„Nur zusammen sind wir stark“

Seniorenhilfe feiert 20-jähriges Bestehen

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Tag der Freude nebst hohem Besuch in Langen (von links): Ministerin Ursula von der Leyen, Mütterzentrums-Vorsitzende Monika Maier-Luchmann sowie von der Seniorenhilfe Else Steiger (Büro/Gründungsmitglied) und Vorsitzender Alfred Lorenz (†) bei der offiziellen Eröffnung des Mehrgenerationenhauses ZenJa im Dezember 2006. Zehn Jahre zuvor entstand die Schwarz-Weiß-Aufnahme unten, auf der Lorenz das Mitglied Nummer eins der Seniorenhilfe, Ex-Bürgermeister Dieter Pitthan (seit 2009 Ehrenmitglied), begrüßt.

Langen - „Helfen, wo Hilfe gebraucht wird – Bürger helfen Bürgern!“ Unter diesem Motto wurde die Langener Seniorenhilfe (SHL) anno 1996 aus der Taufe gehoben. Von Holger Borchard 

Heute ist sie einer der größten Vereine der Stadt mit rund 1 400 Mitgliedern, gehört zu Langen wie der Ebbelwoi und feiert am morgigen Donnerstag 20. Geburtstag. Morgen Nachmittag wird die Stadthalle wieder richtig voll besetzt sein, dabei lockt weder Musik noch Spitzentheater, sondern „nur“ eine Akademische Feier. Jede Menge gesprochene Worte stehen in Aussicht, aber langweilig wird’s trotzdem nicht. Dafür sorgen eine Ausstellung im Foyer über die Aktivitäten der Seniorenhilfe-Gruppen, der neue, zehnminütige Imagefilm des Vereins sowie musikalische Beiträge von Musikschülern. Und nicht zuletzt erwartet das „Geburtstagskind“ eine Gütesiegel-Verleihung durch den Kreis Offenbach. Mit dabei sein wollen viele. „Wir haben mehr als 400 Zusagen von Gästen für diese Feier“, verrät die stellvertretende Vorsitzende Gerlinde Krumm.

„Ins Leben gerufen zur Unterstützung älterer Bürger, ist die Seniorenhilfe heute eine Erfolgsgeschichte, die Jung und Alt verbindet“, konstatiert Bernhard Knerr. Er ist seit 2011 Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, dem jeder schon mit einem Jahresobolus von zehn Euro beitreten kann. „Unser Verein ist ein Ort der Begegnung mit vielen Aktivitäten und Hilfsangeboten“, sagt Knerr. Ein Grund für die gute Akzeptanz liege im Konzept, mit freiwilligen Helfern vielfältige Angebote und Unterstützungsleistungen anzubieten und Menschen zusammenzubringen. „Das ausgedehnte Netzwerk fördert Beziehungen, Freundschaften und aktive Teilhabe, auch im fortgeschrittenen Alter. In diesem Sinne möchten wir zum 20. Geburtstag die Erfolge, die Leistungen und die tatkräftige Unterstützung der Mitglieder gemeinsam feiern.“

Wissen und Erfahrungen in einem selbst gewählten Bereich einzusetzen, neue Menschen kennenzulernen und den zeitlichen Rahmen selbst bestimmen zu können sind Vorteile des bürgerschaftlichen Engagements. „Für jede geleistete Hilfe werden dem Helfer Punkte auf seinem Konto gutgeschrieben. Die kann er jederzeit einlösen, wenn er selbst Hilfe braucht, wiederum gegen Hilfe oder ein Angebot aus unseren Aktivitäten“, verdeutlicht der Vorsitzende das genossenschaftliche Prinzip.

