Aufwertung eines Viertels im Norden

Fokus aufs ganze Quartier richten

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Die Blocks an dieser Straßenecke stehen ebenso im Fokus der Planer wie die restliche Bebauung im Karree Elbe-, Anna-, Nordend- und Nördliche Ringstraße. Innerhalb eines Jahres soll ein Konzept für die energetische Sanierung des Viertels erstellt werden.

Langen - Im Karree Elbe-, Anna-, Nordend- und Nördliche Ringstraße stehen etliche Blocks aus den 50er und 60er Jahren. Für das ganze Quartier mit 600 Wohneinheiten soll innerhalb eines Jahres ein energetisches Sanierungskonzept her. Von Cora Werwitzke 

Motor dieses Vorhabens ist die Baugenossenschaft Langen mit weiteren Partnern. Bemerkenswert ist, dass sich dabei unter anderem konkurrierende Wohnungsbaugesellschaften die Hand reichen. Die Baugenossenschaft arbeitet einen auf zehn Jahre angelegten und rund 80 Millionen Euro teuren Modernisierungsfahrplan ab, der weite Teile ihres Gebäudebestands betrifft. Nicht einkalkuliert ist darin die Aufwertung der Blocks im Karree Elbe-, Nordend-, Anna- und Nördliche Ringstraße – „das ist aus mehreren Gründen nicht in diesem Zuge finanzierbar“, sagt Wolf-Bodo Friers, Vorstand der Baugenossenschaft. Gleichwohl strebt sein Team an, mithilfe von Partnern in diesem Bereich eine geförderte energetische Quartierssanierung in die Wege zu leiten. Den ersten Erfolg haben die Initiatoren nun mit einem bewilligten Förderbescheid verbucht, wonach die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 54.000 Euro für die Analyse des Ist-Zustands und die Erstellung eines Konzepts bereitstellt.

Für die Baugenossenschaft ist die Akquirierung von Fördermitteln ein Novum, deshalb beauftragte sie die NH Projektstadt, eine Marke der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt und damit der in Langen ebenbürtigen Wohnungsbaugesellschaft. „Auf dem gefragten Gebiet liegt nicht unsere Kernkompetenz“, begründet Friers. „Deshalb sind wir über die Unterstützung der NH Projektstadt sehr froh.“ Ebenfalls mit am Tisch sitzen Vertreter der Stadtwerke und der Stadtverwaltung.

Neben Blocks mit knapp 400 Wohnungen der Baugenossenschaft umfasst das Areal auch rund 200 private Wohneinheiten. Die Idee sei, sie bei der angestrebten Modernisierung etwa durch die Anbindung an ein oder mehrere neue Wärmenetze zu integrieren. Den Initiatoren ist sehr an Energieeffizienz gelegen, denn in den rund 60 Jahre alten Blocks der Baugenossenschaft galoppieren die Kosten davon. „Grundsätzlich kommt auch die Versorgung durch Fernwärme in Frage“, so Friers. Hier stünden die Stadtwerke als Partner an erster Stelle.

Die Vorteile, bei der Zukunftsplanung das ganze Quartier zu betrachten, liegen auch für Monika Fontaine-Kretschmer, technische Geschäftsführerin der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt auf der Hand: „Das schafft Identität und ein Bewusstsein für umweltfreundlicheres Wohnen.“ Allen Beteiligten ist klar, dass es anstrengend sein kann, bei individuellen Beratungen auf Einzelinteressen einzugehen. Doch die zu erwartenden Synergien rechtfertigen in ihren Augen den Aufwand. So bezeichnen Stadt und Stadtwerke die Kooperation mit der Baugenossenschaft etwa als Beispiel für eine Energiewende vor Ort. „Das ist ein passender Baustein für das Klimaschutzkonzept der Stadt“, führt Christian Weber, Vertriebsleiter der Stadtwerke, aus. Auch Bürgermeister Frieder Gebhardt begrüßt das Projekt, das nach seinen Worten beispielhaft für den nachhaltigen Umgang mit Energieressourcen sei.

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Als Gebäudeenergiestandard hat sich die Baugenossenschaft in dem Quartier die Marke KfW-85 vorgenommen, was so viel heißt, dass die Gebäude nach der Sanierung nur noch 85 Prozent der Energie eines vergleichbaren Referenzgebäudes benötigen (gemäß Energieeinsparverordnung). „Denkbar ist auch die Nachverdichtung des Quartiers durch Neubauten mit deutlich höherem Energiestandard“, erläutert Friers. Die Ideen kreisen allerdings nicht allein um Energiefragen. Nach einer Umfrage unter ihren Mietern hat die Baugenossenschaft auch Themen im Auge wie die Wegebeleuchtung, Elektromobilität, die Einführung einer sogenannten „Kiezstreife“ oder einen eigenen Ansprechpartner für soziale und rechtliche Problemlagen wie Mietrückstände. Weiterhin sei eine gemeinschaftliche Neugestaltung der Außenanlagen Thema, kündigt Friers an. „Durch das Projekt soll der Genossenschaftsgedanke noch einmal gestärkt werden.“ Was tatsächlich machbar ist, darüber soll das nun mit dem Fördergeld finanzierbare Konzept Aufschluss geben, das binnen eines Jahres fertig werden soll. Für die Realisierungsphase hoffen die Beteiligten dann auf weitere Fördergelder aus dem KfW-Programm „Energetische Stadtsanierung“.

Die Baugenossenschaft Langen bewirtschaftet in Langen, Dreieich und Egelsbach mehr als 1800 Wohnungen. Damit ist sie der größte Vermieter in der Region und eine der zehn größten Baugenossenschaften im Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt mit Sitz in Frankfurt und Kassel bietet seit mehr als 90 Jahren umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Bauen und Entwickeln. Unter der Marke NH Projektstadt bündelt sie Kompetenzfelder, um Stadt- und Projektentwicklungsaufgaben voranzutreiben.

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