark in Kooperation mit der Zeichenschule zum April 2015 einen Goldschmied suchte, bewarb sich Schweer. Der junge Langener, der mittlerweile in Hanau lebt, setzte sich gegen reichlich Konkurrenz durch und ist nun Pächter des „Haus aus Messel“, das er mit drei anderen Absolventen betreibt und an dessen Umsatz er beteiligt wird. Ein altes Fachwerkhaus, das im Mittelalter ursprünglich mal in – wer hätte es gedacht – Messel zu finden war.

Kulturstätten aus ganz Hessen

„Alle Gebäude im Hessenpark sind Nachbildungen von realen Bauten der Vergangenheit oder gar der Gegenwart“, erklärt der Goldschmied. Bäckereien, Buchdruckereien, Bürstenmacher und eben eine Goldschmiede sind nur einige Beispiele für Anlaufstellen des Freilichtmuseums, das sich seit 1974 zur Aufgabe macht, Kulturstätten aus ganz Hessen der Nachwelt zu erhalten. Außerdem sollen traditionelle Handwerke bewahrt und vorgestellt werden. Ein Stück Heimat bleibt Marcel Schweer an seiner neuen Arbeitsstelle ebenfalls nicht verwehrt: Eine Nachbildung des historischen Vierröhrenbrunnens in der Langener Altstadt hat dort ebenfalls ihren Platz gefunden. „Ich muss jeden Tag lächeln, wenn ich auf dem Weg in die Werkstatt dort vorbei komme“, so Schweer.

Vielleicht motivierten ihn die bekannte Umgebung und das goldene Getränk, das in einer Woche wieder aus dem Original des Brunnens fließt, auch zu seinen neusten Arbeiten. „Ich wollte typisch hessische Anhänger entwerfen, da dachte ich natürlich sofort an einen Bembel und ein Geripptes“, erklärt er mit Blick auf die funkelnden Miniatur-Wahrzeichen, die seit kurzer Zeit in seinem Laden verkauft werden. Dass so kleine Anhänger nicht mehr gemacht werden wie vor 300 Jahren, ist natürlich klar. „Ich habe die Form des Bembels erst einmal in einem Programm für 3D-Drucker annähern müssen. Das war gar nicht mal so leicht“, berichtet er. Ein Aufwand, der sich allerdings gelohnt hat. „Erst letztens kam wieder ein Langener den weiten Weg zu uns in den Laden und hat sich natürlich direkt einen goldenen Bembel gekauft“, erinnert er sich freudig.

Wie werde ich..? Goldschmiedin/Goldschmied

„Ich bin sehr glücklich, dass unsere Angebote im Hessenpark so fantastisch angenommen werden“, resümiert der 29-Jährige. Durch die vielen Hochzeiten, die in dem Museum stattfinden, ergibt sich für Schweer und sein Team zudem eine gute Möglichkeit: „Viele Menschen, die bei uns im Park heiraten, gehen den naheliegenden Weg in unsere Schmiede, um sich den passenden Ring anfertigen zu lassen.“ Die Leute kaufen, die Leute lassen reparieren und sie besuchen obendrein noch die Kurse, bei denen man unter Anleitung von Schweer und seinen Mitarbeitern die Grundlagen der Schmiedekunst erlernt. „Viele Menschen denken ja, der Goldschmied arbeite ausschließlich mit Gold“, so Schweer lachend. „Doch eigentlich verarbeiten wir hauptsächlich andere Materialen, besonders Silber. Allein schon aus Kostengründen.“ Denn: Während man für das Gramm Gold im Einkauf rund 35 Euro zahlt, kostet Silber nur um die 50 Cent. „Das macht dann schon ’nen Unterschied.“

Marcel Schweer ist glücklich, wie sein Startjahr als Goldschmied lief. Dass die Arbeitszeiten manchmal sein Privatleben beeinflussen, damit kann der Jungunternehmer leben. „Natürlich ist es schwierig, wenn wir mit der Band mal einen Auftritt haben, in der Nacht noch zurückzufahren und dann am nächsten Tag hinterm Tresen zu stehen. Denn der meiste Betrieb läuft im Hessenpark nun mal am Wochenende“, berichtet der schmiedende Hobby-Drummer. „Doch wenn ein Kunde unsere Stücke kauft, mit einem Lächeln auf den Lippen – das erwärmt dann einfach mein Herz.“ Weitere Infos www.goldschmiede-hessenpark.de.

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