Gemeinsam den Glauben feiern

Nacht der Kirchen in Langen

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Stimmungsvoll illuminiert präsentierte sich das evangelische Petrus-Gemeindehaus in der Bahnstraße bei der Nacht der Kirchen. Dort drehte sich alles um das Reformationsjahr 2017. Außerdem bot sich in netter Bistro-Atomsphäre die Gelegenheit zu Gesprächen.

Langen - „Für das Wort Gottes ist es nie zu spät“, spricht Martin Luther und holt sich noch einen Humpen Bier, um mit seinen Studenten weiter zu philosophieren – gerne auch bis in die Nacht hinein. Von Sina Gebhardt 

Und genau darum geht es auch bei der Langener Nacht der Kirchen: Gemeinsam feiern, einander begegnen und sich vielleicht bei einem Glas Wein zwanglos austauschen. Zum inzwischen vierten Mal seit 2007 sind die katholischen und evangelischen Kirchen „Lange(n) offen“ und luden am Samstag Besucher zum Verweilen, Mitmachen und Lauschen ein. Zur im doppelten Sinne vorgerückten Stunde um 19 Uhr klingt das Glockengeläut der sieben Kirchen aus und es beginnt die offizielle Eröffnung, die im Vergleich zu früher um eine Stunde vorgezogen wurde. Doch obwohl es an dem Abend trocken bleibt, lässt der Zuspruch zu wünschen übrig.

Höhepunkt war zum Abschluss einmal mehr die „Nacht der 1 000 Lichter“ in der katholischen Kirche St. Albertus Magnus, die nur durch Kerzen beleuchtet war.

Das stört Martin Luther und Gattin Katharina von Bora nicht: Das Petrus-Gemeindehaus wird anlässlich des bevorstehenden Reformationsjahres 2017 zum Pfarrhaus in Wittenberg, wo das Paar Einblicke in Alltagsleben und Gedankenwelt gibt. „Frauen soll man loben, ob es wahr sei oder gelogen“, scherzt Luther alias Pfarrer Steffen Held, während seine Frau Sandra die Rolle der Katharina übernimmt. Unter dem Motto des Luther- Zitats „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ laden erst die historischen Figuren zum Gespräch, bevor es nach dem Damals ins Heute zum gemeinsamen Diskurs mir Pfarrer Ulrich Neff geht.

Während zumindest eine solide und sich rege beteiligende Besucherzahl den Weg in die Bahnstraße gefunden hat, herrscht etwas weiter noch gähnende Leere: In der evangelischen Johanneskirche gibt es ein vielfältiges Programm für die Jugend mit den Bands ConRay und Löwenblau, Cocktails, kreativer Graffiti-Kunst und sogar einem Wellnessangebot. „Mach für andere, was du selbst gerne haben würdest“, war dabei der Gedanke. Zusammen mit der Gemeindejugendvertretung hat Pfarrerin Christiane Musch den Abend geplant. „Wir hatten bei der Vorbereitung viel Spaß. Die Jugendlichen haben ihre eigenen Ideen eingebracht und den Abend im Prinzip auch alleine organisiert.“

Jede Kirche hat ihr eigenes Profil und deckt einen anderen Bereich ab, sodass eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei ist. Musikalisch-besinnlich geht es in den katholischen Kirchen zu: In der Liebfrauenkirche wird mit der Klinikseelsorgerin Claudia Hesping Singen als Balsam für die Seele entdeckt und ebenfalls zum mehrstimmigen Gesang lädt Nik Myers mit der Taizé-Chorwerkstatt in St. Albertus Magnus ein. Unterdessen findet in Oberlinden das Familienprogramm mit Aktionen für Kinder statt. Gespannt lauschen die Kleinsten in der Martin-Luther-Kirche Pfarrerin Susanne Alberti, die ihnen mit bunten Bildern die Schöpfungsgeschichte näher bringt, während die Großen sich draußen unter freiem Himmel bei Snacks und Getränken unterhalten.

Konzert zum Jubiläum: St.Cäcilia leuchtet

In die Rollen von Martin Luther und Katharina von Bora schlüpften Pfarrer Steffen Held und und seine Frau Sandra. Das Ergebnis war ein überaus amüsantes Zweigespräch.

Aber auch hier ist die Resonanz nicht überwältigend. „Es war gut, aber es hätten mehr Besucher sein können“, bestätigt Held, seit zehn Jahren in Langen und damit bei bislang jeder Nacht der Kirchen dabei. „Anfangs war eine große Motivation da, die aber scheinbar nachgelassen hat. Dabei ist so ein Abend wunderbar, um gemeinsam zu feiern.“ Und gerade das stehe auch im Vordergrund: Sich unabhängig von Konfession auf Augenhöhe zu begegnen und wie selbstverständlich zusammen den Glauben zu feiern. „Wir sind wie eine Familie“, beschreibt es Held. „Unsere Verschiedenheit gehört dazu, aber es gibt auch genug Überschneidungen, gerade was unser christliches Handeln angeht.“

Wie gewöhnlich ist der ökumenische Gottesdienst, die „Nacht der 1 000 Lichter“ in St. Albertus Magnus, der Höhepunkt. Der nur von Kerzen erhellte Raum erzeugt eine stimmungsvolle Atmosphäre, die durch das Spiel am E-Piano von Myers bereichert und durch das gemeinsame Singen festlich und besinnlich wird. Zusammen erteilen die Pfarrer Neff und Held Gottes Segen und entlassen die Besucher entweder auf den Heimweg oder in die anschließende „Gute Nachtkirche“. Denn die Nacht ist zum Veranstaltungsende gegen 22.30 Uhr noch jung und klingt bei Speis und Trank im Pfarrsaal aus.

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