Umgestaltung soll Aufenthaltsqualität erhöhen

Neues Gesicht für den Keßlerplatz

+
Aktuell ist von einem Platzcharakter wenig zu bemerken: Am Keßlerplatz dominieren die Autos, sowohl die fahrenden als auch die parkenden.

Langen - Er ist einer der großen Verkehrsknotenpunkte in der Innenstadt: Der Bereich, wo sich Bahn- und Friedrichstraße treffen, wird von den meisten Langenern als nicht mehr wahrgenommen denn als Kreuzung. Dabei ist es eigentlich ein Platz: der Keßlerplatz. Von Markus Schaible 

Der Magistrat will ihn nun auch sichtbar wieder zu einem solchen machen. Wer einem Ortsfremden beschreiben will, wo er hin muss, würde mit ziemlicher Sicherheit „Kreuzung Bahn- und Friedrichstraße“ sagen. Auf die Idee, ihn zum Kesslerplatz zu schicken, kämen wohl nur die Wenigsten. Und dann hätte der Fremde sicherlich Probleme, weil er ja nach einem Platz sucht – aber keinen findet. Der Keßlerplatz ist aktuell ein Knotenpunkt, der vom fließenden, aber auch vom ruhenden Verkehr dominiert wird. Der Bereich ist zwar etwas weitläufiger als eine normale Kreuzung, es gibt den Keßlerbrunnen – Namensgeber ist im Übrigen der Gründer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Friedrich Keßler (1843 bis 1917) – sowie kleinere Grünflächen. Zum Verweilen lädt das Areal aber kaum ein.

Doch das soll sich ändern. Der städtische Fachdienst Bauwesen, Stadt- und Umweltplanung hat ein Papier erarbeitet, das auf der Vorplanung eines Darmstädter Fachbüros basiert und vom Magistrat positiv beschieden wurde. „Es ist ein Ort, der wichtig ist für das Funktionieren der Innenstadt und künftig noch wichtiger wird als Verknüpfung hin zum geplanten Quartierszentrum Liebigstraße“, sagt Fachdienstleiter Simon Valerius. Ziel der Planung sei es, dem Keßlerplatz ein völlig neues Gesicht zu geben. „Wir wollen dabei einen deutlichen Schwerpunkt auf Fußgänger und Radfahrer legen“, sagt Valerius. Das sei heute ganz anders: „Gerade in den Abendstunden wird die Kreuzung gerne von Autofahrern genutzt, um die Kurvenlage ihrer Fahrzeuge zu testen.“ Zudem diene der Keßlerplatz hauptsächlich als Parkplatz.

Fußgänger dagegen müssen bis hinter die Marienstraße laufen, um auf Zebrastreifen heil über die Straße zu kommen. „Das ist eine unbefriedigende Situation, die wir durch die Umgestaltung ändern wollen“, betont auch Bürgermeister Frieder Gebhardt. Ziel dabei sei es zwar, möglichst viele Parkplätze zu erhalten. Ein Hauptaugenmerk aber liege auf der Übersicht und der Verkehrssicherheit. Erreicht werden soll das durch eine Verlegung der beiden Einmündungen der Bahnstraße in die Friedrichstraße. Sie würden dann nicht mehr wie jetzt gerade aufeinander zulaufen. Vor Sparkasse und Apotheke (Nordseite) wollen die Planer mehr Raum für Fußgänger gewinnen. Auf der anderen Seite soll der Keßlerplatz attraktiv gepflastert und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet werden. Der gleichnamigen Brunnen soll wieder in den Mittelpunkt gerückt werden.

„Im Idealfall siedelt sich dort ein Straßencafé an und bildet einen neuen Treffpunkt“, sagt Gebhardt. Profitieren würden auf jeden Fall die umliegenden Geschäfte, denn je einladender die Ecke sei, desto mehr Fußgänger und damit potenzielle Kunden wären dort unterwegs. Taxiert ist die gesamte Umbaumaßnahme auf etwa eine Million Euro. Die Finanzierung wäre zu einem erheblichen Teil durch Fördermittel aus dem Programm „Stadtumbau in Hessen“ gesichert. Daraus kann die Stadt noch bis zu 600.000 Euro für die Aufwertung der „westlichen Stadtmitte“ abrufen. Allerdings gibt es ein Verfallsdatum, und zwar den Herbst 2018.

Kennen Sie die Wahrzeichen und ihre Städte?

Der Magistrat drückt deswegen aufs Tempo, zumal ein weiterer Faktor hinzukommt: die Sanierung der Brücke über die Bahnlinie, die Südliche Ring- und Mörfelder Landstraße verbindet, die für Mitte eben dieses Jahres terminiert ist. Und bis dahin sollte die Umgestaltung des Keßlerplatzes unter Dach und Fach sein, weil durch die Brückenbaustelle der Verkehr über die Friedrichstraße umgeleitet wird und deshalb dort nicht zeitgleich weitere Arbeiten für Hindernisse sorgen dürfen. In die eigene Tasche muss die Stadt allerdings auch greifen: Schätzungsweise 350.000 Euro müsste sie aufbringen. „Aber Fakt ist, dass wir dafür einen enormen Mehrwert erhalten“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt, „nämlich eine deutliche Aufwertung im Umfeld des Bahnhofs, das durch das künftige Wohngebiet Liebigstraße erheblich an Bedeutung gewinnt.“ Der Keßlerplatz sei das verbindende Element zwischen Kaufhaus Braun, Bahnstraße und dem Quartierszentrum schräg gegenüber dem Bahnhof mit Einkaufszentrum, Hotel und Wohnungen. Ihm komme deswegen ein besonderes Gewicht bei der Stadtgestaltung zu.

Der Planungsentwurf liegt dem Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr am Mittwoch, 21. September, zur Beratung und der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 13. Oktober, zur Beschlussfassung vor. Beide Sitzungen beginnen um 20 Uhr im Rathaus.

Kommentare