Vorreiter beim Streuobstwiesenschutz

Für Natur, Leib und Seele

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Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (links) ließ sich von Erstem Stadtrat Stefan Löbig und der städtischen Umwelt-Fachfrau Heike Gollnow zeigen, was in Langen alles für den Erhalt der Streuobstwiesen getan wird.

Langen - „In den vergangenen rund 20 Jahren ist hier sehr viel passiert und in Sachen Streuobst ist Langen wirklich eine Vorzeigekommune“, lobt die Erste Kreisabgeordnete Claudia Jäger. Von Sina Gebhardt 

Seit 1998 unterstützt der Kreis Offenbach die Stadt bei der Pflege der kulturhistorisch und naturschutztechnisch bedeutsamen Streuobstwiesen. Nun besuchte Jäger gemeinsam mit Erstem Stadtrat Stefan Löbig sowie Heike Gollnow vom städtischen Referat für Umwelt und Mobilität und Ulrike Schmittner vom Fachdienst Umwelt der Unteren Naturschutzbehörde die Streuobstwiese „Am Springenweg“, um sich von den Früchten des Kooperationsprojektes zu überzeugen.

Apfelwein, Marmelade, Senf, sogar Schnaps – „alles für Leib und Seele“, kommentiert Gollnow die breite Produktpalette unter dem Markenzeichen „Siebenschläfer“, die von den Streuobstwiesen gewonnen und unter anderem im Rathaus verkauft wird. „Es ist wichtig, dass mit den Produkten auch etwas angefangen wird“, betont Jäger und hebt dabei besonders den gut funktionierenden Kreislauf und das Netzwerk in Langen hervor, bei dem der Naturschutz, die Landwirte und auch die Ehrenamtlichen, die bei der Ernte helfen, eine tragende Rolle spielen. Gerade Schulen und Kindergärten profitieren von dem wichtigen Kulturgut, das die Streuobstbiotope darstellen.

Die Pflege, besonders der fachgerechte Obstbaumschnitt, sei jedoch mit großem Aufwand verbunden, so Gollnow. „Deshalb macht es keinen Sinn, eine Wiese instand zu setzen, wenn anschließend die Pflege nicht gesichert ist.“ Umso erfreulicher, dass in den kommenden fünf Jahren weitere Zuschüsse nach Langen fließen sollen – insgesamt rund 175 000 Euro. „Wir sind sehr dankbar für die Fördermittel“, freut sich Löbig über die Unterstützung des Kreises und informiert über die Zukunftspläne: „Der Bestand gepflegter Obstwiesen soll weiter wachsen. Gerade im Süden von Langen gibt es noch große, zusammenhängende Gebiete, in denen wir in den nächsten Jahren aktiv werden möchten.“ Dazu ist das Einverständnis der Eigentümer nötig, denen damit aber die Pflege ihrer Grundstücke abgenommen würde. Denn eine der ersten Maßnahmen ist die Entbuschung der Wiesen und die Freistellung der Obstbäume.

Durch eine Ausweitung könnten für die Langener noch mehr solch „schöner, grüner Plätze mitten im Ballungsraum Rhein-Main“ entstehen, wie Jäger die Streuobstwiese am Springenweg beschreibt. Doch nicht der Mensch steht im Vordergrund beim Erhalt dieser Sonderbiotope, sondern die Tierwelt. Vögeln, Fledermäusen und Hornissen bieten die Baumhöhlen einen idealen Lebensraum und sogar der für die Produktpalette namensgebende Siebenschläfer könnte dort ein zu Hause gefunden haben: „Möglicherweise ist er da, aber er ist sehr klein und nachtaktiv, deshalb ist er schwer zu finden“, so Gollnow.

Siebenschläfer oder nicht, mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt eigenen sich Streuobstwiesen für praktischen Biologieunterricht. Aber nicht nur lernen kann man hier, sondern auch viel Spaß haben: „Ende September beginnt wieder die Erntezeit. Wenn der Traktor kommt, ist das gerade für Kinder einfach eine Gaudi“, berichtet Gollnow. So schließt sich dann mit der Ernte auch wieder der Kreis, denn der gesamte Erlös aus dem Verkauf der regionalen Produkte fließt wieder in die Pflege der Bäume.

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