„Petrus-(B)Engel“ machen Shakespeare alle Ehre

Munterer Reigen um Wirren der Liebe

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Klassische Kost? Sehr gerne! Als Oberon, Titania, Lysander, Hermia, Puck & Co. haben die Nachwuchsdarsteller auf der Bühne ihren Spaß – das Publikum spürt’s von der ersten Minute an.

Langen - Zwei junge Männer, zwei junge Frauen, zwei glückliche Paare – so einfach könnte es sein. Aber nicht bei William Shakespeare. Von Sina Gebhardt 

Nach ihrem Debüt im Dezember mit Dickens‘ Weihnachtsgeschichte führte die evangelische Jugendtheatergruppe „Petrus-(B)Engel“ am Wochenende ihr zweites Stück an zwei Abenden im Petrus-Gemeindehaus auf. Passend zur Jahreszeit fiel die Wahl der Jugendlichen auf die Komödie „Sommernachtstraum“, die mit ihrem Verwirrspiel um Liebesleid und Liebesglück Unterhaltung garantiert. „Lassen Sie sich an Leib und Seele verwöhnen“, fordern Sandra Held und Tess Maurus, unter deren Leitung die zwölf Jungschauspieler seit einem halben Jahr wöchentlich geprobt haben, das Publikum auf. Für Speis‘ und Trank in der Pause ist gesorgt, doch zunächst steht das Seelenfutter mit Shakespeares fantastischem Stück an, mit dem sich die Darsteller im Alter von zwölf und 13 Jahren bewusst gegen reines Kindertheater entschieden haben. „Wir hatten auch Kinderstücke wie den Räuber Hotzenplotz zur Wahl gestellt, aber sie wollten definitiv für ein erwachsenes Publikum spielen“, sagt Held. Mit dem Werk um die Irrungen und Wirrungen der Liebe haben sie fraglos eine erstklassige Wahl getroffen.

Lysander (Julian Held) liebt Hermia (Marleen Wind). Hermia liebt auch Lysander, aber ihr Vater Egeus (Ellen Dittrich) besteht darauf, dass sie Demetrius (Ben Buchwald) heiratet, der zwar in Hermia verliebt ist, aber zuvor Helena (Larika Wobrock) schöne Augen gemacht hat. Die wiederrum ist nun in Demetrius verliebt, der sie aber verschmäht. Kompliziert genug? Wenn nicht, keine Sorge: Es geht ja noch weiter. Denn Elfenkönig Oberon (Leonie Ditterich) mischt sich in die Vierecksbeziehung ein. Ein Liebestrank soll Demetrius dazu bringen, Helenas Liebe zu erwidern, doch Oberons Diener Puck (Rebekka Fleiss, Nico Paatzsch) verwechselt die Männer und verzaubert versehentlich Lysander. Um den Fehler auszubügeln, bekommt auch Demetrius seine Dosis, sodass beide statt in Hermia nun in Helena verliebt sind.

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Im verworrenen Stück den Überblick zu behalten ist schon eine Herausforderung. Für die Jugendlichen kommt eine weitere hinzu: Sie führen es wortgetreu auf. „Wir lieben die alte Sprache“, erklären Maurus und Held; abgesehen davon bringe es den Jungschauspielern auch Vorteile: „Die Versform war zwar ungewohnt, aber durch die Reime fanden die Jugendlichen es leichter, sich die Texte zu merken.“ Schwieriger gestaltete sich die Darstellung der Liebesszenen, die mit pfiffigen Ideen gelöst wurde – so etwa der Darstellung eines Kusses durch ein Pappschild mit entsprechender Beschriftung. „In dem Alter ist das Thema natürlich noch total peinlich“, schmunzelt Held. „Aber die Mädchen waren gelassener und haben den Jungs sehr geholfen. Die Gruppe ist bei den Proben noch mehr zusammengewachsen“, erzählt Maurus.

So ist’s eine positive Überraschung, wie extrovertiert sich die Jungdarsteller auf der Bühne präsentieren – selbige ist ein mit viel Unterstützung der Eltern entstandenes Kunstwerk aus Pflanzen, Stoffen, Lichternetzen und liebevollen Details wie einer Schlange im Paradies. Viele kreative Ideen, wie die wortwörtliche rosarote Brille für die Verzauberten, und die große Motivation der talentierten Jugendlichen machen die Aufführung zu einem Erfolg, mit dem sich sicherlich nicht jede Jugendtheatergruppe messen kann.

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