Kritik an Planungen des Quartierszentrums Liebigstraße

Parkhaus am Alpha-Hochhaus bringt Nachbarn auf die Palme

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Zwischen Bahnlinie, Alpha-Hochhaus und Weserstraße soll das Quartierszentrum Liebigstraße entstehen. Auf dem benachbarten Parkplatz (auf dem Luftbild rechts vor dem Hochhaus) ist das umstrittene Parkhaus geplant. Das sich bereits jetzt zur Liebigstraße hin anschließende Parkdeck bleibt bestehen.  

Langen - Einzelhandel, Dienstleistung, ein Hotel und Wohnhäuser: Die Firma HBB will auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände das sogenannte Quartierszentrum Liebigstraße errichten. Bei Nachbarn in der Weser- und Westendstraße stoßen die Pläne auf Widerstand. Knackpunkt ist das geplante Parkhaus. Von Markus Schaible 

Es dauert genau neun Minuten, da ist das erste Mal „Stimmung“ im Saal des Rathauses. Die Verwaltung hat Vertreter der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) sowie weitere Planer und Gutachter geladen, damit diese der Bevölkerung die präzisierten Pläne für das Areal zwischen Liebigstraße und Alpha-Hochhaus vorstellen. Doch viele der etwa 150 Gekommenen interessiert vor allem eines: Was ist mit dem Parkhaus? Das hat bei den Bewohnern der an die Südost-Ecke des Areals angrenzenden Häuser bereits im Vorfeld für Aufruhr gesorgt. Und es ist genau 18.39 Uhr, als Bürgermeister Frieder Gebhardt eben dieses Parkhaus erstmals erwähnt und von dessen „abschirmender Wirkung“ für die Wohngebäude spricht – und für diese Aussage höhnisches Gelächter erntet.

Das Parkhaus soll dann auch die Diskussionsrunde bestimmen – aber zuerst einmal stellen die Planer das Projekt ausgiebig vor. „Es hat eine Schlüsselfunktion für das neue Wohngebiet an der Liebigstraße für etwa 2500 Menschen“, erklärt Gebhardt: Das Quartierszentrum soll die Verbindung zur Innenstadt/Bahnstraße her- und die Versorgung des Wohngebiets sicherstellen. Profitieren werde aber die gesamte Bevölkerung, denn dort sollen Sortimente angeboten werden, die es derzeit in Langen nicht gibt: „Es verbessert die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs.“ Die HBB sei derzeit dabei, den Bebauungsplan zu erarbeiten, der dann Anfang kommenden Jahres im Parlament beschlossen werden könnte. Als Baubeginn ist Herbst 2017 angepeilt.

Blick vom Ende des P+R-Platzes am Bahnhof Richtung Nordosten auf das geplante Einkaufszentrum. Vorne rechts ist das bestehende Parkdeck, dahinter das Parkhaus zu sehen.  

Das Forum Hanau ist eines der Referenzprojekte, mit dem HBB-Projektleiter Jens Eifers seine Firma vorstellt. Die Hamburger wollen das Einkaufszentrum nicht nur bauen, sondern über das eigene Centermanagement auch langfristig verwalten, kündigt er an. In Abstimmung mit dem künftigen Betreiber soll zudem zur Bahnlinie hin ein Hotel entstehen. „Es wird ein Nahversorgungszentrum, Sie werden da also keinen P & C oder ähnliches finden“, präzisiert Architekt Jens Thormeyer. Vorgesehen sind rund ein Dutzend Läden mit einer Gesamt-Verkaufsfläche von 6 000 Quadratmetern. Die Kunden sollen ihre Autos überwiegend ebenerdig vor den Geschäften parken und nur bei Hochbetrieb im Parkhaus. Dieses sei vor allem aus einem Grund geplant, so Thormeyer: als Ersatz für den maroden Parkplatz des Alpha-Hochhauses, auf dem es derzeit von Schlaglöchern und abgemeldeten Schrottkarren nur so wimmelt. Die dortigen 226 Stellplätze seien als Baulast festgeschrieben und müssten deshalb an genau dieser Stelle nachgewiesen werden. Ergo: Das Parkhaus könne nur dort errichtet werden.

Etliche Anwohner ziehen aber genau das in Zweifel: Die meisten würden das Einkaufszentrum gut finden, sagt eine Nachbarin, aber das Parkhaus müsse an anderer Stelle entstehen und nicht „direkt vor unseren Schlafzimmerfenstern“. Wegen Feinstaub, Schall und Abgasen befürchte sie gravierende gesundheitliche Gefährdungen.

Bilder zur Eröffnung des „Forum Hanau“

Die Abstände zwischen Parkhaus und Nachbargebäuden seien im Lauf der Planungen schon auf 18 bis 22 Meter vergrößert worden, entgegnet Thormeyer. Optisch sei es heute möglich, solche Gebäude wie ein ganz normales Wohn- oder Geschäftshaus aussehen zu lassen. Zudem werde es so gebaut, dass keine zusätzliche Lärmbelästigung von ihm ausgehe, zumal die komplette Verkehrsanbindung über die Liebigstraße abgewickelt werde. Und es werde auch keine Feinstaubbelastung geben, betont Gutachter Björn Heichen (LAIRM Consult). Doch die Anwohnerin ist sich des Gegenteils sicher: „Sie können mir nicht weiß machen, dass Sie die Schallschutzwerte einhalten können.“

Auch andere Anwohner protestieren. Da wird vorgerechnet, dass die 286 Stellplätze im Parkhaus gar nicht benötigt würden (Thormeyer: „Wenn wir weniger bauen müssten, würden wir uns freuen.“) und immer wieder in Abrede gestellt, dass es an genau dieser Stelle entstehen muss. Jetzt müssen sich die Planer überlegen, wie sie mit den Einwänden in weiteren Verlauf des Verfahrens umgehen.

Früherer Nutzung

 Auf dem Gelände des künftigen Quartierszentrums befand sich im nördlichen Teil von 1908 bis ’68 ein Gaswerk. Nach dessen Abriss wurde es bis 1998 von den Stadtwerken weiter als Betriebsgelände genutzt. Der Boden des Bereichs wurde 1988/89 sowie 1998/99 saniert. Im südlichen Teil logierte früher ein Lebensmittelgroßhandel mit eigenem Fuhrwerk; bekannt ist, dass 1963 ein undichter Dieseltank ersetzt werden musste. Das Büro für Hydro- und Umweltgeologie Egelsbach hat das gesamte Areal untersucht und dabei „keine relevanten Schadstoffe im Boden gefunden“, wie Volker Heberer betont.

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