„1001 Geschichten vom Ankommen“

Junge Migranten berichten in Theaterstück von ihren Erlebnissen

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In einer Kulisse wie aus 1001 Nacht erzählen die jungen Migranten ihre ganz persönlichen Erlebnisse. Das Theaterstück „Scheherazade erzählt ... 1001 Geschichten vom Ankommen“ haben sie im Rahmen des IB-Projektes „Stark durch Vorbilder“ selbst geschrieben.

Langen - Sich auf eine Bühne zu stellen, vor Publikum Theater zu spielen und das in einer Sprache, die man kaum beherrscht – das erfordert viel Mut und Überwindung. Von Sina Gebhardt 

Im Rahmen des Projekts „Stark durch Vorbilder“ des Internationalen Bundes (IB) haben Jugendliche mit Migrationshintergrund das selbst geschriebene Theaterstück „Scheherazade erzählt . . . 1001 Geschichten vom Ankommen“ einstudiert. Nun feierten die rund 20 Mitwirkenden ihre Premiere im Jugendzentrum. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde im Bildungszentrum Langen verbreitet, dass ein Theaterprojekt auf die Beine gestellt wird. „Wir wollten mal etwas ganz anderes machen und in den Kreativbereich gehen“, sagt Anette Chithavong, die das Projekt gemeinsam mit Mareike Schneider koordiniert und von der starken Resonanz positiv überrascht war. „Viele hatten vorher noch gar keine Erfahrung mit dem Theater gemacht, aber waren gleich begeistert.“ Seit Februar konnten interessierte Migranten zwischen 12 und 27 Jahren in das Projekt hereinschnuppern, daraus hat sich dann die Gruppe entwickelt, die seit März zweimal wöchentlich probte, um für die Premiere gewappnet zu sein.

„Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, wie engagiert die Jugendlichen sind, sich zu integrieren und wie viel Zeit sie zusätzlich zu Schule und Sprachkursen darin investieren. Sie haben viel Potenzial, um Vorbilder für andere zu sein“, urteilt Hanneliese Einloft-Achenbach, Leiterin des Langener IB-Bildungszentrums. Das vom Bundesfamilienministerium geförderte Modell „Stark durch Vorbilder“ ging im Oktober 2013 mit dem Ziel an den Start, das öffentliche Bild junger Migranten zu verbessern. Die negativen Vorurteile kann Schneider nicht nachvollziehen, denn ihre Erfahrungen im Theaterprojekt haben gezeigt: „Gerade was Höflichkeit und Respekt angeht, haben sie anderen Jugendlichen viel voraus.“

Für Chithavong und Schneider geht es aber nicht nur um Öffentlichkeitsarbeit, genauso wenig wie den Jugendlichen: „Ich will mehr Selbstbewusstsein und die Sprache lernen“, teilt die 15-jährige Samargul ihre Motivation mit, die zwar in gebrochenem Deutsch spricht, aber sich dennoch in der Hauptrolle auf die Bühne traut. „Es geht nicht um Perfektion, wir arbeiten schließlich nicht mit Schauspielern“, räumt Schneider ein. Und Chithavong ergänzt: „Manche sind erst seit wenigen Monaten in Deutschland, da ist es wirklich bemerkenswert, dass sie die Herausforderung annehmen, vor Publikum zu sprechen.“

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Das wagt auch die 18-jährige Iranerin Tannaz, die durch das Theaterspiel ihre Schüchternheit überwinden will und im Stück von ihrem ersten Schultag erzählt. Denn die Geschichten sind tatsächlich die persönlichen Erlebnisse der jungen Migranten.

„Es war schön, aber auch schwierig, persönliche Erfahrungen einzubringen“, beschreibt es Sabrina, 18 Jahre, geboren in Saudi-Arabien. „Aber die Lehrerinnen sind so nett und freundlich und wir hatten immer viel Spaß dabei“, lobt sie und erzählt dann ihre hoffnungsvolle Geschichte, wie sie mit 17 Jahren in Deutschland noch das Fahrradfahren gelernt hat – was ihr in ihrer Heimat als Frau nicht erlaubt gewesen war.

Am Ende der knapp 45-minütigen Aufführung steht den jungen Darstellern die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Und das Publikum im Jugendzentrum weiß um die außerordentliche Leistung und belohnt sie mit viel Beifall.

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