Kontaktaufnahme im lockeren Tonfall

Schüler tasten sich bei „Job & Grill“ an die Arbeitswelt heran

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Platz nehmen und los geht’s – bei „Job & Grill“ geht’s zwischen Ausbildern und Schülern zwanglos zu. Michael Gaidzik (kleines Bild, links, zusammen mit seinem Meister Martin Zapke) warb etwa mit seinem Meisterstück, einen aufwändig gravierten Stempel mit Lokalkolorit, für die Schoder GmbH.

Langen - Grillen, Musik hören und Jobperspektiven erörtern ist nichts, was sich gegenseitig ausschließt. Bei der vierten Auflage von „Job & Grill“ der Stadt tummeln sich etliche Ausbilder und Schulabgänger, um sich auf Augenhöhe zu begegnen. Von Timo Kurth 

Dieses Jahr war die Veranstaltung für Adolf-Reichwein-Schüler erstmals verpflichtend. Während in den Realzweigen gerade alle Abschlussprüfungen geschrieben worden sind, haben die meisten Abiturienten mit den mündlichen Prüfungen noch eine letzte Hürde zu nehmen. Doch was danach? Wo geht die Reise beruflich hin, nachdem man aus dem wohlbehüteten Schulnest gefallen ist? Diese Frage beschäftigt Schulabgänger alle Jahre wieder. Mit der Veranstaltung „Job & Grill“ im Jugendzentrum soll der fließende Übergang von Schule zu Beruf besser klappen. In lockerer Atmosphäre kommen Unternehmer der Umgebung und junge Menschen miteinander ins Gespräch. Die zwanglose Möglichkeit zur Kontaktaufnahme hat sich bereits in den Vorjahren bewährt und vielen Jugendlichen zum Berufseinstieg verholfen.

„Wir haben bewusst Firmen angesprochen, die noch offene Stellen zu vergeben haben“, erklärt Mathias Hütter, der die Veranstaltung als Berufswegebegleiter der Stadt gemeinsam mit der Koordinationsstelle Jugendarbeit organisiert. „Wenn man sich beeilt, kann man sogar noch für dieses Jahr etwas finden“, sagt er mit Blick auf den bevorstehenden Ausbildungsstart am ersten September.

Ob Ausbildungsplatz, Praktikum oder duales Studium – es finden sich Einstiegsmöglichkeiten für jeden Geschmack. „Darum geht es: Türen zu öffnen“, so Hütter engagiert. Ein Angebot, dass an diesem Abend breite Zustimmung findet. Sehr viele Jugendliche haben sich bei lauter Musik zwischen den Bänken vor dem Juz-Komplex eingefunden. Die vierte Auflage ist so gut besucht wie noch keine zuvor, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie für Reichwein-Schüler erstmals verpflichtend ist. „Ich empfinde die Veranstaltung aber deshalb nicht als demotivierend“, meint Schüler Lukas Heck. „Im Gegenteil: Es ist spannend zu sehen, was nach dem Abschluss alles möglich wäre.“

Das Veranstaltungkonzept wird auch auf Unternehmerseite geschätzt: Vertreter von rund 20 ganz unterschiedlichen Firmen und Institutionen sind bei der kommunikativen Grillparty mit von der Partie: Lidl- und Stadthalle-Mitarbeiter sitzen neben Entsandten der Deutschen Bank und des Abwasserverbands. „Viele denken ja, dass die Deutsche Bank nur aus spießigen Bankleuten besteht, die den Schlips eng tragen“, gibt Thomas Hassdenteufel, Langener Filialdirektor der Deutschen Bank, lachend zum Besten. „Das schreckt viele von unseren vielfältigen Ausbildungsangeboten ab – und diesem Trend möchten wir gerne entgegenwirken.“ Nebenan, am Stand der Bundeswehr, ist der Tenor ähnlich; „Was für Möglichkeiten man im Zuge eines Wehrdienstes bekommt, ist vielen leider immer noch nicht bekannt“, sagt Feldwebel Sebastian Förster beim Gespräch mit interessierten Jugendlichen. „Auch beim Bund lässt sich beispielsweise mittlerweile eine große Bandbreite an Studiengängen absolvieren – sogar Medizin“, so der Berufssoldat.

Bilder: Abiball des Adolf-Reichwein-Gymnasiums

Junge Berufstätige, die als Beispiel für erfolgreich zurückgelegte Ausbildungswege taugen, gibt es an diesem Tag natürlich ebenfalls. Etwa Michael Gaidzik, der am Stand der Schoder GmbH seine Erfahrungen teilt. Der 28-Jährige ist in seinem Alter bereits frisch gebackener Graveurmeister und obendrein Ausbilder. „Vor genau zehn Jahren habe ich nach dem Realschulabschluss meine Ausbildung bei Schoder begonnen“, berichtet er – und ergänzt mit einem Fingerzeig auf das Sortiment vor sich: „Jetzt habe ich mein Meisterstück fertiggestellt.“ Dass da ein Langener am Werk war, ist nicht zu übersehen. Gaidziks persönlich gefertigte Kennzeichnungsstempel aus Stahl tragen ortsübliche Symbole wie das Stadtlogo oder das Schloss Wolfsgarten. Bereits seine Gesellenarbeit war in ähnlicher Weise mit seiner Heimat verbunden. „Damals habe ich eine Gravur für einen Fußballpokal angefertigt, der vom FC Langen dann bei einem Turnier vergeben wurde“, erzählt der Neu-Graveurmeister mit Fußball-Vergangenheit in Oberlinden. „Ich möchte die jungen Menschen hier ermutigen, an sich zu glauben und ein Ziel vor Augen zu haben“, so Gaidzik. „Denn ich habe den Weg, den ich vor zehn Jahren eingeschlagen habe, nie bereut.

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