Aus der Forschung in die Pfarrei

Christian Mulia tritt im September Amt in Stadtkirche an

Langen -  Die Evangelische Kirchengemeinde hat einen neuen Pfarrer: Im September übernimmt Dr. Christian Mulia das Amt in der Stadtkirche.

Übernimmt im September in der Stadtkirche: Dr. Christian Mulia ist neuer Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde.

Die Ideen, die er zuletzt in Forschung und Lehre wissenschaftlich entwickelte, will er nun in die Tat umsetzen – und mit Einrichtungen für Familien und Senioren zusammenarbeiten. Ursprünglich hatte der aus Oberhausen im Ruhrgebiet stammende Dr. Christian Mulia ein Chemiestudium ins Auge gefasst, schwenkte dann aber zur evangelischen Theologie um. Über verschiedene deutsche Universitätsstädte, das schottische Edinburgh und zuletzt Mainz zieht es ihn nun nach Langen. Am Sonntag, 11. September, führt Dekan Reinhard Zincke Mulia im Gottesdienst in der Stadtkirche um 10 Uhr offiziell in sein Amt ein. Anschließend lädt die Gemeinde zu einem Empfang ein. Der 44-Jährige tritt die Nachfolge von Pfarrer Harald Kopp an, der die Position aus gesundheitlichen Gründen nicht länger bekleidet und bis zu seinem Ruhestand Vertretungsdienste im Evangelischen Dekanat Dreieich und in Langen übernehmen wird.

Rückblickend macht Mulia seine guten Erfahrungen als Kindergottesdiensthelfer und Jugendmitarbeiter nach der Konfirmation sowie die Prägung durch den heimischen Gemeindepfarrer dafür verantwortlich, dass er sich stärker für Gemeindearbeit denn für Naturwissenschaft interessiert. Seine Eltern hatten ihm schon früh ökumenische Verbundenheit vorgelebt: „Über viele Jahre haben sich meine katholische Mutter im Pfarrgemeinderat und mein evangelischer Vater im Kirchenvorstand engagiert“.

Während des Theologiestudiums in Wuppertal, Marburg und Bochum absolvierte Mulia ein Auslandsjahr im schottischen Edinburgh. Der ersten Theologischen Prüfung im Jahre 1999 folgte zunächst der Abschluss des parallelen Diplom-Pädagogikstudiums in Marburg mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung.

Nach dem Vikariat in Köln und der zweiten Theologischen Prüfung zog es ihn von der Rheinischen Landeskirche zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nach Mainz. Dort war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Praktische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität tätig. Zugleich wirkte er von 2004 an in der Mainzer Luthergemeinde als Pfarrer im Ehrenamt. Einen Arbeitsschwerpunkt in dieser Zeit bildeten die Glaubenskurse, die die Teilnehmer selbst augenzwinkernd als „Religionsunterricht für Erwachsene“ bezeichneten. „Diese offene und kritische Auseinandersetzung mit biblisch-christlichen Themen habe ich als Bereicherung empfunden“, sagt Mulia im Rückblick.

2010 promovierte er mit einer Arbeit über „Perspektiven der kirchlichen Altenbildung“ an der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Neben seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit kirchlicher Altenarbeit absolvierte Mulia eine Fortbildung zur „Seelsorge an demenziell erkrankten Menschen“. In den Begegnungen mit Heimbewohnern sei ihm klar geworden, „was Würde und Reichtum, aber auch die Zerbrechlichkeit des Lebens bedeuten“.

Mulia interessiert sich zudem für den Brückenschlag zwischen Kultur und Religion: Mit Mainzer Studenten untersuchte er, welche existenzielle Fragen Kinofilme aufwerfen oder erkundete die Gegenwartskunst auf den documenta-Ausstellungen in Kassel. Dass seine neue Wirkungsstätte mit Fenstern von Johannes Schreiter ausgestattet ist und vier neue Fenster im Querschiff sowie eine Supraporte für den Eingang erhalten wird, sieht er als Glücksfall an.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

Für die Gemeindearbeit entschieden hat sich Mulia schließlich im Zuge seiner Habilitationsschrift zur Kirchenvorstandsarbeit, die kurz vor dem Abschluss steht. „Ich sehe mich als Teamplayer und freue mich auf die Zusammenarbeit im Langener Pfarrkollegium“, so der Theologe. Ihn reizt es, die Ideen, die er in Forschung und Lehre entwickelt und Studenten vermittelt hat, nun praktisch umzusetzen. „Im Pfarramt kann ich Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und mit vielfältigen Geschichten begegnen“, erklärt er. So will er die Kirchengemeinde mit Einrichtungen der Familien- und Seniorenarbeit vernetzen. „Solche Kooperationen sind für alle Beteiligten ein Gewinn“, betont Mulia.

Als Ausgleich für seine berufliche Tätigkeit betreibt er Konditionstraining und spielt Badminton. Er mag Brett- und Kartenspiele und schätzt gute Kinder- wie Jugendliteratur. Zudem backt er gerne - insbesondere, wenn er gerade ein Projekt abgeschlossen hat. Dann durchzieht ein Duft nach Kuchen die Pfarrwohnung. (jrd)

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