„Wir sind regelrecht überrannt worden“

Tafel verhängt Aufnahmestopp

Langen - „Es ist der Wahnsinn! Wir sind an die Grenzen des Machbaren gestoßen, sowohl was unsere Lebensmittelvorräte angeht als auch die Belastbarkeit der Helfer“, stöhnen Gertrud Keim und Friedelgaard Pietsch vom Vorstand der Langener Tafel. Die Konsequenz: ein sofortiger Aufnahmestopp bis voraussichtlich Ende September.

„So bedauerlich es ist: Wir können ab sofort keine weiteren Tafelausweise an Bedürftige ausgeben“, sagt Pietsch. Ursache dafür sei ein sprunghafter Nachfrage-Anstieg, der am vorigen Donnerstag kulminierte. „Es kamen ungefähr 60 Menschen auf einen Schlag zu uns, um sich für den Bezug von Lebensmitteln neu anzumelden“, schildert Keim. „Einschließlich der regulären Kunden standen gut 120 Leute vor der Tür“, ergänzt Pietsch. Bei so einer Anzahl müsse der Tafel-Verein in dem erst vor gut vier Wochen bezogenen Laden an der Carl-Schurz-Straße im Neurott kapitulieren.

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„Wir haben die neuen Bedürftigen auf die vier Ausgabe-Gruppen montags, dienstags, donnerstags und freitags verteilt, die nun jeweils 70 bis 80 Leute zählen“, fasst Pietsch zusammen. „Damit versorgen wir jetzt mehr als 300 Bedürftige und deren Familien nicht nur aus Langen, sondern auch aus Dreieich, Egelsbach und Erzhausen. Mehr ist einfach nicht drin, denn für mehr Leute reicht die Ware gar nicht, die unsere Helfer mit zwei Lieferwagen bei inzwischen 14 Lebensmittelmärkten in der Region als Spenden abholen.“

Warenkapazität, Platzfrage, Helferbelastung, Sicherheitsaspekt – der Tafelverein hat seine Entscheidung per Brief den Verantwortlichen in den Rathäusern von Dreieich bis Erzhausen mitgeteilt. „Wir verbinden damit die Hoffnung, dass die Sozialbehörden den Aufnahmestopp weiter publik machen und hoffen, dass sich die Lage durch Umzugs-Fluktuation auch wieder entspannt“, so Pietsch. (hob)

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