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Geburtstagskind beschenkt Musikliebhaber

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Beim Jubiläumskonzert der Stadthalle holt Georgi Mundrov zahlreiche Gäste wie den Klarinettisten Roman Kuperschmidt auf die Bühne, auf deren Hintergrund Glasbilder von Professor Johannes Schreiter projiziert werden.
Beim Jubiläumskonzert der Stadthalle holt Georgi Mundrov zahlreiche Gäste wie den Klarinettisten Roman Kuperschmidt auf die Bühne, auf deren Hintergrund Glasbilder von Professor Johannes Schreiter projiziert werden. © Strohfeldt

Langen - 175 Jahre Sparkasse Langen-Seligenstadt treffen auf 175 Jahre Musikgeschichte – so klingt das Jubiläumsjahr des Kreditinstituts stilvoll aus. Von Sina Gebhardt

Unter dem Titel „Kaleidoskop“ nimmt Meisterpianist Georgi Mundrov das Publikum in der Stadthalle mit auf eine musikalische Zeitreise, bei der der künstlerische Konzertleiter gemeinsam mit internationalen Musikern nach und nach den Facettenreichtum akustischer Klangfarben entfaltet. Normalerweise ist es das Geburtstagskind, das beschenkt wird. Doch mit diesem musikalischen Erlebnis mache in diesem Fall die Sparkasse das Geschenk, bedankt sich Bürgermeister Frieder Gebhardt im Vorfeld für das außergewöhnliche Konzert mit renommierten Künstlern aus aller Welt. Mundrov betritt die Bühne zunächst alleine und eröffnet den Abend als Solist. Doch das wird nicht so bleiben, denn mit jeder Darbietung kommt ein Musiker hinzu, sodass am Ende ein zwölfköpfiges Orchesterensemble auf der Bühne stehen wird.

Als Erster leistet dem Dirigenten der Ausnahme-Klarinettist Roman Kuperschmidt Gesellschaft und verzaubert das Publikum mit seinem gefühlvollen Spiel. Später, wenn das Ensemble den Zuschauern mit fetzigem Jazz einheizt, wird sich zeigen, dass der Russe seinem Instrument nicht nur sanfte, warme Klänge entlocken kann. Aber zu Beginn der Zeitreise, die visuell mit Werken von Glaskünstler Johannes Schreiter unterstützt wird, bleibt es klassisch: Mit seinem Cello lässt der Südkoreaner Daeyoun Kim den Schwan aus dem „Karneval der Tiere“ akustisch über die Bühne gleiten, anschließend beeindruckt sein Landsmann Michael Kim mit Fritz Kreislers „Liebesleid“ und „Liebesfreud“ an der Violine.

Die kaleidoskopische Vielfalt des Klangspektrums ist sowohl der Internationalität der Künstler wie auch der Instrumente zu verdanken: Während Alik Texler am Akkordeon Musik aus seiner Heimat Ukraine spielt, bei der er mit faszinierender Gewandtheit seine Finger über die Tasten tanzen lässt, ertönen zu Saxofon-Legende Wilson de Oliveiras eigener Komposition Klänge aus Südamerika. Bei dem aus aller Welt zusammengekommenen Ensemble darf dann natürlich auch ein Interpret aus Deutschland nicht fehlen: Die junge Nachwuchsmusikerin Katharina Martini aus Dreieich hat bereits mehrere Preise gewonnen und begeistert an diesem Abend mit ihrem leichtfüßigen Spiel an der Querflöte.

Eine besonders außergewöhnliche Darbietung erwartet das Publikum dann in Form von Enwer Ismailow. „Er macht mit der Gitarre, was andere auf dem Klavier machen“, kündigt Mundrov den ukrainischen Volks- und Jazzmusiker nicht zu viel versprechend an: Statt die Saiten seiner elektrischen Gitarre zu zupfen, tippt Ismailow auf dem Griffbrett fast wie auf Klaviertasten und entfacht mit dieser Technik Begeisterungsstürme beim Publikum.

Einziger Wermutstropfen des Abends ist der krankheitsbedingte Ausfall der Mezzosopranistin Dzuna Kalnina. Mundrov hat mit der aus Sankt Petersburg stammenden Daria Boitsova aber für würdigen Ersatz sorgen können. Mit ihrer Interpretation zu „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ glänzt die Sopranistin ebenso wie bei „Tochter Zion“, dem stimmungsvollen „Finale Furioso“, wie Mundrov es nennt. „Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen“, zitierte Bürgermeister Gebhardt Franz von Assisi. Und mit diesem erstklassigen Konzert wurde die dunkle Jahreszeit zweifelsohne hell erleuchtet.

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