Zu zweit pendelt’s sich schöner

Stadt unterstützt Mitfahr-Initiative

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Die Stadt unterstützt fortan die Mitfahr-Initiative 2proAuto: Das Zertifikat überreichte Martin Patri von Flinc (zweiter von rechts) an Stefan Löbig, Christina Krüger und Frieder Gebhardt.  

Langen - Auch in Langen sollen künftig immer 2 pro Auto unterwegs sein. Die gleichnamige Initiative des Mitfahrnetzwerks Flinc hat die Stadt als neuen Partner gewonnen. Von Julia Radgen 

Gemeinsam mit den Machern will sie Pendler dazu motivieren, öfter auf die Fahrt mit dem eigenen Auto zu verzichten.  Die neue Kooperation lässt Bürgermeister Frieder Gebhardt in Erinnerungen schwelgen: Als er in den 90er Jahren in Kalifornien weilte, war er schwer beeindruckt von einer amerikanischen Erfindung: Die linke Fahrbahnspur der Highways ist Autos vorbehalten, in denen mindestens zwei Personen sitzen. Diese HOV Lanes, die die Bildung von Fahrgemeinschaften fördern sollten, gibt es seit den Achtzigern. Erst in den Kinderschuhen steckt hierzulande eine Initiative, die das gemeinsame Pendeln attraktiv machen und den Verkehr auf den Straßen vermindern will. Das Projekt 2proAuto des 2010 gegründeten Start-Up-Unternehmens Flinc will Menschen vernetzen, die die gleiche Strecke fahren. Flinc hat sich auf Pendler und Kurzstrecken spezialisiert. Mit der Applikation kann man auf seinem Smartphone nach einer kostenlosen Anmeldung Fahrten suchen oder anbieten. Das System erlaubt es auch, regelmäßige Fahrten anzulegen oder zeigt Alternativen mit dem öffentlichen Nahverkehr an. Wer eine Fahrt einstellt, kann jeden Tag Menschen gegen einen geringen Spritkostenzuschuss im eigenen Auto mitnehmen.

Wer täglich mit eigenen Pkw zur Arbeit und zurück fährt, erkenne die Autos um sich herum wieder, meint Martin Patri, Koordinator der Initiative. Das zeige, dass das Potenzial für 2proAuto vorhanden sei. „Es ist aber erstaunlich, wie wenig Menschen an die Möglichkeit denken, auf ihrer täglichen Fahrt zur Arbeit jemanden mitzunehmen, der die ähnliche Strecke zur gleichen Uhrzeit hat“, meint Patri. Ein Umdenken sei deshalb dringend nötig. „Wir wollen die Gewohnheiten von Pendlern aufbrechen und das Thema Mitfahren mehr ins Bewusstsein rücken.“ Das will auch die Stadt: „Wir begrüßen die Initiative, die den Zielen unseres Klimaschutzkonzeptes entspricht und unterstützen sie deshalb gerne“, betont Erster Stadtrat Stefan Löbig. „Wenn es uns gelingt, den Individualverkehr zu verringern, ist das gut für unsere Städte und für die Umwelt.“

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In Langen gebe es sehr viele motorisierte Ein- und Auspendler, für die 2proAuto eine Alternative sein könne. Vor allem in Hinblick auf das neue Wohngebiet an der Liebigstraße kann sich Löbig vorstellen, dass das Angebot genutzt wird. Durch die Partnerschaft zwischen Langen und der Mitfahr-Initiative bescheinige man laut Magistrat „seine Zustimmung zur Sache“. Zudem sei die Kooperation „ein Baustein im Bereich Nachhaltigkeit“. Finanzielle Unterstützung erhält Flinc von den Projektpartnern, zu denen auch Maintal, Bensheim und Dreieich gehören, nicht. Seit Beginn im Dezember 2015 wachse die Initiative im Schnitt um einen Partner pro Woche. 2proAuto finanziert sich über seine beiden Hauptinvestoren General Motors und Deutsche Bahn sowie Großkunden, die ins Projekt investieren. Auch an den Fahrten verdiene 2proAuto nichts, wie Patri sagt. Der Spritkostenzuschuss wandert ohne Abzüge in die Geldbörse des Fahrers. „Unser Ziel ist es, den Autoverkehr zu halbieren. Wann das erreicht ist, wird man das daran erkennen, dass in jedem Auto mindestens zwei Personen sitzen und es keine Staus mehr gibt“, wünscht er sich. Denn weniger Verkehr verringere auch Parkplatzprobleme und Stau. Und dann erübrigen sich auch eigens eingerichtete Fahrspuren nach amerikanischem Vorbild (Infos auf der Webseite).

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