Samuel Koch in Langen

Das Hoffen auf ein Wunder ist erlaubt

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Samuel Koch und seine Verlobte (und „Buchhalterin“) Sarah Elena Timpe eröffneten die Reihe mit Lesungen unter dem Motto „Glaube, Lesen, Hoffnung“ der Evangelischen Gemeinde.

Langen - „Glaube versetzt Berge“ ist eine beliebte Redensart und sicherlich wahr, sofern man sie nicht zu wörtlich nimmt. Von Sina Gebhardt 

Denn Glaube gibt Kraft und kann deshalb viel bewegen – auch wenn man selbst nicht mehr viel bewegen kann: Samuel Koch ist seit seinem Unfall bei „Wetten, dass?“, der ihm zu trauriger Berühmtheit verholfen hat, gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Das hielt den 28-Jährigen aber nicht davon ab, seine Gedanken frei zu äußern und in seinem inzwischen zweiten Buch „Rolle vorwärts“ niederzuschreiben. Am Donnerstag kamen „Samuel Koch & Friends“ in die Martin-Luther-Kirche und eröffneten die Autorenabende „Glaube, Lesen, Hoffnung“ der Evangelischen Kirchengemeinde.

Eine ruhige Gelassenheit scheint von ihm auszugehen, als Koch in seinem Elektrorollstuhl durch den Gang Richtung Bühne fährt und sein Publikum begrüßt. Dann verschwindet er schon wieder, um es sich gemütlicher zu machen und wird hinterm Vorhang in einen Korbsessel gesetzt. Dass Koch, der allein sieben Angestellte beschäftigt und damit – wie er es mit seinem unerschütterlichen Humor formuliert – einen „nicht unbeträchtlichen Wirtschaftsfaktor“ darstellt, in Begleitung kommt, ist keine Überraschung. Diese Begleitung gestaltet aber auch den musikalischen Rahmen – als die Freunde in „Samuel Koch & Friends“. Wobei sie viel mehr sind: Nämlich sein jüngerer Bruder Jonathan Koch, der Keyboard und Gitarre spielt, und seine Verlobte Sarah Elena Timpe, die als Sängerin und „Buchhalterin“ im wahrsten Sinne des Wortes fungiert.

„Was gibt dir Kraft“, sei wohl eine der häufigsten Fragen, die ihm gestellt werden, so Koch. Für ihn jedoch stelle sich vielmehr die Frage: „Wohin mit meiner überschüssigen Kraft?“ Denn die Zeiten, in denen er zwölf Trainingseinheiten die Woche absolvierte, sind für den Turner vorbei. „Die Aussicht auf mehr treibt mich an“, räumt er dann aber ein und zitiert aus seinem ersten Buch „Zwei Leben“: „Wunder passieren nicht auf Knopfdruck. Aber hoffen ist erlaubt.“ Und wenn den Schauspieler („Sturm der Liebe“) doch seine überraschend positive Lebenseinstellung zu verlassen droht, ruft er sich in Erinnerung, wofür er dankbar ist – und diese Liste ist lang und enthält von geliebten Menschen bis hin zur Mikrowelle alle noch so möglichen wie unmöglichen Dinge.

Samuel Koch stellt Biografie "Zwei Leben" vor

Offen geht er mit seinem Unfall um, diesem Auftritt, bei dem er von Anfang an eigentlich ein schlechtes Bauchgefühl gehabt habe, auf das er besser gehört hätte. In einer Anekdote über einen geplanten Musicalbesuch macht er auf die Unwegsamkeit aufmerksam, denen sich Rollstuhlfahrer stellen müssen und philosophiert dann über den Wert des Menschen, den dieser fälschlicherweise an seiner Nützlichkeit misst. „So stell ich mir Gott vor: Er liebt mich, weil ich bin“, drückt Koch seinen Glauben aus und je mehr man ihm zuhört, desto maßgeschneiderter scheint er für diese „Glaube, Lesen, Hoffnung“-Reihe zu sein – denn sein Glaube an Gott und den Himmel scheint unerschütterlich und gibt ihm Hoffnung: „Was sind schon 50 Jahre auf Erden gemessen an der Unendlichkeit? Aber natürlich habe ich die Hoffnung, sie nicht im Rollstuhl absitzen zu müssen.“

Die Zuhörer zeigen sich tief bewegt von Kochs Person, seinen Gedanken und seiner Einstellung und danken dem sympathischen Schriftsteller bei der offenen Fragerunde zum Ende des zweistündigen Programms vielfach. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch, Kritik zu äußern, gibt es keine Wortmeldungen. Warum auch? Koch drückt seine eigene Meinung aus – und die ist durchaus inspirierend.

  • Die nächste Lesung in der Reihe „Glaube, Lesen, Hoffnung“ findet am Freitag, 8. Juli, im Stadtkirchen-Gemeindehaus, Frankfurter Straße 3b, statt. Michael Kaminski wird dann sein Buch „Pilgern mitten im Leben – Wie deine Seele laufen lernt” vorstellen. Beginn: 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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