Ehrenbürger im Alter von 85 Jahren verstorben

Hans Hoffart: Ein großer Langener ist tot

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Als Takt- und Ideengeber bei unzähligen Anlässen und in zahlreichen Vereinen wird Hans Hoffart in Erinnerung bleiben. Das Foto zeigt ihn mit seiner „Kapp“ in seiner fraglos bekanntesten Rolle: der des Brunnenwirts beim Ebbelwoifest.  

Langen - Eine große Persönlichkeit, einer von drei Ehrenbürgern und vermutlich das bekannteste Gesicht der Stadt lebt nicht mehr. Langen trauert um Hans Hoffart, der am Montagabend im Alter von 85 Jahren in der Asklepios Klinik verstorben ist. Von Holger Borchard 

Erfinder und langjähriger Brunnenwirt des Ebbelwoifestes, Ehrenbürger der Stadt, über Jahrzehnte Redakteur dieser Zeitung, tief in der Fastnacht verwurzelt, Theatermacher und Mundartdichter aus Leidenschaft und – natürlich: ein „Vereinsmeier“ wie aus dem Bilderbuch. Welchem anderen Langener ließen sich ähnlich spielerisch und schier nicht endend wollend derart viele Fähigkeiten, Neigungen und Spuren seines Wirkens zuordnen? Hans Hoffart war ein Glücksfall für Langen. Seine Orts- und Menschenkenntnis, seine Schlagfertigkeit und sein feiner, treffsicherer Humor machten ihn unverwechselbar. Kaum einer war mit Langen so verbunden wie Hoffart, seine Bücher mit „Langener Gebabbel“ sind ein Muss für jeden Lokalpatrioten. Kaum einer hat sich mit der Stadt so intensiv beschäftigt. Ein aufmerksamer Beobachter der Entwicklung seit der Nachkriegszeit war er; rund 24 Jahre lang begleitete er als Redakteur der Langener Zeitung das örtliche Geschehen und prägte das Meinungsbild in seiner Heimatstadt mit, in der er am 28. März 1931 im Wiesgässchen das Licht der Welt erblickt hatte.

Nun hat ein Herz, das stets für Langen schlug, aufgehört zu schlagen. Vorige Woche war Hoffart in die Asklepios Klinik gekommen, weil es ihm nicht gut ging – er hat das Krankenhaus nicht wieder lebend verlassen. Dank seiner Fähigkeit, Witz und Geist zu paaren, standen Hoffart alle Türen offen. Er war aufgeschlossen, volkstümlich, gesellig und hilfsbereit. Über Jahrzehnte war Hoffart ein Hansdampf im örtlichen Kultur- und Vereinsleben, das er maßgeblich bereicherte, und bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Eine klassische journalistische Ausbildung hat Hoffart indes nie durchlaufen. „Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, weil ich die Zeit gar nicht hatte“, hat er uns einmal schmunzelnd verraten. Seine Berufsausbildung absolvierte Hoffart in einem grafischen Fachgeschäft in Frankfurt, verkaufte später Druckmaschinen und eröffnete sodann in Sindlingen eine eigene Druckerei. Schließlich holte ihn der Chef der Druckerei Kühn, Fritz Schädlich, als Betriebsleiter nach Langen. Als dort der Redakteur der Langener Zeitung die Stelle wechseln wollte, bekam Hoffart kurzerhand diesen Job angeboten – und griff zu. Auf die Redakteursjahre blickte Hoffart gerne zurück: „Ich hatte genug zum Leben und der Beruf hat Spaß gemacht. Ich konnte immer wieder Hobby und Beruf durch meine Vereinstätigkeit verbinden.“

Schon mit 16 wurde Hoffart Mitglied im Gesangverein Frohsinn, später prägte er als exzellenter Büttenredner und Conférencier den Karneval bei der LKG und war treibende Kraft beim Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV). Alle drei Vereine hatten ihn schon vor langer Zeit zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In anderen Vereinen engagierte Hoffart sich ebenfalls an vorderster Stelle.

„Hans Hoffart war immer wieder Taktgeber. Regelmäßig hat er sich für die Verschönerung seiner Heimatstadt eingesetzt – viele Projekte wie etwa der Europabrunnen am Bahnhof, Weihnachtsmarkt und VVV-Geschirrverleih oder die Aktionen Langen blüht auf und Langen räumt auf entsprangen seinem Ideenreichtum“, sagt Walter Metzger, langjähriger Weggefährte Hoffarts und VVV-Vorsitzender.

Bilder: Ebbelwoifest in Langen

Über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machte Hans Hoffart die Rolle des Brunnenwirts beim Ebbelwoifest, das er selbst 1974 aus der Taufe gehoben hatte und das in gut zwei Wochen wieder gefeiert wird. „Sehr, sehr viele Menschen werden ihn dabei vermissen, sehr, sehr viele werden sich erinnern, wie Hans 36 Jahre lang die Symbolfigur dieses großartigen Fests war“, ist Metzger überzeugt. Die „Kapp“, die Hoffart als Markenzeichen trug, legte er 2010 ab. Bis dahin hatte er circa 170 Personen, die sich um die Stadt verdient gemacht haben, aber nicht hier geboren sind, mit Ebbelwoi zu waschechten Langenern „gedaaft“. „Das Ebbelwoifest, unser weit über die Stadt hinaus bekanntes Volksfest, ist Hans Hoffarts schillerndstes Vermächtnis“, unterstreicht Metzger.

Das Ehrenbürgerrecht, die höchste Auszeichnung der Stadt, erhielt Hans Hoffart fast auf den Tag genau vor sechs Jahren für seine außerordentlichen Verdienste. Zuvor wurde er für seine Leistungen bereits mit dem städtischen Kulturpreis ausgezeichnet, ebenso mit den Ehrenplaketten in Silber und in Gold. Außerdem war er Träger des Landesehrenbriefs sowie des Bundesverdienstkreuzes. Die Trauerfeier für Hans Hoffart findet am Freitag, 10. Juni, um 14 Uhr auf dem Langener Friedhof statt.

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