Millionenprojekt der Baugenossen

Sanierung des Hochhauses Feldbergstraße

Langen - Bei der Sanierung des Hochhauses Feldbergstraße 35 macht die Baugenossenschaft Langen keine halbe Sachen und blättert dafür über mehrere Jahre rund zehn Millionen Euro auf den Tisch. Von Holger Borchard

Container statt Müllverbrennungsanlage: Die alten Fenster des Hochhauses Feldbergstraße 35 werden zum Weitertransport nach Eisenach ins Recyclingwerk gesammelt.

Wenn dann Bausteine des großen Ganzen besonderen Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Umweltschutz genügen, scheint der enorme Aufwand gerechtfertigt – aktuell beim Austausch von rund 600 Fenstern. Jede Menge Geld und Zeit stecken die Baugenossen in die Modernisierung der Hausinfrastruktur unter energetischen Aspekten – und viel muten sie dabei den Mietern der 105 Wohneinheiten zu, die zeitweilige Unbewohnbarkeit von Teilen ihres Zuhauses in Kauf nehmen müssen. Bis Ende 2017 sollen die umfangreichen Arbeiten an dem mehr als vier Jahrzehnte alten Komplex (Baujahr 1973) abgeschlossen sein. Das Fass zum Überlaufen gebracht und die Millioneninvestition aufs Gleis gesetzt hatte der Winter 2014/15, in dem teils wochenlang die Heizung ausfiel. Die aufwändige Frischzellenkur „betrifft neben der Gebäudehülle die technische Ausstattung und die Verbesserung des Brandschutzes“, fasst Wolf-Bodo Friers, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft, zusammen. „Ziel ist die deutliche Senkung des Energiebedarfs, hin zur Anerkennung als KfW-Energieeffizienzhaus 75.“

Mitte 2015 haben die Bauarbeiter damit begonnen, auf jeder Etage Brandschutztüren und im Keller Brandschutzwände zu installieren, Kernbohrungen auszuführen und die Steigleitungen in den Treppenhäusern zu erneuern. Gegenwärtig werden alte PVC-Fenster, etwa 600 an der Zahl, ausgebaut und durch moderne, energiesparende Kunststofffenster ersetzt. Der Clou: Die Baugenossenschaft und das ausführende Unternehmen Löwe Fenster Löffler (Kleinwallstadt) schmeißen die ausrangierten Fenster nicht auf den (Sonder-)Müll, sondern kooperieren mit den auf Fensterrecycling spezialisierten Unternehmen Rewindo und Veka Umwelttechnik.

Den umweltfreundlichen Kreislauf vom Kleingehackten über Granulat bis hin zum neuen Kern eines Fensterprofils verdeutlicht Rewindo-Geschäftsführer Michael Vetter.

Statt in die Verbrennungsanlage wandern die alten Fenster zunächst auf der Langener Großbaustelle in Container. Anschließend gehen sie per Lkw ins thüringische Eisenach zu einer Recyclinganlage. „Dort erfolgt in mehreren Schritten der technisch hochwertige Wiedergewinnungsprozess“, erläutert Michael Vetter, Geschäftsführer der in Bonn ansässigen Rewindo GmbH. „Verkürzt gesagt, haben wir drei Phasen: Zerkleinerung, Trennung und Granulieren.“ Die PVC-Altfenster werden zunächst geschreddert und weiter zerkleinert. Dann erfolgt in unterschiedlichen Verfahren die sortenreine Trennung in Metall, Gummi, Glasreste und Kunststoff. „Letzterer wird erhitzt und durch einen Filter gepresst, um letzte Fremdpartikel auszusondern“, präzisiert Vetter.

Das zurückgewonnene reine PVC-Granulat ist Ausgangsstoff für neue Kunststofffenster mit Recyclingkern in gleicher technischer Qualität, die einbaufertig ausgeliefert werden. „Das lässt sich mindestens sieben Mal ohne Qualitätsverlust wiederholen“, betont Vetter. Der Recycling-Kreislauf funktioniere somit optimal im Sinne des Erfinders. „Na ja, vielleicht nicht ganz hundertprozentig“, räumt Vetter ein. Denn die Frage, ob Altmaterial aus der Feldbergstraße 35 eben dort wieder verbaut wird, muss er verneinen – dies könne vom Produktionsprozess her nicht hinhauen. „Man muss sich das vorstellen wie in einer Kelterei, wo man auch nicht den hundertprozentigen Saft seiner abgelieferten Äpfel zurückbekommt“, findet der Bonner einen Vergleich, den in der Stadt des Ebbelwoifests jeder prima nachvollziehen kann. Vetters Fazit: „Dieser Kreislauf passt.“

Dass er sich aus Sicht der beteiligten Unternehmen auch finanziell rechnet, davon darf man getrost ausgehen – auch wenn Zahlen und Daten aus dem Geschäftsbericht beim gestrigen Ortstermin auf der Baustelle tabu sind. Nur zwei Größen gibt Vetter gerne preis: Zusammen mit den Recycling-Partnern erreichte Rewindo im vorigen Jahr einen Rücklauf von mehr als 27.000 Tonnen PVC-Regranulat, beziehungsweise rund 1,5 Millionen alten Fenstern.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Wolf-Bodo Friers denkt derweil schon an die nächsten Schritte im Hochhaus, dem größten Einzelobjekt der Baugenossenschaft. „Beginnend in der obersten Etage, dem 14. Stock, werden die neuen Leitungen angeschlossen und parallel die Bäder saniert.“ Den jeweils betroffenen Mietern stelle die Genossenschaft Sanitäranlagen zur Verfügung, für hilfsbedürftige Personen halte man sogar ein Kontingent vorübergehender Ersatzwohnungen bereit. „Das Heizungsproblem war diesen Winter kein Thema mehr“, merkt Friers an. „Allerdings müssen wir eingestehen, dass das veraltete Einrohrsystem nach wie vor für böse Überraschungen gut ist. Dreht jemand im siebten Stock das Warmwasser auf, kann es sein, dass im zweiten Stock das Wasser kalt wird.“ Da konterkariere das veraltete Leitungssystem noch die moderne Wärmelieferung, die das Blockheizkraftwerk gegenüber an der Kreiling-Allee längst gewährleiste.

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