Neuer Bebauungsplan

Neustart für das Einkaufszentrum Oberlinden

+
Trostlos: Im Einkaufszentrum Oberlinden gibt es schon lange kaum noch Möglichkeiten zum Einkaufen. Doch das könnte sich ändern, wenn die Stadtverordneten dem Bebauungsplanentwurf zustimmen.

Langen - Vor fünfeinhalb Jahren begannen die Verhandlungen, jetzt sollen für das Einkaufszentrum Oberlinden endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Der Magistrat hat einen beschlussreifen Bebauungsplan vorgelegt, der den Mittelpunkt des Stadtteils neu beleben und wieder zu einem echten Zentrum machen soll: mit Einzelhandel, Arztpraxen, Gastronomie, einem adretten Innenhof und mehr Wohnungen. Der Ist-Zustand ist bekannt: Die Bezeichnung Einkaufszentrum vermittelt einen völlig falschen Eindruck von dem, was am Ende von Farn- und Anemonenweg noch anzutreffen ist. Stadt und Eigentümer waren vor Jahren angetreten, um den Zustand zu verbessern. Dass es so lange dauerte, bis nun ein Bebauungsplanentwurf vorliegt, ist einerseits einem Eigentümerwechsel (Vererbung) geschuldet. Andererseits hatte es gegen die ersten Pläne massive Widerstände von Anwohnern gegeben, die sich zu einer Initiative zusammenschlossen. Mittlerweile haben Magistrat und die beiden Eigentümer über die Einzelheiten der Planung Einigkeit erzielt. Berücksichtigt wurden dabei die Ergebnisse eines Mediationsverfahrens, das die Stadt 2012 eingeleitet hatte. Mit am Tisch saßen damals die Anwohnerinitiative und die Eigentümer, „die am Ende bei der Aufstockung der Gebäude mit Wohnungen deutliche Abstriche machten“, wie der Magistrat mitteilt. Demnach fällt ein Staffelgeschoss weg, damit benachbarte Grundstücke nicht verschatten und weniger Stellflächen für Autos nötig werden.

Inzwischen sei auch ein letzter noch strittiger Punkt ausgeräumt worden, nämlich die Frage nach den Anwohner-Parkplätzen. Nach Angaben von Bürgermeister Frieder Gebhardt müssen die Nachbarn keinen Verzicht üben. Zwar fallen etwa 15 öffentliche Parkplätze am Ende von Farn- und Anemonenweg weg, um die Wendemöglichkeiten zu erhalten. Die Eigentümer des Einkaufszentrums würden sich jedoch dazu verpflichten, genau diese Zahl auf ihren eigenen Grundstücken zu schaffen und wieder für die Anwohner zur Verfügung zu stellen. Der mögliche Verlust eben dieser Parkplätze war ein wesentlicher Punkt in insgesamt 16 Stellungnahmen, die nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans von privater Seite eingegangen sind. Einige Anwohner befürchteten zudem, dass es durch die Aufstockung zu Verschattungen ihrer Grundstücke kommen könnte. Diese seien im Einzelfall aber allenfalls nur sehr geringfügig und deshalb hinnehmbar, heißt es dazu in der Abwägung durch den städtischen Fachdienst Bauwesen, Stadt- und Umweltplanung. „Das ist durch gleich zwei Gutachten belegt“, sagt der zuständige städtische Fachbereichsleiter Carsten Weise.

Es sei höchste Zeit, dass jetzt gehandelt wird, findet Bürgermeister Frieder Gebhardt: „Denn das Einkaufszentrum befindet sich schon länger in einem recht traurigen Zustand. Die meisten Läden sind geschlossen. Die damit einhergehende Verödung droht zum Problem des Stadtteils zu werden.“ Andererseits habe ein neutrales Gutachten nachgewiesen, dass die angrenzenden Reihenhausgrundstücke durch die Revitalisierung an Wert gewinnen.

Archivbilder:

Bilder: Wasserrohrbruch in Oberlinden

Entstanden ist das Einkaufszentrum in den 1960er Jahren, als in den meisten Wohnungen in der damaligen Modellsiedlung Oberlinden junge Familien lebten. Heute benötigen die Bewohner eine seniorengerechte Infrastruktur, wissen die Verantwortlichen im Rathaus: „Manche wollen eventuell in kleinere Wohnungen umziehen, ohne ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Für sie ergeben sich durch die vorgesehene Entwicklung neue Perspektiven, denn der Bebauungsplan macht den Weg dafür frei, dass die ein- und zweigeschossige Randbebauung im Norden und Westen teilweise auf drei Geschosse erhöht werden kann und zusätzliche Wohnungen entstehen.“ Mindestens die Hälfte solle barrierefrei gestaltet werden. Gebhardt weist noch einmal darauf hin, dass die Eigentümer bereit sind, zu investieren – allerdings nur, wenn es sich für sie wirtschaftlich rechne. Dafür liefere der Bebauungsplan die Grundlage.

60 Prozent der Erdgeschossfläche sind für eine gewerbliche Nutzung bestimmt. In den früheren Supermarkt könnten Ärzte, Krankengymnasten und eine Apotheke einziehen. Entsprechende Nachfragen liegen der Stadt vor. Ansonsten ist Einzelhandel und Gastronomie vorgesehen. Dadurch könne das Einkaufszentrum endlich wieder seinen Zweck erfüllen, betont Gebhardt. Die sich aktuell ergebenden Chancen müssten genutzt werden, gerade auch im Sinne der sehr vielen älteren Bewohner, für die kurze Wege zur medizinischen Betreuung und zum Einkaufen ein Segen seien. Falls die Stadtverordnetenversammlung am 13. Oktober grünes Licht gibt, können die Eigentümer ihren Bauantrag stellen und ihr Vorhaben umsetzen. Erstmals beraten wird der Bebauungsplan im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr am 21. September.

Kommentare