Supermarkt-Projekt in der Bahnstraße

Breite Mehrheit für Bebauungsplan

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So fügt sich das geplante Gebäudeensemble in das Karree ein. Die Grafik zeigt den Blick von der Taunusstraße nach Westen. Der Supermarkt zieht ins Erdgeschoss des Hauptgebäudes, darüber erheben sich Riegel mit Wohnungen und Büros. Ein weiteres Wohngebäude ist im Vordergrund zu sehen. Den Neubauten müssen die drei Backsteinhäuser an der Bahnstraße 39-43 weichen.

Langen - Breite Mehrheit für das Quartierszentrum Obere Bahnstraße, also den geplanten Supermarkt mit Magnetfunktion: SPD, Grüne, FDP und große Teile der CDU stimmten der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanentwurfs zu. Von Markus Schaible 

Doch in der Union hat die Entscheidung so kurz vor der Kommunalwahl für Streit gesorgt – und der trat im Stadtparlament offen zutage. „Leider ist es so, dass sich die CDU wieder mal nicht einig ist.“ Rita Poppenhäger sprach aus, was anhand des zuvor von Fraktionschef Berthold Matyschok angekündigten Abstimmungsverhaltens schon klar war – aber sie legte nach: Am Montag sei in der Fraktionssitzung beschlossen worden, einstimmig für den Supermarkt-Bau zu stimmen, doch daran würden sich nun einige nicht halten.

Warum er nicht zustimme, hatte zuvor CDU-Spitzenkandidat Jörg Nörtemann erklärt: Er halte einen Lebensmittelmarkt nicht für einen geeigneten Frequenzbringer, bei der früheren Zustimmung sei von der Union vielmehr an ein großes Bekleidungsgeschäft gedacht worden. Zudem habe er viele Fragen, die noch nicht geklärt seien. Ablehnen mochte er die Vorlage deshalb aber nicht – gemeinsam mit drei weiteren CDU-Politikern enthielt sich Nörtemann. Somit kamen die einzigen Gegenstimmen von der FWG-NEV. Der Supermarkt zu groß, die zusätzliche Bebauung zu massiv, zu viel Verkehr – Uli Vogel wiederholte noch einmal, warum sich die Freien Wähler trotz der Zustimmung in früheren Planungsphasen nun gegen den Magnet aussprechen.

Berthold Matyschok hatte zuvor in der letzten Rede seiner langjährigen politischen Tätigkeit hervorgehoben, dass der Beschluss keinesfalls die Bebauung schon endgültig festklopfe. Vielmehr hätten die Anwohner nun die Gelegenheit, ihre Ablehnung in Form von Einsprüchen rechtssicher in das Verfahren einzubringen: „Das ist üblich, das ist Demokratie.“

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Sozialdemokraten, Grüne und FDP machten klar, dass es ihnen mit ihrer Zustimmung aber um mehr geht als nur das Weiterbringen des demokratischen Instruments Bebauungsplanverfahren. Sie stehen hinter dem Projekt in seiner jetzigen Ausprägung, denn, so Eberhard Heun (SPD): „Kleine Läden, die mit Wettbüros und Tattoostudios belegt werden, verschönern die Bahnstraße nicht.“ Und er erinnerte daran, dass viele Bewohner der Innenstadt vor zehn Jahren großen Unmut geäußert hatten, als die HL-Märkte schlossen: „Nicht mobile Bevölkerungsgruppen haben Probleme, ihren täglichen Bedarf zu decken.“

Es gelte: „Allgemeininteresse vor Einzelinteresse“, erklärte FDP-Fraktionsvorsitzender Christian Jaensch. „Wohnbebauung und Einzelhandel passt in die Innenstadt“, betonte auch der grüne Fraktionssprecher Jens Duffner. So sehen es auch die Befürworter in der Union. Rita Poppenhäger: „Jeder, der im Stadtzentrum wohnt, muss wissen, dass er dafür gewisse Dinge in Kauf nehmen muss.“ Über die Verkehrsanbindung, waren sich die Befürworter einig, müsse im weiteren Verfahren noch detailliert gesprochen werden, doch sei diese Problematik in den Griff zu bekommen. Und so schloss sich zum Missfallen der zahlreichen Anwohner im Zuschauerraum die große Mehrheit der Parlamentarier der Ansicht an, die Rainer Bicknase (SPD) auf den Punkt brachte: „Das ist die einzige Chance, die Bahnstraße zu ihrem Besseren zu verändern.“

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