Mitglieder, die keine Punkte „erarbeiten“, erhalten die Hilfeleistungen der SHL gegen einen sehr geringen Kostenbeitrag. Die Hilfsangebote reichen von Besuchsdiensten über Begleitung zum Arzt, Reparaturhilfen, Tierbetreuung, Erledigungen mit dem Pkw bis zu generationsübergreifenden Projekten wie Lese- oder Musikpaten in fast allen Langener Grundschulen und Betreuung von Jugendlichen durch „Paten“ beim Berufseinstieg. Nicht minder bedeutend, sozusagen der gesellige „Kitt“, der Vereinszusammenhalt schafft, sind die vielfältigen Gruppenaktivitäten von gemeinsamer Gartenarbeit über Radfahren, Wandern und anderen Sport bis hin zu Museumsgruppe und Sonntagscafé.

„Nur zusammen sind wir stark!“ Noch eine Devise, die die Seniorenhilfe sich zu eigen macht. „Unser Erfolg basiert nicht zuletzt auf der aktiven Vernetzung mit anderen Langener Organisationen wie Mütterzentrum, Arbeiterwohlfahrt, städtisches Seniorenzentrum Haltestelle, Vereine oder Schulen“, weiß Knerr. Die 20-jährige Geschichte der Seniorenhilfe ist so ereignisreich, dass an dieser Stelle nur Schlaglichter herhalten können:

  • Neun „Senioren“ heben den Verein im August 1996 aus der Taufe und stellen ihn interessierten Einwohnern im Treff Nordend vor. Bürgermeister Dieter Pitthan meldet sich spontan an, wird Mitglied Nummer eins. Die Seniorenhilfe wächst kräftig, noch im September wird das 150. Mitglied begrüßt.
  • Am 19. Juni 1997 ist die Stadthalle Schauplatz der ersten Mitgliederversammlung. Jene wählt Alfred Lorenz zum Vorsitzenden und Wolf Dieter Kranich zu seinem Stellvertreter. (Beide Gründungsmitglieder sind leider bereits verstorben).
  • 2001 wird dem Verein die Gemeinnützigkeit zuerkannt.
  • 2002 bis 2004: Erste Weichenstellung im Rahmen der „Lokalen Agenda 21“ für ein Mehrgenerationenhaus in enger Kooperation mit dem Verein Mütterzentrum Langen
  • 2005/06: Bau und Bezug des Zentrums für Jung und Alt (ZenJA). Baustart am 25. Juli 2005, zum Jahresende ist der Rohbau fertig. Am 24. April 2006 wird das neue Domizil in der Zimmerstraße 3 bezogen – genau zum zehnjährigen Seniorenhilfe-Bestehen. Anfang Dezember folgt die offizielle Einweihung. Bundesministerin Ursula von der Leyen verleiht dem ZenJA das Prädikat Mehrgenerationenhaus.

„Mit dem Mütterzentrum ergänzen wir uns prächtig. Unser ZenJA war eines der ersten Mehrgenerationenhäuser überhaupt und das erste in Hessen“, merkt Bernhard Knerr an. „Heute gibt es in Deutschland circa 500 solcher Einrichtungen.“ Auch mit Preisen wurde der Verein ausgezeichnet. So wurde dem Projekt „Paten für den Berufseinstieg“ 2009 der Hessische Integrationspreis zuerkannt. Im Dezember 2014 erhielt die Seniorenhilfe den Deutschen Bürgerpreis in der Kategorie „Alltagshelden“.

Bilder: Ebbelwoifest in Langen

Und was gehört zu guter Letzt zum guten Ton bei jeder Feier? Die Danksagung. „Es waren und sind so viele, die die Seniorenhilfe in 20 Jahren immer wieder unterstützt haben“, sagt Knerr. „Da fange ich gar nicht erst mit dem Aufzählen an und entschuldige mich von vornherein bei denen, die ich am Donnerstag vielleicht vergessen werde – es ist keine böse Absicht.“ Über zwei Jahrzehnte Seniorenhilfe waren schätzungsweise 2 700 Menschen Mitglied der Seniorenhilfe, hält Knerr eine letzte imposante Zahl parat. „Wollte man bloß die aktuell aktiven Mitglieder nennen, müsste man fast 400 Namen aufzählen und hätte dann noch nicht einen aus früheren Zeiten erwähnt.“

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