Solide Pointen, souveränes Spiel

LKG-Theater schickt Besucher auf lustige Nostalgiereise

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Der Streit zwischen den beiden rivalisierenden Gasthäusern „Lamm“ und „Bella Italia“ eskaliert in der höchst vergnüglichen Komödie „Liebe am Suppentopf“. 

Langen - Mit dieser Komödie gelang der Theatergruppe der LKG damals der Durchbruch: „Liebe am Suppentopf“. Das Erfolgsstück von Dieter Salzbrunn ist inzwischen 20 Jahre alt, wird aber für dieses besondere Jubiläum aus der Versenkung geholt. Von Sina Gebhardt 

Im 25. Jahr des Bestehens wird es von dem engagierten Laienensemble erneut auf die Bühne der Stadthalle gebracht – die Premierenaufführung am Samstag ließ sich kein treuer Fan entgehen. Es ist wie Shakespeares „Romeo und Julia“ – nur anders: Zwei rivalisierende Gasthäuser, das „Lamm“ von Koch Thomas Pfahl (Bernd Hiller) und Gattin Martha (Heidi Staubach) und das „Bella Italia“ von Antonia Strohmer (Dagmar Schneider) und Koch Giovanni (Joachim Sallwey), stehen sich am Vierröhrenbrunnen gegenüber.

Das junge Liebespaar, das gegen die Widerstände seiner Familien ankämpfen muss, ist allerdings alles andere als jung. Denn Julia heißt hier Oma Marie (Monika Sallwey) und Romeo ist der betagte Willibald (Werner Vogelgesang). Der Konflikt wird auch nicht mit dem Schwert, sondern der Suppenkelle ausgetragen, denn die Konkurrenten wollen den Restaurantkritiker der „Schlemmerpost“ überzeugen – und verwechseln prompt Landstreicher Konrad (Fred Laloi) mit Testesserin Iris Eglich (Michaela Passmann). Ein Fehler, den Salzbrunn anders als Shakespeare nicht mit dem Tod bestraft.

Als der Vorhang sich öffnet geht ein „Ah“ durch die Reihen: Das LKG-Schottenteam hat wieder ganze Arbeit geleistet. Da prangt der Brunnen im Zentrum, um den zwei Gasthäuser mit liebevoll dekorierten Fenstern, Markise und passender Sitzgarnitur angeordnet sind. Sogar bei den Laternen rechts und links des Bühnenbildes wurde Wert aufs Detail gelegt. Vor dem „Bella Italia“ erstrahlt die Lampe in den Farben Italiens mit einer roten, grünen und weißen Glühbirne – gut, letztere scheint allerdings abhanden gekommen zu sein, aber der Gedanke zählt.

Das Ensemble ist gut aufgelegt, nicht zuletzt stehen hier auch einige alte Hasen auf der Bühne: Sowohl Heidi Staubach als auch die „Grande Dame des LKG-Theaters“, Monika Sallwey, sind seit den Anfängen 1992 mit dabei – Erfahrung, die sich im souveränen Spiel bemerkbar macht. So weiß Sallwey ihre Pointen als Teil des nicht mehr ganz so jungen Liebesglücks perfekt in Szene zu setzen: „Wenn eine alte Scheune brennt, dann lichterloh.“ Anders ist es da bei Hiller, der seine Premiere auf den Brettern hat und dessen Nervosität sich hie und da in Textaussetzern niederschlägt. Zur Wiedergutmachung tritt er Souffleuse Rosi Eicher dafür am Ende sein Glas Sekt ab – eine schöne, sehr sympathische Geste.

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Regisseur Felix Fischer, der sich einen kurzen Gastauftritt als betrunkener Kellner nicht nehmen lässt, hat das Stück aktualisiert und manchem Darsteller die Rolle auf den Leib geschrieben: „Ich seh‘ doch höchstens aus, als wäre ich 30 Jahre verheiratet“, verkündet Laloi, der ausgerechnet von seiner Frau Andrea in den herrlich heruntergekommenen Landstreicher verwandelt wurde. Eindeutiger Publikumsliebling des Abends ist aber „Giovanni“ Sallwey. Wenn er mit überschwänglichen Gesten und seinem falschen italienischen Akzent den Konkurrenten als „dickes, deutsches Koch“ beschimpft, jauchzt das Publikum vor Freude.

An die temporeichen, situationskomischen Stücke der vergangene Jahre kommt „Liebe am Suppentopf“ altersbedingt zwar nicht heran, doch es ist ein bedeutungsträchtiges Stück LKG-Geschichte mit soliden Pointen und dem Extra an Nostalgiewert.

Eine weitere Aufführung gibt es am Freitag, 21. Oktober, um 20 Uhr, ebenfalls in der Stadthalle.

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