Wegen politischer Lage

Langener sind mit Gastgebern aus Tarsus einig, 25-Jahr-Feier zu schieben

Langen - Anfang September wollte eine Langener Delegation eigentlich nach Tarsus reisen, um dort 25 Jahre Verschwisterung zwischen Langen und der türkischen Partnerstadt zu feiern. Die politische Lage vor Ort hat nun aber beide Seiten dazu bewogen, den Termin zu verschieben. Von Cora Werwitzke 

„Die Lage in Tarsus ist ein Spiegelbild der Lage im ganzen Land“, sagt der in Langen heimische Journalist Mehmet Canbolat, der die Verschwisterung vor 25 Jahren maßgeblich initiierte und einen sehr engen Draht zu seiner Geburtsstadt Tarsus pflegt. Seit dem Putschversuch am 15. Juli ist die Volksseele aufgewühlt. „In der Bevölkerung herrscht Freude darüber, dass der Putsch gescheitert ist – das wird auch in Tarsus bis heute gefeiert“, schildert Canbolat. Auf der anderen Seite kommt es in der 220.000-Einwohner-Stadt wie überall in der Türkei zu zahlreichen Entlassungen und Festnahmen. Das betrifft nach den Worten von Canbolat unter anderem den Landrat der Region, den Ordnungsamtschef der Stadt, viele Lehrer und Anwälte sowie hochrangige Mitarbeiter des Oberbürgermeisters der größeren Nachbarstadt Mersin, Burhanettin Kocamaz, der zuvor als langjähriges Stadtoberhaupt von Tarsus oft in Langen zu Besuch war.

„In Gesprächen sind wir übereingekommen, dass es angesichts der Atmosphäre besser ist, den Termin zur Feier der Städtepartnerschaft zu verschieben“, sagt Canbolat. Er selbst fliege privat wie geplant Anfang September nach Tarsus. „Dort werden wir dann sehen, ob sich der geplante Termin noch dieses oder nächstes Jahr nachholen lässt.“

Zum Städte-Treffen an Pfingsten war die Jubiläums-Partnerschaft mit Tarsus bereits in Langen mit der türkischen Abordnung zelebriert worden. Bei einem Fest rund um das „Tor der Freundschaft“ auf der Tarsus-Anlage ging es Mitte Mai hoch her. „Wir waren gerade dabei, für den Gegenbesuch eine offizielle Delegation zusammenzustellen, als die Putschnacht dazwischen kam“, schildert Bürgermeister Frieder Gebhardt. „Allein von uns aus wollten wir den Termin nicht absagen“, sagt er. Nach Rücksprache mit dem dortigen Bürgermeister Sevket Can fasste man aber den gemeinsamen Entschluss, die Feierlichkeiten in Tarsus zu verschieben. „Ausfallen lassen war und ist kein Thema“, sagt Gebhardt. „So wie wir unsere Gastgeber kennen, haben sie viel vorbereitet, es wäre schade, wenn das alles umsonst gewesen wäre.“

Bilder zum Fünfstädtetreffen in Langen

Die Städtepartnerschaft zwischen Langen und Tarsus wird vor allem von den Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereinen mit Leben erfüllt, die in beiden Städten aktiv sind. Sie wurden seinerzeit ebenfalls mit tatkräftiger Unterstützung von Mehmet Canbolat aus der Taufe gehoben.

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