Heimliche Filmaufnahmen und präparierte Geldscheine

Wenn die Pflegerin lange Finger macht

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Symbolbild

Langen - Einen Angehörigen in die Obhut eines Pflegedienstes zu geben, ist Vertrauenssache. Umso bitterer, wenn das Vertrauen schändlich missbraucht und der Hilfsbedürftige bestohlen wird. Von Holger Borchard 

Eine Langenerin und ihre Schwestern haben Pflegekräfte des Diebstahls bei ihrem betagten Vater überführt – mit Überwachungskameras und präparierten Geldscheinen. „Erst haben wir es abgetan, als unser Vater immer wieder beteuerte, ihm fehle Geld, man habe ihn beklaut“, schildert Erika G. (Name von der Redaktion geändert). Dass an den Worten des alten Mannes mehr dran sein könnte als vermutet, schwante Erika G. erstmals, als sie wegen eines verschwundenen Smartphones bei der Langener Polizei vernommen wurde. Jenes hatte der Vater eines Tages als Postsendung für eine Nachbarin angenommen. „Als er es abgeben wollte, sei das Paket verschwunden gewesen, erklärte mein Vater ganz zerknirscht“, so G. „Da stehst du erstmal da, rekapitulierst, dass nur du selbst und die Pflegekraft den Tag über in der Wohnung waren und damit als ,Täter’ infrage kommen – und fragst dich: Welcher Film läuft denn hier?“

Weil die Geschädigte Anzeige erheben muss, landet Erika G. auf der Polizeiwache. „Auf dem Heimweg hab’ ich dann mit meinem Sohn das erste Mal ernsthaft überlegt, ob und wie wir in Vaters Wohnung Kameras anbringen können.“ Die Technik günstig aufzutreiben, sie in Alltagsgegenstände einzubauen und diese auf neuralgische Punkte wie Küchenschrank, Stuhl samt Vaters Hose mit dem Portemonnaie in der Gesäßtasche etc. auszurichten, erweist sich als einfacher als gedacht. So dreht die Familie über etliche Wochen heimlich mit – und fällt aus allen Wolken: „Die Aufnahmen zeigen, wie die zwei Pflegekräfte meines Vaters Schränke durchwühlen, Schatullen öffnen, ja sogar Bücher aufklappen“ erzählt G. „Das Ganze lief unfassbar systematisch und routiniert ab und man sieht schließlich auch, wie aus der Geldbörse Scheine genommen werden.“ Auch das habe Methode gehabt – „immer am Monatsanfang und nie die ganz großen Scheine.

Mit dem nun mehr als begründeten Verdacht wandte G. sich ihrerseits an die Polizei, erstattete Anzeige und brachte so Ermittlungen ins Rollen. „Ohne zu viel Kriminaltaktik preiszugeben, darf ich sagen: Mit Chemikalien präparierte Scheine wurden zwischen das Bargeld meines Vaters gesteckt – und irgendwann hatten die Damen unabwaschbare blaue Flecken an den Fingern.“ Mit den Ermittlungen und vor allem den Ergebnissen habe die Polizei die Pflegekräfte und deren Arbeitgeber konfrontiert. „Letztere waren konsequent und haben sofort die Kündigung ausgesprochen“, weiß G. zu berichten. Die Strafanzeige liege nun bei der Staatsanwaltschaft, die Erstattung der gestohlenen Beträge sei aber wohl utopisch, da man sie nicht beziffern könne. „Viel mehr stört mich sowieso, dass die Damen theoretisch sofort bei einem anderen Pflegedienst einsteigen könnten“, merkt G. an. „Deshalb habe ich unsere Geschichte samt Namen allen Pflegediensten in der Region geschildert, die ich im Branchenbuch gefunden habe. Und glauben Sie mir: Die waren alle echt dankbar!“

Die Diebesbeute eines Langfingers

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