6,4 Millionen Euro Gewinn anno 2015

Stadtwerke Langen bleiben auf Erfolgskurs

Langen - Die Stadtwerke Langen bleiben auf Erfolgskurs. Für das Geschäftsjahr 2015 steht abermals ein Millionengewinn zu Buche, der vor allem der Stadt Langen als Hauptanteilseigner (75,2 Prozent) und als deutlich kleineres Brötchen der Gemeinde Egelsbach (4,8) schmeckt. Von Holger Borchard 

Wohin die Entwicklung der Energiepreise 2017 gehen wird, ist dem Geschäftsbericht freilich nicht zu entnehmen – das entscheidet sich erst in den kommenden drei Monaten. 6,4 Millionen Euro haben die Stadtwerke anno 2015 erwirtschaftet, das sind stolze 2,6 Millionen Euro mehr als 2014. In ähnlicher Größenordnung von mehr als zwei Millionen Euro freilich bewegt sich der sogenannte Einmaleffekt, der die – erst kürzlich endgültig testierte und vorige Woche vom Aufsichtsrat beschlossene – Jahresbilanz schönt: „Wir haben Rückstellungen aufgelöst“, erklärt Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski.

Wie jede andere seriös wirtschaftende Firma auch habe der lokale Energieversorger in vergangenen Jahren Kapitalrücklagen gebildet, um etwaige unternehmerische Risiken abfedern zu können. „Nachdem diese Risiken nicht mehr gegeben sind, können wir die Rücklagen auflösen – ein einmaliger bilanzbuchhalterischer Effekt auf das Ergebnis, in diesem Fall in Höhe von über zwei Millionen Euro“, so Pusdrowski. Diese Summe außen vor gelassen, bewege sich das Ergebnis 2015 im Bereich des Vorjahres. „Das ist immer noch höchst solide, zumal unsere Eigenkapitalquote bei rund 50 Prozent liegt“, merkt der Stadtwerke-Chef an. „Davon kann eine Deutsche Bank bloß träumen.“

Zum sehr guten Ergebnis beigetragen haben laut Pusdrowski stabile Geschäfte mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser, neue Wärmeprojekte, Beschaffungsverträge mit günstigen Konditionen und nicht zuletzt „konsequentes Kostenmanagement“. Die Leistungsfähigkeit der Stadtwerke freut deren Anteilseigner – neben Langen und Egelsbach sind dies die Entega AG, Darmstadt und die Energieversorgung Offenbach mit jeweils zehn Prozent. Knapp zwei Drittel des Jahresergebnisses (4,4 Millionen Euro) werden als Gewinn abgeführt, die restlichen zwei Millionen wandern in die Rücklage.

So weit, so gut – „aber ein Selbstläufer sind Jahresgewinne von vier Millionen Euro und mehr ganz sicher nicht“, hebt Pusdrowski mahnend den Zeigefinger. „Ich fürchte, wir werden angesichts der nicht besser gewordenen Rahmenbedingungen und der vielen Fallstricke auf dem Energiemarkt in Zukunft kleinere Brötchen backen und mit Gewinnen im Bereich von zwei bis drei Millionen Euro zufrieden sein müssen.“

Den „instabilen energiepolitischen Rahmenbedingungen“ der Energiewende und der sämtliche Geschäftsbereiche übergreifenden Digitalisierung setzen Pusdrowski & Co. eine schlanke und technisch leistungsfähige Unternehmensausrichtung entgegen. „Wir müssen stets in der Lage sein, schnell und flexibel zu reagieren und Geschäftsprozesse ständig zu hinterfragen und zu verbessern“, so des Direktors Credo.

Bei Stillstand droht Rückschritt – vor diesem Hintergrund ließen sich die Stadtwerke Weiterentwicklung auch 2015 viel Geld kosten. Beispiele sind die neue Leitwarte zur besseren Überwachung und Steuerung der Energienetze, die erste Elektrotankstelle in Egelsbach (am Bahnhof), der Wechsel zum neuen, alten Stadtbusbetreiber (Georg Becker GmbH & Co., Langen) sowie die Überarbeitung der Tarife.

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Obwohl das Versorgungsunternehmen seinen Marktanteil bei Strom und Erdgas mit rund 85 Prozent in Langen und Egelsbach halten konnte, sind die Umsatzerlöse um acht Prozent auf knapp 50 Millionen Euro gesunken. Vor allem, weil Lieferverträge mit Strom-Großkunden wie der Deutschen Flugsicherung ausliefen. In die Karten gespielt haben den Stadtwerken hingegen die vergleichsweise kühlen Temperaturen in den Wintermonaten des Jahres 2015. Dadurch erhöhte sich die verkaufte Erdgasmenge um fast zehn Prozent. Der Wettereffekt hat sich zudem positiv aufs Wärmegeschäft ausgewirkt.

Im Fokus des Stadtwerke-Engagements liegen weiterhin die Bereiche Energieeffizienz und regenerative Energien. „Die Stadtwerke sind ein Motor für das Gelingen der Energiewende vor Ort, sie leisten einen erheblichen Beitrag zum Ausbau der klimaschonenden Energieversorgung“, unterstreicht Pusdrowski. „Die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen ist in Langen und Egelsbach 2015 durch den Zubau privater Fotovoltaikanlagen weiter gestiegen.“ Inzwischen speisten 277 Sonnenfänger jährlich rund drei Millionen Kilowattstunden Strom in das Stadtwerkenetz ein – genug, um 700 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen. Auch die Stadtwerke selbst engagieren sich in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Sie besitzen Module im Solarpark Dreieich-Buchschlag und sind an zwei Windparks beteiligt. Der Einstieg beim Windpark Erksdorf an der Seite der Entega AG stellt die größte Einzelinvestition der Stadtwerke Langen im Berichtsjahr dar.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch in den kommenden Jahren wirtschaftlich erfolgreich bleiben“, resümiert der Stadtwerke-Chef. „Ertragskraft, technische Leistungsfähigkeit und die Sicherheit der Arbeitsplätze sind aller Unwägbarkeiten zum Trotz nicht gefährdet.“

„Unsere Stadtwerke sind gesund und haben sehr gut gewirtschaftet“, freut sich Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Frieder Gebhardt.

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