Streit um Kiesabbau geht weiter

BUND klagt beim Verwaltungsgerichtshof

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Binnen weniger Tage wurden am Waldsee weitere 4,2 Hektar Wald gerodet. Der BUND will dennoch weiter gegen den Kiesabbau kämpfen.  

Langen - Der Rechtsstreit um den Kiesabbau im Bannwald geht weiter: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zieht vor den Verwaltungsgerichtshof (VGH) Kassel, um die Pläne der Firma Sehring doch noch zu stoppen. Von Timo Kurth 

„Das Maß ist voll“, heißt es im jüngsten Flyer des BUND-Ortsverbandes Langen-Egelsbach. Der Text ruft unter dem Motto „Der Bannwald braucht Ihre Hilfe“ die Öffentlichkeit auf, Gelder auf ein Spendenkonto zu überweisen. Denn: „Wir kalkulieren mit rund 20.000 Euro zur Weiterführung des Verfahrens in nächster Instanz“, berichtet Thorwald Ritter als Vorsitzender des Kreisverbandes bei der Infoveranstaltung des BUND im FC-Clubhaus im Waldstadion. Die Vertreter des Naturschutzverbandes geben sich also kämpferisch, obwohl die Firma Sehring erst vergangene Woche weitere Fakten bei der Südosterweiterung der Langener Kiesgrube geschaffen hat. Rund 11,7 Hektar Bannwald wurden dort bislang im Sofortvollzug gerodet; 4,2 davon, nachdem das Regierungspräsidium Darmstadt Mitte Februar das Planergänzungsverfahren abgeschlossen und grünes Licht für Abschnitt 1b gegeben hatte.

Mit einer ersten Klage vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt gegen die Gesamtmaßnahme (Auskiesung auf 63,7 Hektar) war der BUND vor Weihnachten gescheitert. Doch Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes, kann die brandaktuelle Entscheidung des Vorstands verkünden: „Wir werden in nächster Instanz vor dem VGH weiterklagen!“ Selbstbewusst rechnen sich die Naturschützer im Revisionsverfahren gute bis sehr gute Chancen auf einen Sieg aus. „Wir gehen zu mehr als 50 Prozent davon aus, dass wir gewinnen werden. Dass unser Revisionsantrag von den Darmstädter Richtern zugelassen wurde, zeigt, dass ihnen ihre eigene Entscheidung nicht ganz rund erscheint.“ Dass insbesondere Aspekte des Naturschutzes und der Arterhaltung bei der Entscheidung wenig bis keine Rolle spielten, wird vom BUND scharf kritisiert.

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In einer Präsentation beklagt Norgall, dass die Marke „Bannwald“ in Hessen in den vergangenen Jahren schleichend an Wert verloren habe. „Vor einigen Jahren galt Bannwald im weitesten Sinne als besonders schützenswert und eng verknüpft mit dem Begriff der Unersetzlichkeit.“ Spätestens seit der Flughafenerweiterung im Jahr 2002 sei damit jedoch Schluss. Seitdem dürfe der Bannwaldschutz per Forstgesetz „aufgehoben werden“, sofern „überwiegende Gründe des Gemeinwohls dies erfordern“, zitiert Norgall aus dem Gesetzestext. Kopfschütteln im Saal. Verbündete findet der BUND augenscheinlich in der Bevölkerung, wie der gute Besuch der Veranstaltung nahe legt. Etliche der „zivilen“ Beobachter des Vortrags wollen sich in nächster Zeit engagieren. „Einige gut platzierte Transparente würden schon einiges bewirken. Ich habe den Eindruck, viele Bürger wissen noch nicht, was hier innerhalb weniger Tage passiert“, meint einer der Teilnehmer, der seit Tagen mit dem Hund an den kahlen Flächen vorbeispaziert. Breite Zustimmung im Raum. Protestspaziergänge, Infostände und Trauerflore für noch zu fällende Bäume werden diskutiert, um auch außerhalb des Gerichtsaals eine Öffentlichkeit zu schaffen. „Es wird außerdem einen Sponsorenlauf am 13. Juni geben“, kündigt Thorwald Ritter an.

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„Aber wer sagt uns denn, dass während des laufenden Verfahrens nicht ohnehin irreparable Schäden entstehen?“, wird mehrfach aus dem Publikum gefragt. „Wir reden hier von Rodungsmaßnahmen, die auf 25 Jahre angesetzt wurden. So lange kann man in Deutschland kein Verfahren verschleppen“, entgegnet Norgall beruhigend. Er macht jedoch keinen Hehl daraus, dass bereits abgeholzte Flächen mit großer Sicherheit auch ausgekiest werden. Rückendeckung findet der BUND mit seinem Widerstand auch bei den natürlichen Verbündeten in der Politik. Mit Jens Duffner meldet sich der Vorstandssprecher der Langener Grünen zu Wort. „Man muss doch auch im Regierungspräsidium langsam merken, dass man Herrn Sehring nicht nur Steine aus dem Weg räumen, sondern durchaus auch mal in den Weg legen darf“, meint er mit Blick auf die von einer Parteikollegin geführte Behörde. Woraufhin die Mehrheit im Raum deutlich ihre Zustimmung kundtut.

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