Schwert-Schaukampf ein höchst anspruchsvolles Hobby

Klingen kreuzen wie im Mittelalter

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Matthias Schmidt (links) und Michael Helfmann liefern sich ein hartumkämpftes Duell.

Langen - Die Kontrahenten sehen sich in die Augen, einer holt aus, der andere pariert, Stahl trifft auf Stahl und die Schwerter singen im Takt des Kampfes. Von Sina Gebhardt

Für den Fotografen haben sich die Schwertkämpfer vor der Kulisse der Langener Altstadt extra „in Schale geworfen“. Das Bild zeigt Kursleiter Salvatore Gallo (Mitte) mit seinen Co-Trainern Sonja Klose und Daniel Rust.

Was wie ein erbittertes Gefecht unter Feinden anmutet, ist in Wahrheit das Ergebnis von hartem Training und vor allem Teamwork, denn beim Schau-Schwertkampf geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern darum, dem Publikum ein unterhaltsames Spektakel zu bieten. Genau das trainiert Salvatore Gallo mit den Teilnehmern seines Vhs-Kurses „Mittelalterlicher Schwert-Schaukampf“. Es ist gewissermaßen wie beim Tanzen: Es gibt Grundschritte, die man beherrschen muss, aber keine feste Choreografie. Ein Partner zeigt anhand subtiler Gesten, welche Schrittfolge er plant, der andere folgt – idealerweise, denn anders als beim Tanzen darf man hierbei nichts außer Acht lassen: „Wir trainieren mit voll funktionsfähigen Kriegswaffen.“ Seit acht Jahren betreibt Salvatore Gallo den Schau-Schwertkampf, vor rund fünf Jahren hat er dann den Kurs als Trainer von seinem Vorgänger übernommen. Ein klarer Fokus ist und bleibt das Thema Sicherheit, gerade weil die Teilnehmer zum Schutz nur Handschuhe und ihre eigenen Fähigkeiten haben. Der Grund dafür ist einfach: „Schutzkleidung macht leichtsinnig. Die Waffen sind zwar stumpf, aber trotzdem schmerzhaft. Das Wichtigste ist deshalb, dass die Techniken sitzen.“

Jeden Dienstag, beginnend wieder nach den Ferien, trainieren die insgesamt 20 vorwiegend mittelalterbegeisterten Kursteilnehmer für anderthalb Stunden. Seit Anfang des Jahres dürfen sie sich dafür in der Turnhalle der Albert-Einstein-Schule austoben und unter anderem ihr Improvisationstalent trainieren, bei dem sich die Schau-Schwertkämpfer des Erlernten bedienen: Neben je sieben Grundtechniken für Angriff und Parade, beispielsweise ein Schlag Richtung Schulter oder Hüfte, gibt es fortgeschrittene Variationen wie das Entwaffnen, den Stich oder auch den direkten Körpereinsatz.

Damit sich dabei keiner verletzt, ist die Zusammenarbeit essenziell. „Beim richtigen Schwertkampf würde man bei den Schlägen nicht so weit ausholen. Das ist aber nötig, damit der Partner weiß, was kommt und darauf reagieren kann“, erklärt Gallo. So dauern auch die Kämpfe länger, was für eine gute Show wichtig ist – unter anderem: „Das Ziel ist, dem Publikum zu vermitteln: Ich will ihn töten“, beschreibt es Kursteilnehmer Sven Steinebach. Möglichst echt soll es wirken. Der 19-jährige Langener hat viele Gründe, warum er sich seit fünf Jahren für diesen Sport begeistert: „Es macht Spaß und ist sehr vielfältig, weil es unter anderem den Kampfsport mit Schauspielerei und rohe Gewalt mit Kunst vereint. Aber es ist und bleibt auch gefährlich, deshalb muss man sich auf seinen Partner verlassen können.“

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Vier selbstgeschriebene Stücke für den Schaukampf – bei einer Aufführung zeigen sich die Darsteller dann natürlich auch in mittelalterlicher Gewandung – hat Gallo im Repertoire. Für eine überzeugende Show spiele dabei auch der individuelle Charakter eine große Rolle: „Jeder kann hier seine eigene Art ausleben und damit es überzeugend aussieht, muss der Kampfstil auch dazu passen“, berichtet der Trainer. So wäre es beispielsweise unglaubwürdig, wenn eine zierliche Frau einen kräftigen Mann mit nur einem Schlag zu Boden strecken würde.

Warum das Ganze dann nicht nur Schauspielerei, sondern auch Sport ist, wird spätestens klar, wenn man einen der Anderthalbhänder in der Hand hält. „Ich war überrascht, wie anstrengend das Training ist. Es sieht viel leichter aus“, gesteht Matthias Lehmann aus Erzhausen, den vor einigen Monaten die Neugierde in den Kurs getrieben hat. Leichtfüßig sollen die Darbietungen natürlich aussehen, aber tatsächlich wiegen die zehn Trainingsschwerter, die Gallo für den Kurs zur Verfügung stellt, zwischen ein und eineinhalb Kilo. Die meisten im Kurs besitzen aber schon ihr eigenes Schwert, und das bringt mitunter ganze zwei Kilo auf die Waage.

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Das erklärt auch, warum die Schaukampfstücke nur zwischen zehn und 15 Minuten dauern: Mit Kraft, Ausdauer, Koordinationsvermögen und dazu noch darstellerischem Können verlangt der Schau-Schwertkampf den Teilnehmern sowohl körperlich als auch geistig viel ab. Warum so viele von ihnen trotzdem seit mehreren Jahren dabei bleiben? Weil ihnen das Training dafür auch sichtlich viel Freude bereitet.

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