Bebauungsplan erhält fast einstimmiges Votum

Oberlinden: Aus Einkaufs- wird Stadtteilzentrum

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Langen - Das marode Einkaufszentrum Oberlinden kann zu einem Stadtteilzentrum mit medizinischem Schwerpunkt werden: Mit breiter Mehrheit beschloss die Stadtverordnetenversammlung den entsprechenden Bebauungsplan. Nur die Linken mochten nicht mitmachen. Von Markus Schaible

Begeisterung sieht anders aus: Obwohl das Parlament mit nur einer Gegenstimme und bei einer Enthaltung (die beiden Linken) den Weg frei machte für die Entwicklung eines Stadtteilzentrum Oberlinden, hätten nicht wenige Kommunalpolitiker gerne etwas anderes erreicht. Letztlich aber fügten sie sich dem, was der städtische Fachbereichsleiter Carsten Weise bereits im Bauausschuss gesagt hatte: Mehr als der – auch mit Hilfe eines Mediationsverfahrens mit Anwohnern und Eigentümern – nun erreichte Kompromiss ist einfach nicht drin.

„Das ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Chance, aus der unbefriedigenden Situation herauszukommen“, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Jörg Nörtemann. Seine Fraktion hatte sich (wie etliche andere Stadtverordnete auch) im Bauausschuss noch enthalten. Der Vorschlag überzeuge die Union nur zum Teil, aber so wie jetzt könne es nicht weitergehen. Das vor etwa 50 Jahren errichtete Einkaufszentrum entspreche einfach von den Flächenangeboten nicht mehr dem, was heute gefordert werde. „Es hat 25 Jahre gut funktioniert, dann begann der schleichende Niedergang. Und heute ist dort eigentlich kein Einkauf mehr möglich.“ Die Oberlindener hätten „sehr schnell gemerkt, wie bequem es ist, sich ins Auto zu setzen und nach Egelsbach zu fahren“.

Dem pflichtete Thilo Kaufmann (Grüne) bei: „Die Bürger in Oberlinden haben mit den Autoreifen abgestimmt, dass sie keine Läden brauchen.“ Die jetzige Planung sei zwar nicht das Nonplusultra, aber die Verwaltung habe ein tragbares Konzept vorgestellt. Es abzulehnen, habe zur Folge: „Verfall der Bausubstanz, Verfall des guten Rufs von Oberlinden, Verfall der Immobilienpreise.“

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Linke-Fraktionsvorsitzende Marianne Wurm lehnt dagegen die Pläne ab. Für sie ist klar: Angesichts der vielen nicht mehr mobilen Senioren sei eine Lebensmittelversorgung unabdingbar – ein kleiner Laden mit einem größeren Markt im Hintergrund, bei dem fehlende Waren bestellt werden können, genüge. „Die Oberlindener sind nicht so gebrechlich, sondern sehr mobil“, widersprach Frank Gottschling (SPD), selbst Bewohner des Stadtteils. Und dass ein Supermarkt, auch ein kleiner, keine Chance habe, sei bewiesen: „Im Nahkauf herrschte immer gähnende Leere. Nur von Mitleidskäufen konnten die nicht überleben.“ Im Übrigen werde der Mittwochs-Markt vor der Martin-Luther-Kirche als Ausgleich sehr gut angenommen. Auch für Gottschling ist klar: „Eine Ablehnung der Pläne hat unabsehbare Folgen für das EKZ und den Stadtteil.“

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Ebenfalls dieser Meinung ist die FDP. Fraktionsvorsitzender Christian Jaensch: „Es muss sich etwas tun und wir können gar nicht anders, als dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Die sehen mit dem Bebauungsplan nun so aus, dass 60 Prozent der Erdgeschossflächen für gewerbliche, medizinische, soziale oder kulturelle genutzt werden müssen. Der medizinische Schwerpunkt soll Arztpraxen, Physiotherapie und Ähnliches umfassen, dazu ist Platz für Einzelhandel und Gastronomie. Zudem ist die Aufstockung der Gebäude für die Schaffung zusätzlichen, barrierefreien Wohnraums möglich. Als Ausgleich für wegfallende öffentliche Auto-Abstellflächen müssen die Eigentümer neue auf ihrem Areal schaffen, die den Nachbarn angeboten werden. Zusätzlich müssen sie die für die Erweiterung erforderlichen Stellplätze schaffen.

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