Ohne Bedenkzeit kein grünes Licht

Antrag zur Umwandlung von Hort- in Kitaplätze abgeschmettert

Langen - In der ersten Sitzungsrunde packen die Stadtverordneten gleich mehrere Themen zur Kinderbetreuung an. Ein zentraler Vorschlag des Magistrats ist es, 40 Hort- in Kitaplätze umzuwandeln. Von Cora Werwitzke 

Im Sozialausschuss erlitt er damit Schiffbruch: Vor den Augen von gut 50 Zuschauern hob kein einziges Ausschussmitglied die Hand für den Antrag. Es muss etwas geschehen, um den Engpass im Kitabereich einzudämmen. Darin sind sich alle einig – Lokalpolitiker, Magistrat, Verwaltung und Gesamtelternbeirat. Doch die Umwandlung von 40 Hort- zu Kitaplätzen und die ebenfalls avisierte Begrenzung städtischer Hortplätze auf Erst- und Zweitklässler kommt als Mittel nicht infrage. Jedenfalls nicht von jetzt auf gleich, wie die Mitglieder des Sozialausschusses am Donnerstagabend mit ihrem einstimmigen Votum gegen den Vorschlag klar machen. Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne) leitet das Thema mit den Worten ein, dass sich Magistrat und Verwaltung die Entscheidung zu dem Antrag nicht leicht gemacht hätten: „Wir haben kontrovers diskutiert.“ Am Ende sei ausschlaggebend gewesen, dass es für Kitaplätze einen Rechtsanspruch gibt und für Hortplätze nicht – „so hart das ist“, schickt Löbig hinterher. Bei begrenztem Personal bliebe keine Wahl als die Ressourcen umzuverteilen, ergänzt Angelika Hirsch-Flügel vom Fachdienst Kinderbetreuung.

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Mangel trotz großer Anstrengungen

Zwei externe Stimmen skizzieren in der Folge, wie sich der Vorschlag in der Praxis auswirken würde: Andrea Bloch bekommt als Vorsitzende des Kita-Gesamtelternbeirats Rederecht, Max Leonhardt im Namen der Schulen und Fördervereine. Während Bloch die Bedenken des Gesamtelternbeirats in Worte fasst, die diese Woche bereits in unserer Zeitung veröffentlicht wurden („Der Antrag ist unausgegoren, wir brauchen eine ganzheitliche Lösung inklusive dem Kreis und den Schulen am Tisch“), befürchtet Leonhardt, dass bei einer Reduzierung der städtischen Hortplätze der Druck auf die von den Fördervereinen gestemmte Schulbetreuung immens steigen wird. „Schon jetzt kümmern sie sich um 522 Kinder, das sind 80 Prozent und 31 Kinder mehr als in der Satzung mit der Stadt vereinbart.“ Die Warteliste umfasse aktuell mehr als 50 Namen – durch die starken Geburtenraten und den Zuzug in Langens Neubaugebiete mit steigender Tendenz. Der Vorstoß der Stadt mache betroffen, „weil wir diese 40 Plätze nicht auffangen können“. Darüber hinaus lenkt Leonhardt die Aufmerksamkeit auf die Frage, ob das frei werdene Hort-Personal denn überhaupt mit den jüngeren Kindern arbeiten wolle. „Viele haben sich nicht umsonst für die Schulkinder-Betreuung entschieden und wir wissen alle, dass Erzieher so gefragt sind, dass sie ganz schnell weg sein könnten.“

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Zum Verdruss des Magistrats wollen die Ausschussmitglieder diese Schilderungen erstmal sacken lassen. „Das ist ein wichtiges Thema, wir wollen darüber etwas intensiver nachdenken“, sagt Grünen-Fraktionschefin Martina Dröll. Auch Monika Hoppe (SPD) und Martina Stock-Nörtemann (CDU) sprechen sich dafür aus, erst mal über die Aufnahmekapazitäten der Fördervereine zu sprechen, ehe die städtischen Hortplätze einfach wegfallen. „Notfalls berufen wir eine Sondersitzung ein“, signalisiert Hoppe dem Magistrat Entgegenkommen, denn Erster Stadtrat Stefan Löbig appelliert an das Gremium, die Entscheidung nicht zu vertagen. „Wir kommen sonst in ein Dilemma bei der bevorstehenden Vergabe der Hortplätze“, begründet er die Eile.

Doch allen voran seine Grünen-Kollegin Dröll pocht darauf, dass man nichts überstürzen dürfe („So geht das nicht, eine gewisse Zeit müsst ihr uns zugestehen.“) und bekommt dabei überfraktionelle Rückendeckung. Als der Magistrat signalisiert, dass ihm selbst eine Ablehnung des Antrags lieber ist, als durch eine Hängepartie bei der Vergabe der Hortplätze in die Bredouille zu geraten, zögern die Ausschussmitglieder nicht, geschlossen gegen den Vorschlag zu stimmen.

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