Rentnerin erhebt Vorwürfe gegen Stadt und Baugenossenschaft

Günstige Wohnungen: Werden Flüchtlinge bevorzugt?

Langen - Die Zahl der neu in Deutschland eintreffenden Flüchtlinge ist stark gesunken, dennoch muss die Stadt permanent Neuankömmlinge unterbringen. In der Bevölkerung stößt das nicht immer auf Verständnis. So prangert die Langenerin Renate K. eine eklatante Benachteiligung von Menschen mit geringem Einkommen an – die zuständigen Stellen sehen das ganz anders. Von Markus Schaible

Renate K. ist sauer: Günstige Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet seien (auch durch die Universitäten Frankfurt und Darmstadt) absolute Mangelware und die einzigen freien „werden nur noch an Flüchtlinge abgegeben“. In ihrem Haus der Baugenossenschaft im Nordend stehe seit Längerem eine Wohnung leer, doch einer daran interessierten alleinerziehenden deutschen Mutter sei erklärt worden, sie werde freigehalten, weil die Stadt dort Flüchtlinge unterbringen wolle. Und das sei nicht der einzige derartige Fall. Das sei ungerecht, ebenso wie die Tatsache, dass die Asylbewerber komplett ausgestattete Wohnungen erhalten „mit allem, was wir uns jahrelang anschaffen mussten“. Wenn es zu wenige Sozialwohnungen gebe, müssten eben neue gebaut werden. Bei der Baugenossenschaft gebe es eine ellenlange Warteliste, wobei man schon Mitglied werden müsse, um überhaupt darauf zu kommen. Es gehe nicht um Ausländerfeindlichkeit, betont die Rentnerin – „aber Flüchtlinge zu bevorzugen gegenüber denen, die schon immer hier leben, das geht gar nicht. Es muss gerecht zugehen.“

Carsten Weise, bei der Stadt für die Flüchtlingsunterbringung zuständiger Fachbereichsleiter, hört Vorwürfe wie diese zuhauf. Und er wird nicht müde, immer und immer wieder zu erklären, dass sie nicht der Wahrheit entsprechen. Zuerst einmal sei es rechtlich gar nicht zulässig, Flüchtlinge in Sozialwohnungen unterzubringen. Aber auch ehemalige Sozialwohnungen, die nun auf dem freien Markt zu günstigen Preisen vermietet werden (um eine solche handelt es sich bei der von K. beschriebenen), würden mitnichten ausschließlich mit Asylbewerbern belegt. Vielmehr habe die Stadtverwaltung mit der Baugenossenschaft ebenso wie mit anderen großen Vermietern die Absprache, dass „ab und zu eine solche Wohnung von uns für diesen Zweck angemietet wird“. Denn das Ziel sei nach wie vor, Flüchtlinge nicht verdichtet, sondern quer über die Stadt verteilt unterzubringen.

Wolf-Bodo Friers, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft, bestätigt Weises Angaben: „Maximal eine Wohnung pro Haus“ werde für die Unterbringung von Asylbewerbern vermietet. „Wir haben der Stadt zu Beginn der Flüchtlingswelle 30 leer stehende Wohnungen, die eigentlich renoviert werden sollten und in diesem Zustand auch nicht zu vermieten gewesen wären, zur Verfügung gestellt. Diese hat sie dann hergerichtet, damit sie überhaupt wieder bewohnbar waren.“ Es komme immer mal wieder vor, dass in einem Haus Wohnungen leer stehen, weil sie vor einer beabsichtigten Gebäudesanierung nicht noch vermietet würden, so Friers. Das habe dann aber nichts mit einer Unterbringung von Flüchtlingen zu tun. „Wir halten aber nichts speziell für die Stadt frei.“

UN: Wir leben in einer Ära der Vertreibung

Dass bereits von der Verwaltung angemietete Wohnungen unter Umständen nicht belegt sind, erklärt Carsten Weise mit der oft kurzfristigen Zuweisung: „Wir erfahren manchmal erst freitags, dass wir am Montag Leute unterzubringen haben. Da müssen wir Wohnraum vorhalten.“ Den Vorwurf einer endlosen Warteliste weist Friers weit von sich: „Wir haben absolut keine Warteliste. Im Übrigen nehmen wir auch gar keine Mitglieder mehr auf. Wenn eine Wohnung frei wird, kann sich jeder darauf bewerben.“ Derzeit seien auf der Internetseite der Genossenschaft etliche verfügbare Wohnungen zu finden, auf die sich auch die angegebene Frau bewerben könne.

Wenn die Stadt Flüchtlingen eine Wohnung zuweise, müsse diese natürlich voll ausgestattet sein, betont Weise: „Wir haben dafür je nach Personenzahl 1500 bis 2000 Euro zur Verfügung – für alles!“ Bis auf die Betten, die die Stadt günstig beziehe, würden gebrauchte Möbel genutzt. Für Renate K. sind das alles „Lügen“. Sie fühlt sich von den deutschen Politikern im Stich gelassen: „Ich würde lieber heute als morgen auf die Straße gehen und protestieren.“

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Rubriklistenbild: © dpa

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