19-jähriger Flüchtling aus Eritrea hätte jeden Job angenommen

Wenn Chance und Traum eins sind

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Teshome-Zemichael Mogos an seiner neuen Ausbildungsstelle beim Autohaus Heinrich Göbel. Ihm macht die Arbeit riesig Spaß – und seine Ausbilder sind begeistert von seinem Engagement.

Langen - Er wäre bereit gewesen, seinen Traum vom Wunschberuf aufzugeben und stattdessen auf dem Bau zu schaffen – nur, damit er Arbeit hat. Von Sina Gebhardt 

Genau dieser Einstellung hat es der 19-jährige Flüchtling Teshome-Zemichael Mogos zu verdanken, dass er diesen Traum nun doch verwirklichen kann: Seit dem 1. September macht er eine Ausbildung zum Automechaniker beim Autohaus Heinrich Göbel. Freudestrahlend steht der junge Eritreer in der Mercedes-Werkstatt, umgeben von Fahrzeugen, an denen er jetzt schrauben und natürlich lernen darf. Dass er diese Chance bekommen hat, ist eine glückliche Fügung, die ihren Anfang in der Begegnung mit Antonio Messina im vergangenen Winter fand. Über das Café Welcome in Langen entstand damals der Kontakt und der CDU-Stadtverordnete erinnert sich noch genau an die Situation, die für ihn ausschlaggebend war, Teshome bei der Stellenvermittlung zu helfen: „Wir standen an einer Bushaltestelle, als er mir erzählte, dass er ein Angebot beim Bau hätte. Ich fragte ihn, ob er denn annehmen möchte und er sagte ja. Nur, weil er sonst ein Jahr ohne Arbeit wäre, wenn er auf einen Ausbildungsplatz als Mechaniker warten müsste.“

Die Bereitschaft, auf seinen Wunsch zu verzichten, um überhaupt Arbeit zu haben, hat Messina so beeindruckt, dass er zur Tat schritt. Mit Heinrich Göbel fand er einen Unternehmer, der offen dafür war, einem Flüchtling einen Ausbildungsplatz zu geben – nachdem er wie jeder Azubi zuvor ein Praktikum absolviert hat. „Er ist freundlich, höflich, engagiert und passt ins Team“, lautete das abschließende Urteil von Serviceleiter Volker Peters. Eigentlich waren mit 26 Auszubildenden bereits alle Plätze belegt, doch Teshome hatte Glück: „Wir möchten auch Flüchtlingen die Chance bieten, ihren Berufsweg zu finden.“

Dreieinhalb Jahre Ausbildung liegen nun vor dem Eritreer, in denen er sich viel Fachwissen aneignen muss. Deshalb heißt es auch: Zweimal die Woche die Schulbank drücken. Verständnisprobleme habe er dabei nicht, nur mit dem Sprechen täte er sich etwas schwer, sagt Teshome. Damit stellt er sein Licht unter den Scheffel: Mit 16 kam er nach Deutschland und hat sich in seinen drei Jahren hier gute Sprachkenntnisse angeeignet. „Aber an den Autos zu schrauben macht schon mehr Spaß“, gesteht der 19-Jährige lächelnd.

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Seine Freude an der Arbeit bekommt auch Werkstattleiter Christian Goldbach zu spüren, der keinen Zweifel daran hat, dass Teshome seinen Weg gehen wird: „Es macht unglaublich Spaß, mit ihm zu arbeiten, er packt mit an, er weiß, um was es geht und welche Chance er bekommen hat. Ich bin total begeistert.“ Obwohl der junge Eritreer noch am Anfang steht, kann man schon sagen: Ende gut, alles gut. Für Teshome ist sein Traum wahr geworden, was er dem ehrenamtlichen Engagement von Messina und aufgeschlossenen Unternehmen wie dem Autohaus Heinrich Göbel verdankt. „Integration geht nicht von heute auf Morgen“, betont Messina, „aber damit wurde ein positives Zeichen gesetzt.“ Und wenn dieses Zeichen andere Unternehmen dazu bewegt, Flüchtlingen eine Chance zu geben, dann wäre Teshome nicht mehr alleine ein glückliches Einzelschicksal.

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