Zahn der Zeit hat schwer genagt

Mosaik am Vierröhrenbrunnen muss saniert werden

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Mit einem Brett geschützt und von einer Absperrung umgeben: Das Mosaik am Vierröhrenbrunnen, das den ungefähren Standort der einstigen Gerichtslinde markiert, hat in jüngster Zeit ziemlich gelitten. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein, der es einst in Auftrag gab, will es nun sanieren lassen.

Langen - Das Mosaik neben dem Vierröhrenbrunnen, das den Standort der früheren Gerichtslinde deutlich macht, ist ganz schön ramponiert. Doch eine Sanierung ist in Sicht; bis diese beginnt, bleibt das Ornament abgedeckt.

Mehr als 100 Jahre alt ist die Einlegearbeit im Kopfsteinpflaster am Vierröhrenbrunnen – kein Wunder, dass der Zahn der Zeit an dem Gerichtslinde-Mosaik genagt hat. Etliche Steine sind lose, einige bereits herausgebrochen. Damit es nicht weiter zerbröselt, haben die Beschicker des Altstadtmarkts eine Holzplatte auf die Steine gelegt und die Kommunalen Betriebe die Stelle mit rot-weißen Planken und Flatterband umzäunt. Doch Abhilfe ist in Sicht: Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) will den lieb gewonnenen und für die Stadtgeschichte bedeutsamen Hinweisgeber sanieren. „In Zusammenarbeit mit der Stadt sind wir dabei, die Kosten zu ermitteln und die Vorgehensweise abzustimmen“, sagt VVV-Vorsitzender Walter Metzger. Gegebenenfalls würden noch Sponsoren gesucht. „Unser Ziel ist es, baldmöglichst zur Tat zu schreiten, damit der Baustellencharakter am Vierröhrenbrunnen und direkt neben der Außengastronomie von Haferkasten und Tiepolo ein Ende hat“, betont Metzger.

Aus gutem Grund nimmt das Mosaik beim VVV einen Ehrenplatz ein. Schließlich war es der Verein selbst, der es Anfang des vorigen Jahrhunderts auf Anregung geschichtsbewusster „Altertumsfreunde“ und nach dem Eingang diverser Spenden in Auftrag gab, um an die uralte Gerichtslinde und somit an den früheren Ort der Rechtsprechung in Langen zu erinnern. Das sogenannte Maigeding oder Wildbanngericht, das für das gesamte Dreieichgebiet Bedeutung hatte, tagte zum letzten Mal im Jahr 1556. Mitte des 18. Jahrhunderts schlug dann der Gerichtslinde die letzte Stunde. Weil sie in einem schlechten Zustand war und zu einer Gefahr wurde, musste sie gefällt werden.

Ob das heutige Mosaik ihren wahren Standort kennzeichnet, ist unter Heimatforschern umstritten. Gewiss ist hingegen, dass es von der Odenwälder Hartsteinindustrie in Ober-Ramstadt hergestellt und von zwei Pflastermeistern aus Erzhausen auf einer etwa ein Quadratmeter großen Fläche verlegt wurde – aus weißen, blauen, roten und grünen Steinchen. Den Mittelpunkt bildet das Langener Stadtwappen, das mit „Standort der früheren Gerichtslinde“ umschrieben ist. „Unserem Städtchen gereicht das Kunstwerk zur hohen Zierde“, hieß es bei seiner Fertigstellung im Jahr 1902 im „Langener Wochenblatt“.

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Die jetzt anstehende Sanierung ist nach mehr als 100 Jahren nicht die erste. Zuletzt vor gut einem Jahr hatten die Kommunalen Betriebe Hand angelegt und kleinere Reparaturen ausgeführt. Weil sich das Mosaik zunehmend als anfällig erweist, überlegen Stadt und Verkehrs- und Verschönerungsverein, ob und wie es künftig vor Passanten, den Besuchern der Gaststätten sowie dem Trubel des Altstadtmarktes und des Ebbelwoifests geschützt werden kann.

ble

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