Mit der Kamera auf der Drehleiter

Jugendfeuerwehr zeigt im Video, was im Ernstfall zu tun ist

+
Disconebel statt echter Rauch: Vom Feuerwehrfahrzeug aus wurde die Eröffnungsszene gedreht, bei der die Mitglieder der Jugendfeuerwehr ihren Kollegen retten. Viele Stunden Arbeit stecken in dem selbst produzierten Film.

Langen - Ein Junge liegt bewusstlos auf dem Boden, über ihm wabern Rauchschwaden. Zwei Feuerwehrleute eilen zu ihm. „Beginnen mit der Rettung, komme“, lautet ihr Funkspruch an die Zentrale. Von Julia Radgen

Im fertigen Film: Zwei Jungwehrleute bei der Wiederbelebung.

Dann stülpen die beiden dem Jungen eine Schutzhaube über und tragen ihn aus dem Gefahrenbereich. Das ist nicht nur eine Trainingssituation der Langener Jugendfeuerwehr, sondern die Eröffnungssequenz ihres selbsterstellten Kurzfilms. „Wir hatten einen kleinen Hauch Hollywood auf der Feuerwache“, sagt Christian Buchold über den aufwendigen Zweieinhalbminüter. Der Jugendwart und Hauptamtliche hat sich das Konzept ausgedacht und es zusammen mit Ausbilder Lukas Endner technisch umgesetzt. Vor seiner Kamera konnten die 45 Jungs und Mädchen der Jugendfeuerwehr beweisen, was sie bisher gelernt haben: Die Zehn- bis 16-Jährigen schlagen eine Scheibe ein, retten eine Person von der Leiter aus einem verqualmten Haus, befreien einen Verunglückten, der unter einem Wagen eingeklemmt ist und beleben ihn wieder. All das sind gängige Übungen, die jungen Wehrleute jeweils mittwochs trainieren. Fast 3000 Aufrufe hat das Video auf der Onlineplattform Youtube gesammelt und das Branchenportal retter.tv lobt: „Das Video ist professionell produziert und mit geradezu epischer Musik untermalt.“ Andere Wehren wollen sogar den Film für ihre Jugendabteilungen verwenden. „Eine tolle Resonanz“, freut sich Buchold. Das Video soll in erster Linie ein Andenken für die Kinder und Eltern sein. Die Idee entstand zum diesjährigen 50-Jährigen Bestehen der Jugendwehr.

Die begeisterten Jugendlichen haben viel Arbeit in den Film gesteckt. „Allein an der Eingangsszene haben wir zwei Stunden lang gedreht“, sagt Buchold. Die Drehleiter wurde nicht zur Rettung benutzt, sondern um die Szene aus der Vogelperspektive zu filmen. „Wir mussten sie für die Szene ganz vorsichtig bewegen, was schwierig war“, so Buchold. Die Rauchschwaden kommen aus einer Nebelmaschine und die Atemgeräte sind selbstgebastelte Varianten: Sie bestehen aus Trägerplatten und alten Abwasserrohren, weil die der Erwachsenen mit rund 20 Kilogramm für Kinder zu schwer sind. Auch an ihren Schutzmasken fehlt die sonst vorhandene Scheibe, sodass die Jugendlichen normal atmen können. Sie sollen sich aber an das Gerät gewöhnen.

„Was wir im Film zeigen, können die Kinder alles und es ist realistisch“, betont der Jugendwart. Das kommt letztendlich der Einsatzabteilung zugute. „Die Jugendfeuerwehr ist unsere wichtigste Quelle für Nachwuchs“, bestätigt Buchold. Gut 70 Prozent der Langener wechseln hierhin, nachdem sie aus der Jugendabteilung herausgewachsen sind. „Unsere Kinder fiebern der Einsatzabteilung entgegen.“ Von Brandbekämpfung bis zum Gefahrguteinsatz üben die zwölf Ausbilder mit den Jugendlichen ein breites Spektrum an Einsätzen. „Wir trainieren das schon früh, damit sie später nicht vor dem Ernstfall zurückschrecken“, sagt der 29-Jährige. Jährlich stehen mehr als 5000 Stunden Feuerwehrarbeit für sie an.

50 Jahre Jugendfeuwehr in Offenthal

Die Ausbilder übertragen den Jungfeuerwehrmännern und -frauen deshalb Verantwortung, wo es nur geht, damit sie selbstständig werden. „Unsere Jugendlichen wollen sich beweisen und Initiative zeigen“, sagt Buchold. Das zeigt sich in einem zweiten Video, in dem die „Generation 2016“ der Jugendfeuerwehr zu Wort kommt. Darin erzählt Gruppen- und Zugführer Marc Naujoks begeistert von einem denkwürdigen Erlebnis: Bei einer Schauübung mit der Jugendfeuerwehr Egelsbach hatte sich die Explosion als heftiger herausgestellt als erwartet. Die Polizei kam sogar, weil ihr Schüsse gemeldet wurden. „Die Jugendfeuerwehren hatten den Brand derweil schon erfolgreich bekämpft“, erzählt der Junge lächelnd.

Kommentare