Aus für Säuglings- und Kinderkurse in der Erich-Kästner-Schule

Tage der Schwimmschule gezählt

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Noch ist fast täglich viel Betrieb im Therapiebecken der Erich-Kästner-Schule. Nach den Ferien werden die Schwimmschüler und ihre Eltern als externe Nutzer draußen bleiben müssen.

Langen - Die Tage der RMW-Aqua-Schwimmschule im Wasserbecken der Erich-Kästner-Schule sind gezählt. Von Cora Werwitzke 

Noch bis zu den Ferien läuft der Vertrag mit dem Kreis, danach muss das seit 15 Jahren bestehende private Angebot für Kinder ab zwei Monaten bis sechs Jahren gezwungenermaßen eingestampft werden – zum Leidwesen der Eltern. „Wir sind alle bestürzt“, fasst Tanja Demuth die Stimmung unter den Familien zusammen, die mit ihren Kindern regelmäßig zum pädagogischen Frühschwimmen ins 33 Grad warme Wasser steigen. Im Umkreis gebe es keine adäquate Alternative. Rund 200 Kinder – von Säuglingen bis zu Abc-Schützen – werden 14-tägig betreut. Aktuell bietet Kursleiterin Roswitha Müller-Werner im Schwimmpavillon der Kästner-Schule an vier von fünf Wochentagen Kurse an. Seit 15 Jahren ist Langen ein Standort ihrer Schwimmschule, ältere Kinder und Jugendliche betreut sie darüber hinaus im hiesigen Hallenbad.

Das bevorstehende Aus hat eine komplizierte Vorgeschichte. Zum einen gilt die Erich-Kästner-Schule bereits seit diesem Schuljahr als Ganztagsschule des Profils drei – demnach ist das Becken inzwischen bis 15.30 Uhr der Schule vorbehalten. „Deshalb haben wir unseren Kursumfang schon etwas reduziert“, berichtet Müller-Werner. Generell sei es für sie aber kein Problem, erst ab 15.30 Uhr zu starten. Schwerer wiegt, dass sich das Mütterzentrum als Vertragspartner zurückgezogen hat und Haftungsfragen im Raum stehen. „Im Dezember hat eines unserer älteren Kinder aus Nervosität groß ins Becken gemacht“, berichtet Müller-Werner vom Ausgangspunkt der Querelen. Das Wasser musste daraufhin abgelassen und das Becken neu befüllt werden. „Wir haben sofort alles geklärt – für solche Fälle haben wir eine Haftpflichtversicherung“, sagt die Schwimmleiterin. Der einmalige Vorfall „weckte“ dennoch Mütterzentum, SKE Schul-Facility-Management GmbH und Kreis.

Mit dem Mütterzentrum hatte die Schwimmschule einen Kooperationsvertrag, der zurück aus der Anfangszeit 2001 datiert. „Dort bekam man Angst, dass Zahlungen an ihnen hängen bleiben könnten“, schildert Müller-Werner. In ihren Augen unbegründet. Doch die Frauen, mit denen sie damals den Vertrag auf die Beine stellte, seien längst nicht mehr da und die „neuen“ Ansprechpartnerinnen hätten ihr ohne viel Zeit zu verlieren zum 1. März den Vertrag gekündigt. „So leid uns das tut, wir haben die Notbremse gezogen, um Auflagen und etwaigen Regressansprüchen zuvor zu kommen“, bestätigt Iris Jarschel vom Mütterzentrum.

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Da das Frühschwimmen beim Kreis bis dato unter der Flagge des Mütterzentrums firmierte, kam das Angebot auch dort auf den Prüfstand. „Die SKE beschäftigt nur bis 16 Uhr einen Hausmeister, man ist der Meinung, es könnte danach etwas passieren – all die Jahre war das nie ein Thema“, berichtet Müller-Werner. Es stelle sich dadurch die Haftungsfrage, die SKE und Kreis dadurch umgehen wollen, dass das Angebot eingestellt wird. Zugute hält die Schwimmlehrerin dem Kreis dabei aber, dass er ihr aus Kulanz erlaubt, die bis zu den Ferien laufenden Kurse noch zu beenden. Kreis-Pressesprecherin Ursula Luh bestätigt, dass die Haftung der wunde Punkt ist. „Die kann nicht an Dritte übertragen werden.“ Es müsse ein in Schwimmbadtechnik geschulter Hausmeister anwesend sein. Das sei hinsichtlich der Dienstzeiten nicht machbar.

Fakt ist, dass das Becken angesichts der nun eingeforderten Auflagen bald nur noch schulintern zur Verfügung steht. „Dabei sind wir die Hauptnutzer“, stellt Müller-Werner die Sinnfrage. Täglich seien es rund 25 Kinder – im Kontrast zu vormittags rund fünf, sechs Schülern, wie aus einer Schwimmbadliste hervorgeht. Mit der RMW-Aqua geht auch ein Mitzahler verloren – „rund 500 bis 600 Euro sind das monatlich“, so die Leiterin. Ins Hallenbad könne sie wegen der Wassertemperatur nicht ausweichen. Dort prophezeit Müller-Werner jetzt schon Kursknappheit, wenn sich ihre Familien nun neu orientieren müssen. Den Protest der Eltern koordiniert Mutter Tanja Demuth. „Wir haben im ZenJA Unterschriftenlisten ausgelegt und wollen eine Online-Petition starten“, sagt sie. Die Unterschriften wollen sie und ihre Mitstreiter im Kreishaus abgeben. „Denn es kann nicht sein, dass die Kleinsten unter dieser Bürokratie leiden müssen – wir hoffen, dass politisch Verantwortliche aufmerksam werden.“

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